Hitzige Diskussion um Gleitschirmflüge

Antragsteller Mirko Woltmann (stehend) stand am Donnerstagabend nicht nur den Ortsratsmitgliedern, sondern auch mehr als hundert Zuhörern Rede und Antwort zum Start- und Landeplatz für Gleitschirmflieger. Foto: A. Wiese

Ortsrat Elze spricht sich für befristete Genehmigung gegen strenge Auflagen aus

Elze (awi). Eine hitzige Debatte um die Genehmigung von zwei Start- und Landeplätzen für fünf Gleitschirmflieger in der Gemarkung von Elze/Meitze ist am Donnerstagabend mit einem Ergebnis zu Ende gegangen, das ganz offensichtlich nicht im Sinne der mehr als 100 Zuhörer im Saal des Gasthauses Goltermann war. Das belegten laute Buhrufe und empörte Zwischenbemerkungen, als der Ortsrat mit den Stimmen von SPD und CDU dem Antrag von Walter Zychlinski (SPD) zustimmte: „Der Ortsrat bittet die Gemeindeverwaltung in ihre Stellungnahme für die Straßenbehörde in Wolfenbüttel einfließen zu lassen, dass die Bedenken, die von den Bürgern bei der Ortsratssitzung vorgetragen wurden, vom Ortsrat Elze/Meitze geteilt werden und eine Genehmigung nur befristet für zunächst ein Jahr erteilt werden sollte.
Außerdem sollte die Genehmigung an strenge Auflagen gekoppelt werden: Sie gilt ausschließlich für die sechs namentlich genannten Antragsteller, Ansprechpartner für die Bürger bei Beschwerden sowie für den Ortsrat und den Ortsbürgermeister ist Antragsteller Mirko Woltmann. Die Flugzeiten sollen auf 8 bis 20 Uhr beziehungsweise spätestens bis Sonnenuntergang begrenzt werden. Vom Landeplatz in der Nähe des Friedhofs darf nur in Ost-West-Richtung gestartet beziehungsweise gelandet werden. Die Gemeinde soll die Dezibelzahl der Geräuschemmissionen der Fluggeräte beim Start noch einmal ganz genau untersuchen. Auf dem Nordlandeplatz soll nur in Ostrichtung gelandet und gestartet werden. Und über der Wohnbebauung von Elze und Meitze soll ein komplettes Flugverbot herrschen. Halten sich die Antragsteller nicht an diese Auflagen, soll ein Widerruf der Genehmigung jederzeit möglich sein. Dies sind die Auflagen, die der Ortsrat Elze/Meitze zunächst in der Stellungnahme der Gemeinde genannt und später in der Genehmigung der Behörde verankert sehen will. Gegen diesen Beschluss sprach sich lediglich das mittlerweile parteilose Ortsratsmitglied Siegfried Götz aus. Götz war zuvor mit seinem Antrag gescheitert, das Anliegen von Antragsteller Woltmann kompromisslos abzulehnen, im Ortsrat gescheitert, bekam jedoch dafür unüberhörbar die Unterstützung der Zuhörer. Diese legten Woltmann und seinen Mitfliegern nahe, vom gar nicht so weit entfernten Flugplatz Hodenhagen zu starten und zu landen.
Ausdrücklich wies Ortsbürgermeister Jürgen Benk wie bereits zu Beginn der Sitzung darauf hin, dass der Ortsrat in dieser Sache kein Entscheidungsrecht habe. „Wir können uns jetzt fragen: Bleiben wir beim populistischen Nein und bewirken aber in Wahrheit nichts oder bleiben wir realistisch und versuchen, auf dem Weg über Auflagen etwas zu erreichen.“ Benk führte in diesem Zusammenhang die Diskussion um die Y-Trasse an, wo man durch Kompromissbereitschaft an Stelle kompromissloser Ablehnung schließlich auch etwas für die Bürger von Elze und Meitze erreicht habe. Siegfried Götz wies diesen Vergleich „einer öffentlichen Verkehrsverbindung mit dem Hobby Einzelner“ als unakzeptabel zurück und bekam dafür den Beifall der Zuhörer. Dem Ortsbürgermeister hingegen gelang es an diesem Abend nicht, Verständnis der Bürger für die Haltung des Gremiums zu erwirken. „Wenn ich etwas nicht verhindern kann, ist mir ein Nein zu wenig“, hatte Benk noch einmal appelliert, jedoch die anwesenden Bürger von Meitze und Elze ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihre persönlichen Interessen und ihre Lebensqualität durch die Gleitschirmflieger in einer Weise beeinträchtigt sehen, die keinen Raum mehr für Toleranz lässt.
Zu Beginn der Sitzung hatte Holger Zorn aus der Planungsabteilung der Gemeinde den Zuhörern noch einmal die rechtliche Seite erläutert. Grundlage für den Antrag Woltmanns sei das Luftverkehrsgesetz, das regele, dass grundsätzlich alle Flächen, von denen gestartet und gelandet würde, genehmigt werden müssten. Erst durch die Zuhörer in der Ortsratssitzung erfuhr Zorn, dass jedoch bereits seit längerer Zeit Gleitschirmflieger von einer Wiese in der Gemarkung starteten – ganz offensichtlich ohne Genehmigung und damit illegal. Zorn beschrieb noch einmal, wo die von Woltmann jetzt im förmlichen Verfahren beantragten Start- und Landeflächen liegen und betonte ausdrücklich, dass diese Flächen auch nach erfolgter Genehmigung nicht wie ein Flugplatz von jedem angesteuert werden könnten. Dann hatte Antragsteller Mirko Woltmann die Gelegenheit, den Bürgern aus Elze und Meitze sein Anliegen vorzutragen. Er warb – allerdings an diesem Abend ohne viel Erfolg – für Verständnis für sein ungewöhnliches Hobby und das seiner Kameraden. Er sagte ausdrücklich zu, jede Konfrontation zu vermeiden. So würden er und seine fünf Mitflieger zusagen, nicht über die Wohngebiete von Elze und Meitze zu fliegen, beziehungsweise die beiden Ortschaften ganz zu meiden. Auch der Start- und Landeplatz in der Nähe des Friedhofes werde nicht genutzt werden, „wenn dort Bewegung ist“. Der Flughafen Hodenhagen, auf dem sehr viel Fallschirmspringer- und Segelflugbetrieb herrsche sei für die Gleitschirmflieger jedoch ungünstig, weil dort viel zu viel Flugverkehr herrsche und die Gleitschirm- und Trikeflieger daher nur sehr eingeschränkt fliegen könnten. „Und wenn wir fünf nicht in Elze starten würden, würden dort trotzdem andere Gleitschirmflieger fliegen. Sie wären dann ja nicht flugfrei“, gab Woltmann zu bedenken. Das ließen die Zuhörer jedoch nicht als Argument gelten. Sie argumentierten mit der Lautstärke der Fluggeräte, die ihnen den Aufenthalt im Garten verleideten, mit Wertminderung ihrer Grundstücke, möglichen Störungen bei Beerdigungen und allgemein einer Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Geräuschemmissionen der nahe gelegenen Autobahn, der Reifenrecyclinganlage FSZM und andere Geräuschquellen seien bereits störend genug, so die allgemeine Meinung. Es sei nicht einsehbar, zugunsten eines Hobbys von ein paar Personen solche Belastungen in Kauf zu nehmen. Lediglich eine Zuhörerin hielt dagegen: „Ich finde gut, was Sie tun und es stört mich nicht.“ Doch stand sie an diesem Abend mit ihrer Meinung offenbar alleine da.