Gemeinschaftsgefühl durch „De blaue Heinrich“

Dialoge auf Plattdeutsch gepaart mit dem kurzweiligen Inhalt des Schwanks ließen die 160 Besucher ihr Kommen nicht bereuen. (Foto: S. Birkner)

Plattdeutsches Theater fand wieder großen Anklang

Mellendorf (sb). Immer wieder hört man von sprachwissenschaftlichen Tendenzen, Dialekt und Hochsprache würden sich zunehmend angleichen. Sie besagen, dass Dialekte, Regiolekte und Mundarten in Zukunft kaum noch eine Chance haben werden, weiter zu existieren, weil die Sprache immer internationaler, der Kulturenaustausch vielfältiger wird. Die Medien tun ihr Übriges. Ob diese Theorien stimmen, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Die Wedemärker Ortsgruppe der Naturfreude bewies am vergangenen Sonntag jedenfalls, dass Dialekte immer noch eine große Anziehungskraft und Attraktivität besitzen. Zum plattdeutschen Theater „De blaue Heinrich“ des Theatervereins Preciosa kamen stattliche 160 Besucher.
„Die Plattdeutschen Theatervorführungen der Naturfreunde finden jährlich am ersten Februarwochenende in der Mellendorfer Grundschulaula statt“, berichtete Werner Altschaffel, der erste Vorsitzende der Naturfreunde, am Rande der Aufführung. Ganz genau könne es keiner sagen, aber das plattdeutsche Theater mache schon seit 26 oder 27 Jahren jeden Februar in der Wedemark Halt. „Dabei geht es weniger darum, finanziell von der Theateraufführung zu profitieren, als vielmehr bei den Menschen für ein bisschen Heimatgefühl und Gemütlichkeit zu sorgen“. Berichtete er. Dass die Resonanz jedes Jahr aufs Neue hervorragend ist, demonstriere eindrucksvoll, dass das Interesse am Plattdeutschen keineswegs ausgestorben ist. Eine Stimmung, die gewissermaßen an das Hamburger Ohnsorg-Theater erinnerte, herrschte also am Sonntagnachmittag in der Aula. Die Zuschauer, die in der Mehrzahl übrigens im Seniorenalter waren, kamen bei dem von Otto Schwartz und Georg Lengbach geschriebenen Schwank voll auf ihre Kosten. Indem bekannt wird, dass Olympia, die Tochter des Grafen Heinrich von Rabenklau, einen bürgerlichen Papierfabrikanten heiraten wird, schmiedet der Familienvater einen Plan. Einerseits soll August behandelt werden wie ein Diener, anderseits erlaubt es ihm seine Finanzsituation, die vollkommen verarmten Adligen wieder besser dastehen zu lassen. Das lässt der Papierfabrikant allerdings nicht mit sich machen und findet einen Weg, die Adelsfamilie aus dem Haus zu jagen und dort seine geliebte Paula zu heiraten. Ob es dem Paar anschließend gelingt, die Angriffe der Adligen abzuwehren, soll an dieser Stelle offen bleiben: Wer die Gelegenheit am Sonntag versäumt hat, könnte im Neustädter und Nienburger Raum Glück haben. Dort wird das Stück noch gelegentlich aufgeführt.