Geschichte life per Touchscreen

Während Bürgermeister Helge Zychlinski den neuen Videobildschirm antippt, stößt IGS-Lehrerin Franziska Frome-Ziegler mit ihren Schülerinnen auf das gelungene Projekt an. Foto: B. Stache
 
Museumsleiter Karl-Hans Konert (dritter von rechts) bedient den neuen Videobildschirm durch Antippen, Sieglinde Lemke (von links), Heinrich Uelschen, Helge Zychlinski, Annemarie Buschbaum, Werner Beermann und Sandra Koch schauen interessiert zu. Foto: B. Stache

Museumsleiter: „Wir möchten etwas mehr Wedemark-Gefühl vermitteln"

Bissendorf (st). Ein leichtes Antippen des großen Bildschirms genügt, und schon präsentiert sich dem Besucher des Richard-Brandt-Heimatmuseums in Bissendorf die ganze geschichtliche Vielfalt der Wedemark. Am Montagnachmittag nahmen Bürgermeister Helge Zychlinski und Museumsleiter Karl-Hans Konert den ersten Teil der „Präsentation der Gemeinde Wedemark“ in Betrieb, der sich mit „Geschichte und Geschichten der Wedemark – erzählt von unseren Bürgerinnen und Bürgern“ beschäftigt. Ein zweiter Teil behandelt „Die Geschichte der Gemeinde Wedemark von der Einzeit bis heute“ und soll Ende 2016 fertig gestellt sein. Vor einer großflächigen Karte der heutigen Wedemark sind auf dem LED-Bildschirm per Touchscreen Videosequenzen aus allen Ortsteilen abrufbar. Die einzelnen Sequenzen mit einer Länge von jeweils zirka drei bis fünf Minuten beinhalten historische Überlieferungen aus den Ortschaften, erlebte Geschichten oder auch „Dönekes“. Den Museumsbesuchern wird so eine Vielzahl von Film- und Tondokumenten angeboten, die ihnen einen sehr persönlichen Einblick vom Leben in den Dörfern in verschiedenen Abschnitten der Geschichte vermittelt. Insgesamt 24 Interviewpartner standen für das Projekt zur Verfügung. Einige haben ihre Geschichten auch in Plattdeutsch erzählt. Anlässlich der ersten öffentlichen Video-Bildschirm-Präsentation dankte Helge Zychlinski unter anderem den acht Schülerinnen des 10. Jahrgangs der IGS-Wedemark. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Franziska Frome-Ziegler waren sie an der Herstellung des geschichtsträchtigen Videos beteiligt. Finanziell wurde das Wedemärker Kulturprojekt von der Region Hannover mit einer Summe von 5000 Euro unterstützt. Die Niedersächsische Sparkassenstiftung und Sparkasse Hannover hatten einen 14 000 Euro-Förderbetrag zugesagt, von dem bereits 10 000 Euro ausbezahlt wurden, und die Gemeinde Wedemark stellte als Trägerin des Museums 20 000 Euro zur Verfügung. Firma Sennheiser trat als Sachsponsor auf und steuerte zur Erweiterung der von der Gemeinde erworbenen Videoanlage zwei erstklassige Mikrofone und einen Kopfhörer im Gesamtwert von zirka 1600 Euro bei. Besonderen Dank richtete der Bürgermeister an die Zeitzeugen, die sich bereiterklärt hatten, „Rede und Antwort zu stehen und damit auch der jüngeren Generation einen Einblick darüber zu geben, wie es denn hier früher war“. Museumsleiter Karl-Hans Konert berichtete über die Projekt-Aktivitäten des zirka 20 Personen umfassenden Museumsteams. „Diese Arbeit war für unser Museumsteam ein echter Findungsprozess. Wir haben uns und auch unsere Stärken dadurch sehr gut kennen gelernt“, erinnerte er sich. Die ersten Ideen zu dem Videoprojekt stammen aus dem Jahr 2013, die inhaltliche Ausgestaltung reicht bis heute und in die Zukunft. Das neue Medium sei wichtig, um das Richard-Brandt-Heimatmuseum attraktiver zu machen, erklärte Karl-Hans Konert. „Wir möchten etwas mehr Wedemark-Gefühl entwickeln“, ergänzte er. Die Gemeinde sei über 40 Jahre alt und in vielen Bereichen begegne einem noch immer ein sehr stark ortsbezogenes Gefühl. Diese Beobachtung unterstrich er mit dem oft gehörten Satz „Ihr von eurem Bissendorfer Museum“. „Wir sind kein Museum für Bissendorf, sondern für die ganze Wedemark“, machte der Museumsleiter deutlich. Sandra Koch, Mitglied im Museumsteam, berichtete über die Interview-Arbeit mit den Schülerinnen und den Zeitzeugen. Sie erinnerte auch an den Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Ahlem, wo sich die acht Schülerinnen Wissen über das Befragen von Zeitzeugen aneignen konnten. „Die Schülerinnen haben ihre Kommunikationsfähigkeit geschult“, stellte Sandra Koch fest. Dem Schülerteam der IGS-Geschichts-AG gehörten anfangs an: Martha von Maltzahn, Céline Brockmann, Charleen Stöber, Nadine Becker, Jelka Borgel, Birka Düerkop, Jule Glennemeier, Mareike Könne und Alia Hofbauer.