Frühlingsfest der Sinne

Beeindruckende Fotos nahmen die Gäste in der Brelinger St.-Martini-Kirche gleichsam mit in das Faszinosum „Venedig“; und das Streicherensemble „Aoide Strings“ unter Leitung von Gerd Müller-Lorenz spielte sich unter anderem mit dem Frühling aus den „Vier Jahreszeiten“ in die Herzen der Zuschauer. Foto: Hans-Jürgen Weiß

Vivaldi, Venedig und Violinen – drei in Brelingen gefeierte „Gäste“

Brelingen. Weit über 300 begeisterte Zuhörer erlebten kürzlich in St. Martini Brelingen ein Konzert der besonderen Art: ein dreifach medialer Zugriff – Text, Bild, Musik – fokussierte den Abend auf Leben und Wirken Antonio Vivaldis. So entstand durch Franz Rainer Enstes Kunst des Vortrags ein vielfältiges, bewegendes Lebensportrait; atmosphärisch beeindruckende Fotos von Manfred Zimmermann nahmen die Gäste in der Brelinger St.-Martini-Kirche gleichsam mit in das Faszinosum „Venedig“; und das Streicherensemble „Aoide Strings“ unter Leitung von Gerd Müller-Lorenz spielte sich unter anderem mit dem Frühling aus den „Vier Jahreszeiten“, der wohl populärsten Komposition Vivaldis, direkt in die Herzen der Zuhörer.
Hier kam eine Kunstform zur Aufführung, für die es noch gar keinen eigenen Namen gibt. Es ist nicht nur die Einzelleistung der drei beteiligten Kunstformen und ihrer Ausführenden, die je für sich schon einen Besuch lohnenswert gemacht hätten; es war das aufeinander abgestimmte Zusammenspiel der drei Kunstformen, das die Zuhörer in den Bann zog. Musik, Bild und Wort schafften ein Gesamtkunstwerk. Die Zuhörer (oder doch die Gäste? oder das Publikum? denn Bilder kann man nicht hören) in St. Martini in Brelingen belohnten das mit lang anhaltendem, rhythmischen Schlussbeifall. Nach dem Konzert hörte man Lob in den höchsten Tönen: „Fantastisch, Gänsehautatmosphäre und beeindruckende Tiefe der Information.“
Enste verstand es in seinem emphatischen Vortrag über Leben und Wirken Vivaldis, auch aktuelle Bezüge zwischen dem Komponisten, der Stadt und gerade auch umweltpolitischen Entwicklungen herzustellen. Die dringende Notwendigkeit von „vivaldischer“ Kreativität als einzufordernde Problemlösungshaltung in der Politik gegen die vielfältigen Bedrohungen durch Klimawandel, Umweltverschmutzung und zunehmenden Militarismus vermochte er hier sinnvoll und anregend mit brillanter Rhetorik einzuflechten.
Manfred Zimmermanns Fotos, in beeindruckender Weise auf Musik und Texte abgestimmt, schufen die hintergründige Atmosphäre. Seine Fotos zeigten ganz anders als ein üblicher Diavortrag nicht einen strahlend blauen Himmel über der Pracht Venedigs, sondern sie waren Bild gewordene Poesie, zum Teil geschaffen mit dem Mittel der Verfremdung durch Unschärfe, Langzeit- oder Mehrfachbelichtung.
Die Musik umfasste einige der Violinkonzerte Vivaldis, allen voran Teile der „Vier Jahreszeiten“. Die jungen Musiker des Streichensembles Aoide Strings meisterten nicht nur souverän die beachtlichen Schwierigkeiten der Vivaldischen Violinkonzerte. In ihren beherzt und temporeich vorgetragenen musikalischen Einschüben zeigten sie eine gute Durchsicht in der Stimmenführung, perfekt abgestimmte dynamische Wechsel, überhaupt ein sehr gut aufeinander eingestelltes, atmendes Zusammenspiel sowie große Spannungsbögen in langsamen Sätzen. Die Solo-Violinistin Angela Jaffé vom Staatsorchester Hannover brillierte virtuos in den überaus schwierigen Solopartien und blieb doch auch Teil des Gesamtensembles.
Der Orgelbauverein St. Martini hatte die Initiative zu der Veranstaltung von Franz Rainer Enste aufgenommen und den Abend organisatorisch „in die Hand“ genommen. Dank der finanziellen Förderung durch die Gemeinde Wedemark war dann auch schnell klar, dass die Kosten für die Musik die Kalkulation dieses Abends nicht sprengen würden. Der Bürgermeister der Gemeinde Wedemark, Helge Zychlinski, Schirmherr der Veranstaltung, bedankte sich in seiner kurzen Ansprache nicht nur bei allen beteiligten Künstlern, sondern auch beim Orgelbauverein und vor allem bei den Zuhörern für die über den Eintritt geleistete Unterstützung der konzertanten und der kirchenmusikalischen Arbeit an St. Martini Brelingen.