Heute diamantene Hochzeit bei Bleckerts

Geselligkeit mit Familie, Nachbarn und Freunden hat für Jubilare hohen Stellenwert

Mellendorf (awi). Heute vor 60 Jahren hat es geregnet. Daran erinnern sich Herta (78) und Fritz Bleckert (84) noch ganz genau. Denn am 30. Oktober 1953 haben sie geheiratet. Eine große Hochzeit war es nicht. Nur die engste Verwandtschaft war geladen, gefeiert wurde auf der Diele des Elternhauses von Herta, geborene Schmedes, in Mellendorf, wo das junge Paar auch mit einzog. „Wir haben ein Schwein geschlachtet, eine Nachbarin brachte ein Huhn für die Suppe, eine andere Mehl“, erinnert sich Herta Bleckert. Die Nachbarschaft war immer gut und ist es auch heute noch. Das rüstige Jubelpaar genießt das Zusammensein und Feiern mit Nachbarn, Freunden und Familie, war stets äußerst gesellig. „Beim Polterabend haben sie uns einen Kinderwagen aufs Dach gesetzt und Fritz musste ihn wieder runterholen“, schmunzelt Herta Bleckert. Aber das sei eben so Brauch gewesen, wenn die Braut schwanger war. Sohn Heinz-Dieter wurde am 15. Dezember 1953 geboren, Tochter Birgitt folgte vier Jahre später.
Herta Bleckert kam mit sechs Jahren ins Elternhaus ihres Vaters nach Mellendorf. Zuvor war sie bei ihren Großeltern in Hoya aufgewachsen. „Damals haben meine Eltern erst geheiratet. Das war ungewöhnlich für die damalige Zeit“, erzählt sie, doch sie lebte sich schnell ein in Mellendorf, ging dort zur Schule, wurde 1950 in der St. Georgs-Kirche konfirmiert und begann dann eine Hauswirtschaftslehre im Gasthaus Stucke. Hier traf sie ihren späteren Mann Fritz 1952, der im gegenüberliegenden Friseursalon von Otto Heinemann arbeitete und bei Stucke immer seine Zigaretten holte. Die hübsche junge Herta gefiel ihm und so lud er sie ins Kino am Mellendorfer Bahnhof ein. Fritz Bleckert hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein recht bewegtes junges Leben hinter sich. In Cammin in Pommern geboren hatte er 1945 gerade eine Lehre bei der Kreisverwaltung seines Heimatortes begonnen, als der gerade 15-Jährige beim Einmarsch der Russen von der Hitlerjugend zur Verteidigung eingesetzt wurde. Er wurde verwundet und geriet in russische Gefangenschaft. Zum Glück wurden die jugendlichen Gefangenen kurz nach Kriegsschluss entlassen, doch zuhause in Cammin traf der niemanden mehr an: Die Familie war inzwischen nach Schleswig-Holstein geflüchtet, wohin sich dann auch Fritz Bleckert zu Fuß durchschlug. Doch Mutter und Söhne blieben nur kurz in Bad Schwartau und kamen dann bei der Großmutter in Ibsingen unter, bevor sie eine eigene Wohnung in Oegenbostel bezogen. Bis 1948 arbeitete Fritz Bleckert in der Landwirtschaft, dann machte er eine Lehre bei Friseur Ahrens in Brelingen und fing anschließend im Friseurgeschäft von Otto Heinemann in Mellendorf an, wo er seine Herta kennenlernte. Von 1954 bis zur Rente 1991 arbeitete Bleckert bei der Firma Benecke in Vinnhorst. Seine Frau half in verschiedenen Haushalten aus, widmete sich später ganz den Kindern und pflegte schließlich ihre Mutter bis zu deren Tod. Dass Herta Bleckert eine hervorragende Köchin ist, die auch sehr gerne backt, davon profitierte nicht nur die Familie die ganzen Jahre, sondern in den Genuss des Kuchens kommen jeden Dienstag die Senioren des DRK, die Herta Bleckert seit über 20 Jahren betreut. Und auch im Blutspendeteam ist sie nach wie vor aktiv. Ehemann Fritz ist Mitglied beim Gesangverein, der Feuerwehr und der Soldatenkameradschaft. Gemeinsam ist das Ehepaar gerne gereist: ins Allgäu und zum Skifahren ins Salzburger Land in Österreich. Auch andere Kurzreisen haben sie später in der Rente unternommen, aber zu Hause ist es doch am schönsten, sind sie sich einig: mit der Familie, zu der auch zwei Enkel gehören, den Nachbarn und Freunden. Während heute die offiziellen Gratulanten erwartet werden, wird später noch mal im Kreise der Lieben im Gasthaus Stucke gefeiert. Denn da hat die Liebe streng genommen ja auch angefangen.