Grüne verabschieden Hermine Rüfer aus der Politik

Blumen für ein Urgestein der Grünen zum Abschied aus der aktiven Kommunalpolitik: (von links) Hermine Rüfer, Wilhelm Lucka, Ute Lucka und Angela Klingrad. Foto: A. Wiese

Herzliches Dankeschön für 40 Jahre engagierte Kommunalpolitik und grüne Grundlagenarbeit in der Wedemark

Wedemark (awi). Die Grünen der Wedemark in Person von Angela Klingrad, Wilhelm und Ute Lucka haben am Donnerstagabend ihre langjährige Ratsfrau Hermine Rüfer nach über 40 Jahren Engagement für Natur, Umwelt und Mitmenschen aus der aktiven politischen Arbeit verabschiedet. Sie dankten ihr für ihren jahrelangen Einsatz „für genau die Belange, die sich nicht selbst vertreten können.“
Angefangen hat alles 1976 mit der Anti-Atomkraft-Bewegung. Hermine Rüfer nahm 1976 Kontakt mit Pastor Martin Ruhfus auf, der wiederum Kontakt zu einer Brigitta-Derben-Gruppe in Mellendorf herstellte. Gemeinsam gründeten sie die BUW, die Bürgerinitiative Umweltschutz Wedemark. Die BUW organisierte Informationsstände, verbunden mit Altpapiersammlungen. Dann wurde die Ortsdurchfahrt Bissendorf gebaut und Eichen gefällt. Das brachte Hermine Rüfer und ihre Gruppe auf die Barrikaden. Die Straßenbauer sprachen von „Zwergenaufstand“, der Protest bewirkte nichts, denn das Planfeststellungsverfahren war schon gelaufen. Doch für Rüfer war das die Initialzündung in der Lokalpolitik mitzumischen, um zukünftig rechtzeitig informiert zu sein. Die Umweltschützer nannten sich dann „Die Grünen“ , arbeiteten an Themen, die gerade aktuell waren, hatten aber für Formalitäten weder Zeit noch Lust. Rüfer ging mit Leserbriefen in die Lokalpresse, organisierte Stände und sammelte Unterschriften für ihre Ratskandidatur. Es gab genug Unterschriften dafür, aber noch nicht genug Wählerstimmen für Hermine Rüfer. Dann sollte die Straße nach Burgwedel ausgebaut werden. Rüfer besorgte sich die Planungsunterlagen und die Richtlinien zum Ausbau von Landesstraßen, studierte die Karten und stellte fest, dass die gezeichneten Kurvenradien noch nicht einmal beim Autobahnbau vorgeschrieben waren. Das hätte viel zu viel Landschaft und Bäume gekostet. Der Gang zur Genehmigungsbehörde nach Hannover war erfolgreich. Die Planung wurde geändert. Die nächste Baumrettung folgte kurz darauf: Rüfer kam vom Einkaufen, das Kind im Kinderwagen, und musste feststellen, dass ein Bagger am Isernhägener Damm bereit stand, um die Erlen am Graben zu fällen. Schnell waren Freunde und Bekannte angerufen, die den Bagger mit ihren Autos blockierten. Der Baggerführer war zornig, drohte den Arbeitsausfall in Rechnung zu stellen, wurde aber kleinlaut, als er nach der Fällgenehmigung gefragt wurde. Die lag nämlich gar nicht vor.Der Chef vom Bauamt wurde aus Mellendorf geholt und man einigte sich auf einige wenige Bäume, die gefällt werden mussten, um den Graben zu unterhalten, das Gros der Erlen blieb stehen. 1977 protestierten Rüfer und ihre Parteifreunde gegen Atomkraft unter dem Motto „Noch heißt es Gorleben und nicht Gortot“. 1978 trat die GLU, die Grüne Liste Umweltschutz zur Landtagswahl an. 3,9 Prozent reichten zwar nicht, um in den Landtag zu kommen, aber die Struktur für eine politische Arbeit war hergestellt worden. 1983 waren die Grünen schon eine feste Gruppe. 1986 wurde Rüfer das erste Mal in den Gemeinderat gewählt und arbeitete dort 30 Jahre mit. Viele Projekte wurden seitdem gestartet und auch begleitet. Dass Umweltschutz heute eine Selbstverständlichkeit in der Wedemark, in Hannover, in Niedersachsen, in Deutschland und in vielen Ländern weltweit ist, es für jedes Bauvorhaben einen Umweltbericht gibt, Fauna und Flora, Gewässer, Bodenschutz und Luftreinheit in Betracht genommen werden und abgewogen wird, ob die Maßnahme umweltverträglich ist oder nicht, ist auch Hermine Rüfer und den anderen Grünen, die Grundlagenarbeit geleistet haben zu verdanken, betonte Angela Klingrad in ihrer Laudatio.
Doch Herime Rüfer habe nicht nur für die Natur und die Umwelt gekämpft, sondern sich auch für die Menschen eingesetzt. Da ist ihre Initiative Lernpatenschaften. Diese Idee hat gezündet: Seit über zehn Jahren läuft das Projekt „Lernpaten“ sehr erfolgreich in der Wedemark. Für die einheimischen Kinder und jetzt auch für die Kinder der Geflüchteten sei diese Organisation eine große Hilfe, so Klingrad. Die Lokalpresse berichtete in den 90er Jahren über Proteste von Anwohnern, die sich gegen eine Unterbringung ausländischer Flüchtlinge in einem heruntergekommenen Gasthaus in Gailhof wandten (ehemals „die schöne Adelheid“). Bei einem Grünen-Treffen war der Verdacht Thema, der Betreiber wolle sich mit einer miserablen Unterkunft eine goldene Nase verdienen. Das veranlasste Hermine Rüfer zu einem Ortstermin. Sie fand zwei Afrikaner in Schal und Mantel in einem eiskalten ungeheizten Zimmer. Rüfer drängte darauf, dass die Heizung schleunigst instandgesetzt wurde und die beiden Ghanaer James und Andrews wurden Freunde von Hermines Familie, zu denen später noch viele andere Flüchtlinge hinzukamen. Hermine Rüfer habe nie jemandem ihre Hilfe versagt, so Klingrad.
„Du hast uns gesagt, dass deine Kräfte nur noch fürs Privatleben reichen aber die Wedemark mittlerweile eine flüchtlingsfreundliche Gemeinde sei und du dich ruhig aufs Altenteil zurückziehen kannst“, wandte sich Klingrad an Rüfer und überreichte ihr einen großen Blumenstrauß mit den Worten: „Liebe Hermine, wir danken Dir für Dein riesiges Engagement für die Umwelt, für die Natur und für die Menschen, und das mehr als 40 Jahre lang! Wir verabschieden Dich aus der aktiven Lokalpolitik und freuen uns, Dich nach wie vor als Grünes Mitglied zu haben!“