Gemeinde braucht dringend Wohnraum

Die Container in Elze, die bis vor Kurzem die Krippe beherbergten, dienen zur zeit als Notwohnraum für eine Flüchtlingsfamilie. Doch nächste Woche werden die Container abgeholt. Foto: A. Wiese

BAMF schickt Familie aus dem Kosovo unangekündigt in die Wedemark

Wedemark (awi). Bürgermeister Helge Zychlinski ist höchst verärgert: Am Dienstag um 14 Uhr habe eine vierköpfige wiedereinreisende Familie aus dem Kosovo im Foyer des Rathauses gestanden – mit einem Schreiben des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge), dass sie erneut der Wedemark zugewiesen hat. Im Prinzip in Ordnung, denn die Wedemark hat ihr Kontingent noch nicht ganz erfüllt. Was nicht in Ordnung sei, so Zychlinski, ist, dass die Gemeinde davon in diesem Fall überhaupt nichts wusste.
Bereits zwei Mal in jüngster Vergangenheit sei die Gemeinde extrem kurzfristig von der bevorstehenden Ankunft von Flüchtlingen informiert worden, habe aber immer noch improvisieren können, zum Beispiel, indem sie einen geplanten Mietvertrag vorziehen konnte. In diesem Fall ging das nicht. Alle Bemühungen, kurzfris-tig Wohnraum aufzutreiben, scheiterten und dem Bürgermeister und seinem Team Soziales blieb nichts anderes übrig, als die Flüchtlingsfamilie aus dem Kosovo in den Containern in Elze unterzubringen, in denen bis vor wenigen Tagen die Krippenkinder ihr Domizil hatten. Im alten Jugendpflegebereich im Haus am Sande gibt es mittlerweile ein Notlager mit Betten, Matratzen und Bettzeug. Der Bauhof wurde aus dem Feierabend zurückgeholt, brachte Betten und Bettzeug in die Container nach Elze und die Gemeindekasse zahlte einen Teil Sozialhilfe aus, damit sich die Familie mit Lebensmitteln versorgen konnte. Für den Tag war die „Kuh also vom Eis“. Doch in wenigen Tagen werden die Container abgebaut. Wohin dann mit der Familie? Bürgermeister Helge Zychlinski wendet sich daher mit einem ganz, ganz dringlichen Aufruf an die Bevölkerung, der Gemeinde privaten Wohnraum zu vermieten: „Wir brauchen so dringend Wohnungen wie noch nie! Möbliert, unmöbliert und zur Not auch nur für einen beschränkten Zeitraum. Ganz egal.“ In diesem akuten Fall wird für die betroffene Familie eine Wohnung bis 85 Quadratmeter Größe gesucht. Aber Helge Zychlinski bittet darum, der Gemeinde jeglichen zur Verfügung stehenden Mietraum anzubieten, denn die nächsten Flüchtlinge seien absehbar. Im Rathaus würden bereits sämtliche Alternativlösungen geprüft, so der Bürgermeister im Pressegespräch. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Anmietung von Containern die teuerste Lösung wäre. „Zurzeit ermittelt die Verwaltung die Kosten für Wohnungen in Leichtbauweise, aber wir müssen auch die Verwendung öffentlicher Einrichtungen prüfen“, erklärte Zychlinski. Es werde daher jeglicher geeignete private Wohnraum zu akzeptablen Preisen angemietet. Im Fall der Familie aus dem Kosovo ist völlig unklar, wielange die Familie mit einem elf- und 16-jährigen Kind bleibt. „Wir sind per Gesetz verantwortlich, die Familie unterzubringen, bis erneut eine Entscheidung über ihre Aufenthaltserlaubnis fällt“, so Zychlinski. In der Regel sei der Zuweiser für die Kommunen die Landesaufnahmebehörde, im Fall der Wiedereinreiser sei jedoch das BAMF zuständig. Entsprechende Beschwerden, dass keine Benachrichtigung erfolgt sei, habe er abgesetzt, so Zych-linski. Aktuell lebten etwa 280 Flüchtlinge aus diversen Kriegsgebieten in der Welt in der Wedemark.