Gemeinde erhält einen "Schatz" übereignet

Feierliche Übergabe: Friedel Lüddecke (sitzend) und Ehefrau Christa haben für die Gemeinde einen riesigen Datensatz an digitalen Chroniken und Fotos zusammengestellt, die Bürgermeister Helge Zychlinski und Christian Bruns aus dem Hauptamt dankbar annehmen. Foto: A. Wiese

Friedel Lüddecke übergibt sein digitales Archiv

Wedemark/Evensen (awi). 45 Gigabyte Daten und 20.000 Bilder im jpg-Format hört sich viel an – tatsächlich war es jedoch nur eine kleine Tüte voll CDs plus einem USB-Stick, den Bürgermeister Helge Zychlinski und Hauptamtsleiter Christian Bruns letzte Woche aus Evensen mitnahmen. Und doch befindet sich darauf das gesamte digitale Archiv von Friedel Lüddecke. Obwohl er in Evensen bei Neustadt wohnt, ist der Name Friedel Lüddecke den Wedemärkern ein Begriff. Sowohl Friedel Lüddecke, der aus Bissendorf kommt, als auch seine Frau Christa, geborene Lehsten, aus Mellendorf, wohnen zwar seit vielen Jahrzehnten in Evensen, sind aber im Herzen immer Wedemärker geblieben. Darum haben sie sich auch nach ihrem Umzug nach wie vor für die Geschehnisse in der Wedemark interessiert und fleißig das ECHO gelesen. Und nicht nur das. Als Friedel Lüddecke, der durch Multiple Sklerose an den Rollstuhl und mittlerweile auch ans Haus gefesselt ist, vor mehr als 20 Jahren den Computer für sich entdeckte, begann er Zeitungsartikel und Todesanzeigen zu archivieren. Und bald darauf begann er auch Chroniken zu layouten. Mittlerweile umfasst sein digitales Archiv so viele Werke und Fotos, dass es nicht mehr möglich ist, sie an dieser Stelle alle aufzuführen. Der Fokus liegt auf Bissendorf und Mellendorf, doch auch Scherenbostel und Wiechendorf, Schlage-Ickhorst und Wennebostel sind vertreten. Von der Mohmühle in Gailhof über den Einmarsch der Alliierten in Brelingen, Flüchtlinge oder Kirchenbücher in Bissendorf, Gräber auf dem Friedhof, Mühlen, Feldpostbriefe oder Todesannoncen bis zu Familienchroniken, Rezessen und Broschüren gibt es kaum Stichwörter, zu denen Friedel Lüddeckes Archiv keine Auskunft gibt. Vieles, was er gesammelt hat, basiert auf der Grundlage von Artikeln und Anzeigen aus dem Wedemark ECHO. Das hat zwar auch die Gemeine archiviert, aber nicht komplett digital und nicht mit der Möglichkeit der Schlagwortsuche oder einzelnen Bildern. Und so bedankte sich Bürgermeister Helge Zychlinski letzte Woche zu Recht bei Friedel Lüddecke für seinen „Schatz", den er der Gemeinde noch zu Lebzeiten übergeben hat. Das sei für ihn auch entscheidende Motivation gewesen", berichtete der 70-Jährige. Zu wissen, dass sein Lebenswerk in guten Händen sei. Für die Gemeinde könnte dies der Grundstock für ein Archiv sein, das ja im Aufbau begriffen sei, so der Bürgermeister. Räumlichkeiten dafür gebe es zwar noch nicht, doch nähmen ja zum Glück gerade die digitalen Daten kaum Platz weg. Da sehe es mit den Kisten mit alten Rezessen, die sich im Keller des Rathauses stapelten, schon ganz anders aus. Die Gemeinde habe ja mit Unterstützung des historischen Arbeitskreises gerade erst angefangen, insbesondere die Zeit vor ihrer eigentlichen Gründung als Gemeinde Wedemark, also vor 1974, aufzuarbeiten und Zeugnisse davon zu sammeln. Die in der Niedersächsischen Kommunalverfassung genannte Pflicht einer Kommune zum Vorhalten eines Archives sei so ungenau definiert, dass das, worüber die Gemeinde Wedemark derzeit verfüge, möglicherweise schon ausreiche. Dennoch werde sich die Verwaltung gemeinsam mit den politischen Gremien weiter mit dem Thema beschäftigen, bestätigte Zychlinski. Und Friedel Lüddeckes Archiv sei ein ganz entscheidender Beitrag dazu. Er sprach dem 70-Jährigen seine Hochachtung für die akribische Arbeit trotz seiner schweren Beeinträchtigung durch die Multiple Sklerose aus. Lüddecke kann mittlerweile nur noch einen Arm und wenige Finger der Hand bewegen. Dennoch beherrscht er Computertastatur, Scanner und Maus meisterlich. Ein wenig wehmütig schaut er dem Bürgermeister hinterher, als der mit seinem „Schatz" im Auto davonfährt. Doch das ist ja das Gute an digitalen Daten: Sie werden einfach kopiert und bleiben so trotz Weitergebens auch für einen selber erhalten. Lüddecke gab übrigens Lob und Anerkennung für seine Arbeit umgehend an seine Frau Christa, die viele Jahre für die Gemeinde Wedemark gearbeitet hat, und der erste Lehrling der damals selbstständigen Gemeinde Mellendorf war, weiter. "Ohne sie hätte ich das nicht geschafft!" Auch das ECHO freute sich übrigens schon viele Male über die Unterstützung von Friedel Lüddeckes. Fehlte zum Beispiel für einen Artikel über die Sanierung von Mellendorfs ältestem Fachwerkhaus ein möglichst historisches Foto vom Originaliobjekt – ein Anruf bei Friedel Lüddecke und es läuft wenige Minuten später per E-Mail ein. Und daran wird sich hoffentlich auch viele Jahre noch nichts ändern.