Grüne Radtour zu Ausgleichsflächen

Die Umweltbeauftragte der Gemeinde Wedemark, Ursula Schwertmann, erklärte den Teilnehmern der Radtour zu den Ausgleichsflächen die Maßnahmen.

Mit der Umweltbeauftragten zu besonderen Arealen in der Wedemark

Wedemark. Am Sonnabend hat es endlich wieder stark geregnet, so dass Wiesen und Wald Wasser bekamen und nicht nur die Pilze wachsen können. Kurzerhand einigten sich alle, die Tour auf den folgenden Sonntag zu verlegen. Großer Telefonrundspruch und es war vereinbart. Zum Ausgleich für die Versiegelung und Bebauungzum Beispiel in Gewerbegebieten und Wohngebieten und für Straßen muss nach EU-Recht ein Naturbereich aufgewertet oder eine naturferne Fläche renaturiert werden. Zu solchen Orten haben sich die Grünen und Gäste zusammen mit der Umweltschutzbeauftragten der Gemeinde Wedemark aufgemacht. „In Gailhof konnten wir eine Flussaue und angrenzendes Grünland besuchen, die zum Ausgleich für ein erweitertes Gewerbegebiet gestaltet wurden. Je nach Entwicklungsziel wird aus vorhandenen Flächen Wald, extensives Grünland, Obstwiese, oder Hecken- und Buschareal. Oder, wie in diesem Fall, früher begradigte und/oder verlegte Wasserläufe werden renaturiert und mit dem standortgerechten Baumbestand versehen", berichtete Angela Klingrad. In Meitze gab es eine unspektakuläre kleine Fläche mit Sonnenblumen zu sehen. Aber sie liegt im Gewerbegebiet, neben abgeernteten Feldern, und so sorgt sie dafür, dass Vögel sich verstecken und ernähren können. Die bedrohte Feldlerche kommt in diesem Bereich auch vor. Im Meitzer Busch besuchten die Radler ein ehemaliges kleines Wohngebiet direkt an der Wietze, das sich die Natur, mit ein wenig Hilfe, schon zurückerobert hat. Auf dem Weg dorthin war eine Ausgleichszone mit Büschen und Hecken bemerkenswert. Sie wurde durch Zäune geschützt, um Wildverbiss zu vermeiden. Es dauert Jahre bis eine stattliche Hecke herangewachsen ist. Wie pflegt die Gemeinde ihre Ausgleichsflächen? Es gibt verschiedene Pflegekonzepte, wobei die Zielsetzung ist, mit möglichst geringen Kosten ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Es werden Vereinbarungen mit örtlichen Landwirten, Jägern, Imkern und Förstern getroffen. Grünland zum Beispiel muss ja gemäht werden, damit es nicht vebuscht und letzlich zu Wald heranwächst. Gerade die alte Kulturlandschaft mit vielen offenen Flächen bietet zahlreichen Lebewesen Existenzgrundlage. Ursula Schwertmann erklärte alles ausführlich. Nicht alle Einzelheiten können hier wiedergegeben werden. „Es war beeindruckend zu sehen, was unsere Gemeinde alles im Hintergrund tut und veranlasst, damit die Wedemark ihre natürlichen Grundlagen nicht verliert", so Klingrad. Abschließend sei zu sagen:Die Grünen sehen das Konzept der Ausgleichsflächen als wichtiges Mittel an, um die Auswirkungen des Flächenverbrauchs durch Bauprojekte aller Art auf die Artenvielfalt zumindest abzumildern. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass mit jeder versiegelten und bebauten Fläche ein weiteres Stück Boden verbraucht wird, das dann für die Nahrungsmittelerzeugung oder für den Naturhaushalt nicht mehr zur Verfügung steht. Der Boden ist die unverzichtbare Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen. Insofern kann der Begriff der „Ausgleichsfläche“ nicht wortwörtlich im Sinne eines vollständigen Ausgleichs genommen werden. Eingetretene Schäden durch Bebauung sind kurz- und mittelfristig kaum behebbar, denn fruchtbare Böden sind das Ergebnis sehr langer physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse. Das Ziel von Planungen auf kommunaler Ebene muss daher an erster Stelle die Vermeidung von Versiegelung oder zusätzlicher Bebauung sein. Die Bundesregierung will die Inanspruchnahme, also den Verbrauch von Flächen, für Siedlungs- und Verkehrszwecke von circa 104 ha/Tag im Jahr 2008 auf 30 ha/Tag im Jahre 2020 reduzieren. Das erfordere eine sorgfältige Abwägung bei jeder Planungsmaßnahme.