Grohn will Freiräume für Kunst schaffen

Christian Grohn stellt bei imago aus. Foto: S. Birkner

Ausstellung des Kunstvereins imago startet am 15. August

Bissendorf (sb). „Kommen Sie rein, dann können Sie rausgucken!“ – Kaum jemand kennt diese Redewendung nicht. Ohne tiefere Bewandtnis wird sie meist einfach so dahingesagt. Dass die Floskel allerdings auch eine erhebliche Kontroverse beinhalten kann, wird ab dem 15. August im Ausstellungsraum des Wedemärker Kunstvereins imago im Bissendorfer Bürgerhaus deutlich. Dort wird ab Sonntag kommender Woche nämlich der Künstler Christian Grohn seine Werke in der Ausstellung „FREI-RAUM“ präsentieren. Mit großformatigen, fast in realitätsgetreuem Abbildungsmaßstab gehaltenen Digitaldrucken an den Wänden des Raums blickt der Betrachter aus diesem heraus, und das natürlich ohne selbst gesehen zu werden. So zeigen Grohns Werke nicht nur den Blick auf die Straße vor dem Bürgerhaus, sondern beispielsweise auch Nebenräume, das Foyer oder den Aufzug des Gebäudes. Der Kunstraum verschmelze hierbei durch die fotorealistischen Projektionen auf Tapeten mit seiner Umgebung und werde selbst zum Exponat, wie Grohn erläutert.
„Meine Intention ist es generell, künstlerische Impulse in die Welt des Alltags hineinfließen zu lassen und den Dingen und Situationen die Selbstverständlichkeit zu nehmen, mit der wir sie zu betrachten gewohnt sind“, erklärt Grohn seine Motivation zur Ausstellung. Er wolle Möglichkeiten für Sichtweisen auf Neues, bisher Ungesehenes eröffnen. „Alltägliche Dinge wie eine Bushaltestelle, eine Parkbank, ein Bauschild oder der Sinnspruch an einem alten Fachwerkhaus können sich mittels meiner Kunst als etwas anderes darstellen, als sie auf den ersten Blick sind“, sagt Grohn.
Das Projekt entstand anlässlich des 15-jährigen Bestehens des imago Kunstvereins. „Angesichts des Alters des Kunstvereins verbinde ich mit diesem Projekt ein Plädoyer für die notwendigen Freiräume der Kunst in einer Zeit, in der diese Räume zunehmend in ihrer Existenz gefährdet sind“, erklärt der Fotokünstler.
Der 1953 geborene Christian Grohn studierte freie Kunst in Hannover und schloss als Designer ab. Anschließend widmete er sich sich dem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Romanistik an der Universität Hamburg. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sprengel Museum, Geschäftsführer des Deutschen Werkbundes Niedersachsen/Bremen und gestaltete anschließend zahlreiche Ausstellungen, davon die meisten in der Landeshauptstadt.
Die Vernissage der Ausstellung FREI-RAUM wird am Sonntag, 15. August, um 12 Uhr im Bissendorfer Bürgerhaus beginnen. Zu sehen sein werde Grohns Werke bis zum 19. September 2010. Die Arbeiten werden nach dem Ende der Ausstellung übrigens vollständig zerstört – wer die einzigartigen Arbeiten Grohns betrachten möchte, sollte seine einmalige Chance also während der Ausstellungsdauer im Bürgerhaus nutzen.