Gemeinde gibt Einbürgerungsempfang

Bürgermeister Helge Zychlinski (von rechts) mit den eingebürgerten Wedemärkern Tally Bluhm, Kritsana Wojke, Jenniet Standvoß, Brenda Rüping und Ewa Malinowska-Benning. Foto: A. Wiese

Fünf Wedemärkerinnen folgten am Montag der Einladung ins Bürgerhaus

Wedemark (awi). Die Gemeinde Wedemark legt Wert auf eine gute Willkommenskultur und hatte daher am Montagabend eingebürgerte Mitbürger, die in den vergangenen zwei Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben, zu einem Empfang ins Bürgerhaus eingeladen. Fünf Wedemärkerinnen, die schon seit vielen Jahren in der Gemeinde leben, folgten der Einladung und hatten eine interessante Geschichte zu erzählen.
Neben den Geladenen und ihren Familienangehörigen begrüßte Bürgermeister Helge Zychlinski mit Gerd Dolle, Achim von Einem und Christa Goldau auch drei Ortsbürgermeister aus den Wohnorten der Eingebürgerten sowie mit Rebecca Schamber und Rudi Ringe auch die Spitzen der Ratsfraktionen von SPD und CDU und die Erste Gemeinderätin Konstanze Beckedorf. Zum ersten Mal, so Zychlinski, habe sich die Gemeindeverwaltung entschlossen, diesen Empfang separat auszurichten. In der Vergangenheit hatte die Gemeinde die eingebürgerten Mitbürger in eine Ratssitzung eingeladen und dort begrüßt. Doch sei dies dort doch ein wenig untergegangen, so Zychlinski, und es bestand auch keine Gelegenheit, sich miteinander auszutauschen. Beim Empfang am Montag wurden im Anschluss an den offiziellen Teil mit Blumen und einem Fotoband über die Wedemark noch angeregte Gespräche geführt, bei denen die geladenen Wedemärkerinnen auch gerne ihre Geschichte erzählten. Das Beantragen der deutschen Staatsbürgerschaft, auch wenn man schon seit vielen Jahren hier lebe, d0kumentiere die Verbundenheit mit Deutschland, so der Bürgermeister in seiner kurzen Ansprache. Die Antragsteller nähmen zwar ein bürokratisches Verfahren auf sich, hätten aber mit dem Einbürgerungstest kein Problem und müssten in den meisten Fällen auch keine Sprachprüfung mehr ablegen. „Einbürgerung ist heute gelebte Wirklichkeit geworden“, betonte Zychlinski, der auch auf den an seinem Namen erkennbaren eigenen Migrationshintergrund anspielte, wenn dieser auch schon bis in das Jahr 1860 zurückreiche. Er begrüßte, dass heute fast in allen Fällen eine doppelte Staatsbürgerschaft möglich sei. Das belege den Wandel zur Weltoffenheit der Bundesrepublik Deutschland.
Tally Bluhm aus Scherenbostel ist die einzige der fünf Damen, die am Montag der Einladung gefolgt waren, die den Luxus der doppelten Staatsbürgerschaft nicht in Anspruch nehmen kann. Ihr Herkunftsland Dänemark gestattet dies nicht. Dass die 71-Jährige, die bereits seit 1964 in Deutschland und seit 1968 in der Wedemark lebt, sich jetzt entschloss, den deutschen Pass zu beantragen, liegt daran, dass sie zur Verlängerung ihres dänischen Ausweises alle zehn Jahre lange Wege hätte auf sich nehmen müssen, weil dies mittlerweile nicht mehr wie früher in Hannover möglich war. Tally Bluhm hatte vor mehr als 50 Jahren ihren Mann in Dänemark kennengelernt, als dieser dort gearbeitet hatte, und war ihm nach Deutschland gefolgt. ritsana Wojke aus Gailhof hat ihren mittlerweile verstorbenen Mann in ihrer Heimat Thailand kennengelernt, als dieser dort Urlaub machte. Seit 1991 lebt die Thailänderin jetzt in der Wedemark. Eigentlich habe sie die deutsche Staatsbürgerschaft schon lange beantragen wollen, doch habe ihr die Zeit für den bürokratischen Akt gefehlt, erzählt die 41-Jährige, für die die Wedemark längst zur Heimat geworden ist. Bis zum letzten Jahr hat sie im Spielkreis des Vereins Löwenherz in Resse gearbeitet. Als sie dann beruflich etwas Luft hatte, entschloss sie sich endlich den lange geplanten Schritt zu tun und die notwendigen Schriftwechsel und Prüfungen in Angriff zu nehmen.
Ewa Malinowska-Benning lebt seit dreieinhalb Jahren in Wennebostel. Die gebürtige Polin hat jahrelang in München gewohnt, studiert und gearbeitet. Dann ging sie mit ihrem Mann nach England und kam über diesen Umweg vor drei Jahren in die Wedemark. „Als ich Polen 1999 verließ, hätte ich nicht gedacht, dass ich nicht zurückgehe, aber ich fühle mich wohl hier und sowohl als Deutsche als auch als Polin“, berichtet sie stolz. Ihr Mann ist Deutsch-Amerikaner und hat so wie sie jetzt die doppelte Staatsbürgerschaft.
Jenniet Standvoß aus Kuba folgte vor 23 Jahren ebenfalls ihrem Herzen und ihrem Mann nach Deutschland. Und hier blieb sie auch nach dem Tod ihres Mannes. Seit ein paar Jahren arbeitet sie im Kinderpflegeheim in Mellendorf. Bei ihr gab eine Bemerkung ihres S0hnes den Anstoß, jetzt nach so langer Zeit den Antrag auf Einbürgerung zu stellen: „Er meinte, ich sei zu arrogant, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Da musste ich ihm das Gegenteil beweisen!“
Auch Brenda Rüping aus Hellendorf lebt schon seit vielen Jahren in Deutschland. Vor 37 Jahren kam sie aus Birmingham in England nach Hannover. Seit 15 Jahren wohnt sie in der Wedemark. „Ich wollte damals aus der Industriestadt Birmingham raus und was erleben“, erinnert sie sich. Zunächst nahm sie eine Stelle als Au-Pair-Mädchen an, blieb dann und fing bei Pelikan an. Für sie war der ausschlaggebende Punkt, den Einbürgerungsantrag zu stellen, dass sie 2013 wählen wollte.