Großprojekt für Tagespflege startet bald

Am Donnerstag präsentierten Wilfried Plumhof (von links) von der Sozialstation und sein Mitarbeiter Sven Steudte dem CDU-Abgeordneten Hendrik Hoppenstedt das Projekt Hus Eiche in Bissendorf, das zurzeit noch eine gewaltige Baustelle ist. Dabei waren außerdem Jessica Borgas, Susanne Brakelmann, Susanne Kopp, Landesreferent Michael Lorenz vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste und Rudi Ringe. Foto: A. Wiese

Bundestagsabgeordneter informiert sich auf der Baustelle über Hus Eiche

Bissendorf (awi). Die Großbaustelle am ehemaligen Dorfgasthaus Zur Eiche erregt seit Wochen das Interesse der Vorbeifahrenden. Was hier wohl passiert, fragen sich viele. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Hoppenstedt bekam auf diese Frage am Donnerstag eine detaillierte Antwort von Wilfried Plumhof. Der Inhaber der Sozialstation Wedemark stellte ihm gemeinsam mit dem Architekten Carsten Krüger das Projekt Hus Eiche vor: Dort werden ab November 30 Senioren aus der Wedemark in der Tagespflege betreut. Das ehemalige Gasthaus wird von seinen Besitzern, der Familie Henstorf aus Mellendorf, zu diesem Zweck gerade komplett entkernt und umgebaut.
Die Tagespflege zieht in den Anbau und den Bereich der ehemaligen Kegelbahn ein, der Friseur zieht um in den Bereich der früheren Küche, wo er ebenfalls ganz neue Räume bekommt. Im Obergeschoss entstehen Wohnungen, die die Sozialstation ebenfalls anmietet und der frühere Saal wird zu Praxisräumen umgebaut. Gespräche mit Interessenten aus dem Bereich Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie würden geführt, berichtete Wilfried Plumhof, der Hoppenstedt und die ihn begleitenden Politiker über das Projekt informierte, aber sich auch den Fragen aus der Politik stellte. Die Nachfrage nach Tagespflegeplätzen steige, bestätigte Plumhof, dennoch hätten er und seine Berufskollegen den Eindruck, dass noch lange nicht genug Aufklärung darüber vermittelt werde, was unter Tagespflege in Abgrenzung zur ambulanten und stationären Pflege eigentlich zu verstehen ist: Senioren, die bei ihren Angehörigen wohnen beziehungsweise von ihnen gepflegt werden, aber nicht mehr allein gelassen werden können und daher tagsüber Betreuung benötigen. Das kann täglich von 8 bis 17 Uhr in der Woche sein, weil die Angehörigen zur Arbeit gehen müssen. Es ist aber auch möglich, seinen pflegebedürftigen Angehörigen nur an ausgewählten Tagen in der Woche für einen bestimmten Zeitraum in der Tagespflege anzumelden, erfuhren Hendrik Hoppenstedt und seine Begleiter. Durch die Tagespflege könne im Schnitt die Aufnahme in eine stationäre Einrichtung um rund vier Jahre hinausgezögert werden, hätten Untersuchungen schon jetzt bewiesen, erklärte Plumhof. Plumhof und sein Mitarbeiter Sven Steudte, der die Tagespflegeeinrichtung in Lehrte leitet, berichteten, dass schon jetzt 22 Senioren aus der Wedemark beinahe täglich nach Lehrte gefahren würden. Sie werden ab November die neue Tagespflegeeinrichtung Hus Eiche in Bissendorf besuchen. Einige von ihnen waren bereits Tagespflegegäste in der Tagespflegeeinrichtung von Christa Wien am Tattenhagen, die 2014 schloss und von der Sozialstation übernommen wurde. Da nicht alle Senioren jeden Tag von 8 bis 17 Uhr in die Tagespflege kommen, schätzt Plumhof insgesamt rund 90 Senioren aufnehmen zu können. Obwohl die Überbrückungszeit in Lehrte wesentlich länger gedauert habe als zunächst geplant, habe es auch mit dem Transport der Senioren sehr gut geklappt und die Autofahrt diesen sogar Spaß gemacht. „Zurückgeworfen worden sind wir durch die Substanz, deren Zustand zunächst so nicht erkennbar war“, erläuterte Architekt Carsten Krüger. Ihm mache das Projekt großen Spaß. Zum einen, weil er drei Häuser weiter aufgewachsen sei, zum anderen, weil er bereits mehrere Altenpflegeeinrichtugnen geplant habe, aber dieses die erste Tagespflegeeinrichtung sei. Auf Nachfrage Hoppenstedts berichtete Plumhof, dass für das Projekt zehn neue Mitarbeiter eingestellt würden beziehungsweise zum Teil schon eingestellt worden seien. Sie werden die Senioren auf 400 Quadratmetern in drei verschiedenen Räumen betreuen. Außerdem gibt es zwei Ruheräume und eine eigene Küche. Draußen wird ein Garten angelegt. Alles ist selbstverständlich barrierefrei. Architekt Krüger erläuterte, dass man sich bei der Sanierung des Fachwerks für weiße Ausfachungen entschieden habe, da dies dem Charakter Bissendorfs mit Amtshaus und Bücherei entspreche. Beim Gespräch nach dem Ortstermin diskutierten Wilfried Plumhof, Sven Steudte, Pflegedienstleiterin Sabine Ihlemann und Verbandsvertreter Michael Lorenz mit dem Bundestagsabgeordneten rege über Fördermittel, Pflegestärkungsgesetz, die Änderung von Pflegestufen in Pflegegrade und andere Details. Einige Anregungen nahm Hoppenstedt gerne mit, um sie mit seinen Kollegen in den entsprechenden Ausschüssen zu erörtern. Stationäre Pflege, stellte Wilfried Plumhof fest, sei von der Politik nicht unbedingt gewollt. Sie fördere ganz klar die Ambulantionierung der Pflege. Michael Lorenz stellte die Frage in den Raum, warum der Gesetzgeber Unterschiede zwischen Seniorenwohngemeinschaften mache, deren Bewohner sich selbst zusammengefunden hätten und solchen, die von Unternehmern initiiert worden seien. Hendrik Hoppenstedt versprach, entsprechende Erkundigungen einzuziehen.