Gailhofer freuen sich über die Chronik

Die Gailhofer Turmuhr in voller Pracht. Foto: M. Hulacz
 
Die ersten beiden druckfrischen Exemplare der Chronik „Von der Bissendorfer Kirchturmuhr zur Gailhofer Turmuhr“ überreichte Autor Manfred Hulacz (M.) an Heidi Leide vom Bürgerverein und Manfred Ebeling aus Mellendorf. Foto: A.Wiese

Manfred Hulacz hat die Geschichte der Gailhofer Turmuhr akribisch aufgearbeitet

Gailhof (awi). Es war ein erlesener kleiner Kreis, insbesondere von Gailhofern, aber auch von historisch interessierten Menschen der Nachbargemeinden, der am Mittwochabend an der Vorstellung einer ganz besonderen Chronik teilnahm: „Von der Bissendorfer Kirchturmuhr bis zur Gailhofer Turmuhr“. Auf 25 Seiten hat der Burgwedeler Manfred Hulacz die Spuren der Bissendorfer Kirchturmuhr aus dem Jahr 1768 verfolgt, die nach Gailhof führen. Hier zeigt die Uhr am Türmchen auf dem Dorfgemeinschaftshaus am Dreieck auch nach 245 Jahren noch die Zeit an. Warum die Uhr von Bissendorf nach Gailhof kam und was alles auf die Beine gestellt werden musste, damit sie heute wieder richtig tickt – das schildert Manfred Hulacz anschaulich – wie ein Mosaik hat er die Informationen zusammengetragen bis sich ein nachvollziehbares Bild ergab. Die ersten beiden druckfrischen Exemplare überreichte der Autor Heidemarie Leide stellvertretend für den Bürgerverein und Manfred Ebeling aus Mellendorf. Um das zu verstehen, muss man in die Geschichte der Uhr eintauchen: Die Bissendorfer Michaeliskirche verfügte ganz offensichtlich bereits im Jahre 1534 über eine Turmuhr. Als diese Räderuhr mit der Zeit zu reparaturanfällig wurde und die Uhrmacherkunst gewaltige Fortschritte gemacht hatte, wurde im Jahre 1768 eine neue Uhr in den Turm eingebaut und zwar in der Mitte des Turmdachs. Die erste Uhr – das ist aus dem Planungsentwurf zu ersehen – war linksseitig auf dem Turmdach in Höhe des Deckenbodens eingerichtet. So begann die Geschichte der jetzigen Gailhofer Turmuhr 1768 im Bissendorfer Kirchturm, wo sie brav ihren Dienst versah. 1810 musste das Uhrwerk repariert werden. Die Beschreibung des Wettmarer Uhrmachermeisters Cord Heinrich Bußmann, der die Uhr reparieren sollte, gibt den einzigen Hinweis auf die Herkunft der Uhr: „Die Uhr ist gebaut mit langem Perpendikel, die nach alter Methode eingerichtet und vermutlich in England hergestellt ist“. Manfred Hulacz erzählte am Mittwochabend, dass er bisher vergeblich versucht habe, die Herstellerfirma der Uhr ausfindig zu machen, aber weiter dran bleibe. 1811 wurde die Uhr endlich repariert – für 52 Taler, damals ein namhafter Betrag. Während eines Gewitters im Juli 1881 wurde durch einen Blitzschlag der Kirchturm stark beschädigt. Ein Jahr später nahm man im Zuge der Reparaturarbeiten die alte Uhr ab und ersetzte sie durch eine neue mit nach drei Seiten sichtbaren Ziffernblättern. Die Uhr aus dem Jahr 1768 kam als Turmuhr nach Gailhof: Kantor Ludolph Engelke erwarb sie und schenkte sie seinem Geburtsort Gailhof. Sie fand ihren Platz 1883 auf dem Dachfirst der damaligen Schule, die dafür extra einen Turm bekam. Als die Schule 1918 verkauft wurde, wurde die Uhr abgenommen und etwa für zehn Jahre eingelagert. 1930 bekam die Uhr einen neuen Platz in einem Turmaufbau auf dem neuen Spritzenhaus am Hirtenweg. Als 1956 das heutige Feuerwehrgeräte- und Dorfgemeinschaftshaus fertig wurde, zog die Gailhofer Turmuhr erneut um – in den kleinen viereckigen Glockenturm und wurde gehegt und gepflegt. Da die Uhr jeden zweiten Tag aufgezogen werden musste, machte man sich bereits 1956 Gedanken über einen Neukauf einer Turmuhr mit einem elektrischen Aufzugssystem und holte auch einen Kostenvoranschlag ein. Es kam aber nicht dazu. 1981 musste das Uhrwerk überholt werden und lief dann wieder viele Jahre zur vollsten Zufriedenheit. 1989 gab es Schwierigkeiten einen Gailhofer zu finden, der das Uhrwerk regelmäßig per Hand aufzog. Man überlegte bereits, einen elektrischen Uhraufzug anzuschaffen, doch dann erklärte sich Erich Koch bereit, als Betreuer zu fungieren. 1991 finanzierte der Gailhofer Unternehmer Harry Leide die Restaurierung des Zifferblattes. Als der Uhrbetreuer 1996 nicht mehr jeden zweiten Tag auf den Boden des Gerätehauses steigen konnte, um die Uhr aufzuziehen, wurde die Idee des elektrischen Uhraufzuges endlich in die Tat umgesetzt. 2002 blieb die Uhr stehen und konnte nicht wieder in Gang gebracht werden: Zwei Zähne des Ankerrades waren gebrochen. Heidi Leide als Vorsitzende des Bürgervereins und Ortschronist Max Steinborn setzten sich für die Reparatur der Uhr ein, doch erst 2006 ergab sich zufällig über Herbert Schrader-Pries aus Mellendorf zu dessen Onkel, der zwei neue Zähne mit einer Spezialtechnik in das Ankerrad einlötete. Das reparierte Rad wurde eingebaut, das Uhrwerk gereinigt und geölt und die Uhr von Jürgen Kellner justiert. Doch das reparierte Ankerrad hielt der Belastung auf Dauer nicht stand. Ein neues zu besorgen war ein echtes Problem, doch die Rettung kam durch Heidi Leide: Sie konnte Manfred Ebeling aus Mellendorf, der Inhaber der Ebeling Präzisionsmechanik GmbH in Langenhagen dafür gewinnen, ein neues Ankerrad aus Hartbronze kostenlos anzufertigen. Am 13. Januar 2007 wurde es vom Uhrmachermeister Jürgen Kellner eingebaut, die Turmuhr wieder in Gang gesetzt und sie läuft bis zum heutigen Tag. Und nun wissen die ECHO-Leser, warum Heidi Leide und Manfred Ebeling von Manfred Hulacz die ersten beiden Chroniken bekommen haben!