Heute Diamant-Hochzeit bei Weißmanns

Gerda und Adolf Weißmann aus Elze haben 60 Ehejahre lang fest zusammengehalten und feiern heute das Fest der Diamantenen Hochzeit. Foto: A. Wiese

Die Jubilare haben ein arbeits- und entbehrungsreiches Leben hinter sich

Elze (awi). Als sich Adolf (84) und Gerda Weißmann (82) heute auf den Tag genau vor 60 Jahren das Ja-Wort gaben, versprachen sie sich, in guten wie in schlechten Tagen zusammenzuhalten. Und dieses Versprechen haben sie gehalten. Adolf Weißmann kümmert sich liebevoll um seine seit Jahren an Parkinson erkrankte Frau, schmeißt den Haushalt und erledigt den Einkauf mit dem Fahrrad. Dass er topfit ist, belegt der 84-Jährige schon mit den 40 Liegestützen, die er täglich nach dem Aufstehen absolviert. Das tägliche Fahrradfahren bei Wind und Wetter zu seinem Arbeitsplatz als Betriebsmaurer im Wasserwerk in Elze bis er vor 20 Jahren in den Ruhestand ging, habe ihn gesund gehalten, ist der rüstige Senior überzeugt. Und das Radfahren gab er daher auch nicht auf. Noch mit 71 Jahren fuhr er zwölf Stunden am Stück über 180 Kilometer mit dem Rad nach Magdeburg. Auf solche Touren verzichtet er denn heute allerdings doch. Geboren wurde Adolf Weißmann in Litauen als Sohn eines Landwirts. Als er elf Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden und teilten die vier Kinder auf. Adolf war der älteste und kam wie sein jüngster Bruder zum Vater. Doch man schrieb das Jahr 1939, Adolf
musste mit seinem Bruder und der Stiefmutter vor den Russen nach Pommern fliehen, kam ins Lager und nach Kriegsende über Danzig mit Stiefmutter und Bruder nach Salzwedel, wo er bei einem Bauern arbeitete. Auf der Suche nach dem Vater gelangte die Familie 1947 nach Elze, wo sie auf einem landwirtschaftlichen Hof unterkam und Adolf mit 20 Jahren eine Maurerlehre anfing. Auf dem Hof, auf dem er mit seiner Familie wohnte, sah er dann seine Gerda zum ersten Mal, die gerade eine Odyssee hinter sich hatte. Als viertes von acht Geschwistern wuchs Gerda Weißmann in Schleibnitz bei Magdeburg ebenfalls als Kind eines Landwirts auf. Eigentlich wollte sie eine Gärtnerlehre anfangen, doch das Kriegsende kam dazwischen, das junge Mädchen arbeitete zunächst in einem Haushalt in Klein Wanzleben. Zusammen mit drei Freunden entschloss sie sich 1951 zur Flucht in den „goldenen Westen“, doch noch in der selben Nacht wurde das Quartett gefasst und vor die Wahl gestellt: Hüben oder drüben, aber für immer. Zwei entschieden sich für den Westen, Gerda gehörte zu den beiden, die doch lieber im Osten blieben. Doch nur zwei Wochen später machte sie sich allein erneut auf den Weg über die Grenze, in der Tasche nur die Adresse ihrer Freundin, die bereits drüben war, Elze in der Nähe von Hannover, Familie Barthmer. „Dass es drei Elze bei Hannover gab, wusste ich nicht“, erzählt die 82-Jährige. Und so landete sie zunächst in Elze bei Hildesheim, fand die Freundin dort nicht und schlug sich nach Elze bei Pattensen durch, fand die Freundin auch hier nicht und kaufte sich von ihren letzten Pfennigen eine Karte nach Bissendorf. Weiter reichte das Geld nicht. Dann lief sie zu Fuß nach Elze und wurde endlich fündig: Hier fand sie nicht nur die Freundin, sondern auch den Mann fürs Leben. „Es gab viele hübsche Mädchen in Elze, aber ich hab sie gesehen und gewusst, das ist die Richtige“, schmunzelt er noch heute. Schon ein Jahr später, am 21. November 1952 wurde geheiratet. Im ganz kleinen Kreis, bei ihrer Schwiegermutter im Hausflur, sie im schwarzen Kleid, weil kurz zuvor ihr Vater gestorben war. Doch es war schwer, eine Wohnung zu finden, das frischvermählte Paar wohnte in zwei Zimmern bei seinen Eltern, bis sein Chef dem Maurerlehrling eine Baracke auf einem Pachtgrundstück am Beekeweg kaufte. Hier lebte die junge Familie sieben Jahre lang auf 21 Quadratmetern mit vier Personen, denn im März 1953 kam Monika, vier Jahre später Karin zur Welt. 1955 konnte Adolf Weißmann das Pachtgrundstück kaufen und zog dort vier Jahre später sein eigenes Häuschen Stein für Stein hoch. 1960 war Einzug, kurz darauf wurde Sohn Uwe geboren, zwei Jahre später Klaus. Beide Söhne haben mittlerweile ebenfalls auf dem Grundstück gebaut, Tochter Monika lebt in München, Karin ganz in der Nähe in Lindwedel. Bei allen Häusern seiner Kinder schwang Adolf Weißmann die Maurerkelle. Zur Familie gehören außerdem acht Enkel und zwei Urenkel. Er arbeitete bis zur Rente mit 64 Jahren im Wasserwerk, sie insgesamt 20 Jahre lang in einer Mosterei in Elze. Im Ruhestand widmeten sich beide dem Garten, hielten Enten und heute noch zwei Kaninchen. Das Kegeln war ihr liebstes gemeinsames Hobby, zusammen mit fünf Familien aus Elze im Verein „007“. „Natürlich sind bei uns auch mal die Fetzen geflogen, doch Glück, Zeit und Geduld muss man haben, dann wird alles wieder gut“, sagen beide und betonen: „Ein Streit muss am andern Tag vergessen sein. Das haben wir uns doch auf dem Standesamt geschworen, immer zusammenzuhalten.“ Heute erwartet das Jubelpaar den Vertreter der Gemeinde zum Gratulieren, die Familienfeier ist am Sonnabend geplant.