Hecht und Aal wandern wieder flussaufwärts

Fast einhundert Jahre nach Stilllegung der Wietze-Mühle können Fische wieder flussaufwärts schwimmen. CDU-Politiker aus Ortsräten und dem Gemeinderat begutachten die 2013 fertiggestellte Umlegung, einen zweiten Arm der Wietze, der das Gefälle des Stauwerks umgeht. Foto: S. Birkner

Umleitung der Wietze beseitigt jahrhundertealte Naturbeeinträchtigung

Mohmühle/Gailhof (sb). Etwa 450 Jahre lang machten sich Müller der Mohmühle die Energie des Wassers zunutze. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts betrieben sie das Rad ihrer Mühle mit Wasserkraft, dachten dabei allerdings nicht an die Fische: Sie hatten keine Möglichkeit mehr zur Wanderung flussaufwärts. Schuld daran war ein Wehr, mit dessen Hilfe das Wasser gestaut und für das Betreiben des Mühlrads kontrolliert wurde. Dieses Wehr schnitt eine 1,38 Meter hohe Schwelle in den Flusslauf, die den Fischen das Schwimmen flussaufwärts unmöglich machte. Dank eines 2013 realisierten Bauprojekts können Fische diese unüberwindbare Hürde nun umgehen und zum Laichen wieder flussaufwärts schwimmen.
Das Wehr, in den natürlichen Flusslauf eingebettet, besteht zum Schutz des sanierten Mühlengebäudes weiter. Entstanden ist eine 224 Meter lange Umleitung, ein zweiter Arm der Wietze und so genannter „Steinschwellenbeckenpass“, der den Fischen eine Art Ausweichroute verschafft. Er soll an 300 Tagen im Jahr Wasser führen und den natürlichen Flussverlauf auch bei Hochwasser entlasten.
„Besonders wertvoll ist diese Maßnahme in Anbetracht der gewachsenen Fischbestände“, erklärte Rudi Ringe aus der Wedemärker CDU-Gemeinderatsfraktion. Viele Christdemokraten besichtigten letzte Woche das Bauwerk, dessen Bedeutung sich auch aus der gestiegenen Gewässergüte erschließt. “Durch Verschmutzungsverbote und hochwertige Abwasserreinigung ist das Wasser des Flusses wesentlich sauberer als vor 20 Jahren“, meinte Ringe, der sich im Zuge dessen über deutlich mehr Fische in der Wietze freut. Eine Auflistung verortet in dem Gewässer 22 Fischarten vom Aal bis zum Steinbeißer.
Der Unterhaltungsverband Untere Wietze, dem auch der Bissendorf-Wietzer Bürgermeister Daniel Leide (CDU) angehört, hatte das Bauprojekt ins Leben gerufen. Die Arbeiten dauerten von Juni bis November letzten Jahres und wurden bei einem Gesamtvolumen von 420.000 Euro zum Großteil von der Europäischen Union finanziert. Mit dem neuen Flussbett sind eine Brücke, ein Damm und ein Ablaufwerk entstanden, das die Aufteilung des Wassers in zwei Ströme regelt. Erstreckt auf 224 Meter ist der Steinschwellenbeckenpass 47 Meter länger als der natürliche Flusslauf und nutzt die Masse von insgesamt 2800 Tonnen Gestein.