Grundschüler stellen Land-Art im MOORiZ aus

Stolz präsentiert die Klasse 2a der Grundschule Resse mit Kathrin Bleschke und Ines Brunotte (hinten rechts) die Aufnahmen ihrer Land-Art-Kunstwerke im MOORiZ. Foto: A. Wiese

„In der Natur – mit der Natur – im Rhythmus der Natur"

Resse (awi). Auch wer schon öfter im Moorinformationszentrum in Resse war, hat jetzt einen Grund, mal wieder hinzugehen: Die Klasse 2a der Grundschule Resse hat unter der Leitung von Lehrerin Kathrin Bleschke und Ines Brunotte vom Förderverein im Kunstunterricht neue Wege beschritten, den Unterricht in die Natur verlegt, Land-Art-Projekte erstellt und fotografiert. Diese Fotografien sind bis zur Weihnachtspause im MOORiZ zu sehen. Am Donnerstag präsentierte die Grundschulklasse ihr Projekt stolz der Presse. „Wir haben Pinsel und Block gegen Blätter, Zweige, Blüten und Blätter eingetauscht", berichtete Ines Brunotte. Um diese vergänglichen Kunstwerke der Nachwelt zu erhalten, wurden sie fotografiert. Die Kinder auf diese Weise auch gleich für Natur und Naturschutz zu interessieren, war ein Sekundäreffekt. Die Grundidee sei gewesen, auf kreative Weise sanft in die Natur einzugreifen und aus natürlichen Elementen fantasievolle Installationen anzufertigen, so Brunotte. Zunächst wurden diverse Naturmaterialien gesammelt. Den Kindern standen viele Laubarten in verschiedenen Herbstfärbungen zur Verfügung. Herbstblumen wie Astern, Sonnenhut, Hortensien und Fetthenne setzten weitere Farbakzente und wurden mit Zweigen, Gräsern, verschiedenen Samenständen und Steinen ergänzt. Der Schulgarten wurde zur „Leinwand". Die an anderer Stelle gefundenen und entnommen Materialien wurden hier in neuer Konstellation zusammengefügt: Fantastische Landschaften, geometrische Muster (Mandalas) oder Fabelwesen entstanden in Gruppenarbeit. „Natur-Kunst oder Land-Art kann nicht fixiert werden. Sie ist der Witterung und anderen Einflüssen ausgesetzt", erklärte Ines Brunotte. Der Förderverein, die Lehrerin und die Kinder hoffen, dass die Fotografien in den Betrachtern die Lust wecken, die Natur genauer zu betrachten, mit der Natur zu spielen, aus der Natur zu schöpfen und selbst zum „Naturkünstler" zu werden. Renate Wiegand von der Arbeitsgruppe Kultur des MOORiZ betonte, dem MOORiZ-Team sei es wichtig, der Kreativität von Kindern öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung zu ermöglichen. Da bei dem "Land-Art-Projekt" mit Naturmaterialien in der Natur gearbeitet und den Kindern mittels Kunst die Natur nahe gebracht wurde, biete sich das MOORiZ als Ausstellungsfläche geradezu an. So werde nicht nur das Kulturprojekt „Resse aktiv" neu bestückt und bereichert, sondern eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Schule und dem MOORiZ gestartet. Zwei weitere unterhaltsame Veranstaltungen seien schon in Vorbereitung, freute sich Renate Wiegand: Am Donnerstag, 6. Dezember, um 20 Uhr referiert Kinder- und Jugendbuchautor Achim Bröger zum Thema „Wie mache ich Kindern Lust auf Bücher?“ Der Eintritt kostet drei Euro. Am Sonntag, 16. Dezember, wird um 16.30 Uhr bei freiem Eintritt der Live-Mitschnitt des Musicals der Grundschule Resse vom Dezember 2010 vorgeführt. Der Titel lautet „Kallis Flucht“ – Abenteuer eines Adventskalenders.


Was ist Land-Art?

Hinter der Bezeichnung Land-Art steht eine künstlerische Bewegung, die Ende der 60er Jahre im amerikanischen Raum ihren Ursprung hatte. Künstler wie Michael Heizer, Andy Goldsworthy, Robert Smithson oder Nils Udo stellten die bildenden Künste und die damit verbundenen Werte in Frage: Dem Besitzbürgertum, das die Werke der Kunst nur noch als Spekulationsobjekte betrachtete, wollte man kein neues Konsumgut liefern. Man schuf deshalb in den abgelegenen Wüstengebieten Nordamerikas gigantische Erdbauwerke, die in keinem Museum, in keiner Galerie ausgestellt werden konnten, also weder transportabel, käuflich noch dauerhaft waren. Zu Beginn gestatteten die Künstler nicht einmal Foto- oder Filmaufnahmen ihrer vergänglichen Arbeiten. Wenn jemand die Kunstwerke sehen wollte, musste er sich auf eine Reise begeben und die Skulptur direkt in der Landschaft unter freiem Himmel bei Wind und Wetter mit all seinen Sinnen erleben. Die Kunstwerke wurden nicht wie Objekte in die Landschaft gestellt, sondern wurden selbst zur Landschaft. „Es geht um Kunst, nicht um Landschaft", betonte Michael Heizer ausdrücklich und widersetzte sich damit allen Versuchen, die Land-Art als ökologische Landschaftskunst zu interpretieren. Erst die europäische Natur-Kunst, die zu Beginn der siebziger Jahre mit dem zunnehmenden Umweltbewusstsein entstand, orientierte sich stark an ökologischen Grundgedanken. Anders als bei der amerikanischen Avantgardekunst der 60er Jahre steht heute die gesellschafts- und kunstkritische Komponente nicht mehr im Mittelpunkt des Interesses. Es geht der Mehrzahl der Natur-Künstler weniger um provozierende, radikale Gesten in der Landschaft, als vielmehr um feinfühlige Setzungen von vergänglichen Objekten in die Natur. Die inmitten der Natur realisierten Werke sind den Launen der Elemente Wind, Wasser und Schnee ausgesetzt. Oft verändern Witterung und Wachstum der verwendeten Materialien das Kunstwerk. So entsteht Dynamik und Prozesshaftigkeit. Der Begriff Land-Art wird heute als Sammelbegriff für jede Art von Naturkunst verwendet, obwohl aus kunsttheoretischer Sicht keinerlei Beziehung zur ursprünglichen Land-Art der 60er Jahre gegeben ist. Ines Brunotte