Hochschultag der Bauindustrie 2011 in Mellendorf

Trafen sich zum Gedankenaustausch beim Hochschultag der Bauindustrie 2011 in Mellendorf: Dr. Wolfgang Bayer (v.l.), Hans-Ullrich Kammeyer, Prof. Dr. Sven C. Voelpel, Prof. Dipl.-Kfm. Thomas Bauer, Professor Dipl.-Kfm. Michael Sommer, Frank Siebrecht und Bauass. Prof. Dr.-Ing. Rolf Warmbold. Foto: B. Stache

Professoren sprechen über den demografischen Wandel

Mellendorf (st). Der demografische Wandel macht selbst vor der deutschen Bauindustrie nicht Halt. Aufgrund dieser Erkenntnis hatte Professor Dipl.-Kfm. Michael Sommer, Hauptgeschäftsführer Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen, für den Hochschultag der Bauindustrie 2011 im Ausbildungszentrum Mellendorf das aktuelle Thema „Bevölkerungsentwicklung“ ausgewählt. Zu der Veranstaltung hatten der Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen und die Ingenieurkammer Niedersachsen eingeladen. Der Präsident des Verbandes, Bauass. Prof. Dr.-Ing. Rolf Warmbold, stellte in seiner Begrüßung die Gastredner mit ihren Vortragsthemen vor und unterstrich die Bedeutung der beruflichen Ausbildung. Dieser falle wegen des zu erwartenden Mangels an Fach- und Führungskräften eine besondere Rolle zu. Mit Blick auf den Veranstaltungsort, das moderne Bildungs- und Tagungszentrum für die überbetriebliche Ausbildung der Berufe der Bauwirtschaft, erklärte der Präsident: „Wir haben hier ein Ausbildungszentrum mit Vorbildcharakter.“ Nachdem auch der Ingenieurkammer-Präsident Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer die Gäste begrüßt und einführende Worte gesprochen hatte, wandte sich Bürgermeister Tjark Bartels an das Auditorium. „Auch wir hier in der Wedemark spüren die Auswirkungen des demografischen Wandels. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, als Standort für Fachkräfte attraktiv zu sein“, so Bartels. Der Bürgermeister hielt ein Plädoyer für Integration von Arbeitskräften mit Migrationshintergrund, von denen die Gemeinde Wedemark zu wenige habe. Als erster Gastredner sprach anschließend Prof. Dipl.-Kfm. Thomas Bauer, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bauer Spezialtiefbau GmbH aus dem oberbayerischen Schrobenhausen. Nach einem landsmannschaftlich typischen „Grüß Gott“ erläuterte Professor Bauer überaus anschaulich den erfolgreichen Weg seiner Firma durch Höhen und Tiefen der Bauindustrie in den vergangenen Jahrzehnten. „Wir wissen heute, dass wir uns mit dem Thema Demografischer Wandel beschäftigen müssen, auch wenn wir als Firma damit derzeit noch kein Problem haben. Der Wandel wird aber kommen“, sagte Firmenchef Bauer, der den Erfolg seines mittlerweile weltweit agierenden Betriebes auch der Öffnung für weitere Geschäftsfelder zuschreibt. „Als in Deutschland der Baumarkt schwach war, sind wir mit unserer Firma in die Welt hinausgegangen; wir mussten raus! Heute sind wir ein global wirkendes Unternehmen, so beschäftigen wir beispielsweise 374 Mitarbeiter aus Nepal“, erklärte der Unternehmer und gab folgende Empfehlung: “ Wer heute als Unternehmer erfolgreich sein will, muss auf Netzwerke setzen.“ Mit Blick auf die Auswirkungen der immer älter werdenden Bevölkerung sprach der Professor aus Oberbayern die Bedeutung einer guten Nachwuchsgewinnung an. Man müsse als Firma im lokalen Umfeld bekannt und für junge Menschen attraktiv sein, erklärte der äußerst selbstbewusste Unternehmer und erinnerte zum Abschluss seiner Rede an die Auswirkungen des demografischen Wandels: „Wer heute glaubt, dass wir künftig mit 60 in Rente gehen, 90 Jahre alt werden und die Jungen 30 Jahre lang unsere Rente zahlen, der irrt. Das machen die jungen Leute nicht mit. Da wird sich viel in unserer Gesellschaft ändern müssen.“ Der Freude an der Arbeit müsse in Deutschland wieder größere Bedeutung zukommen, schloss der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Im folgenden Vortrag beschäftigte sich Prof. Dr. Sven C. Voelpel mit den Auswirkungen des Älterwerdens aus wissenschaftlicher Sicht. Als Professor of Business Administration an der Jacobs University Bremen präsentierte Voelpel zunächst die drastische demografische Entwicklung in Deutschland, die deutlich mache, dass wir erst am Anfang des Fachkräftemangels stehen. Der Bremer Professor beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit dem Phänomen des Älterwerdens. Dazu gehören auch Langzeitstudien zur Erforschung von Faktoren, die das körperliche und geistige Altern von Menschen beeinflussen. Neben Fragen zur erfolgreichen Zusammenarbeit von Alten und Jungen erläuterte Professor Voelpel unter anderem den physischen Abbau älter werdender Menschen und gab Empfehlungen, etwas für die körperliche Fitness zu tun: „Zur Steigerung der allgemeinen Leistungsfähigkeit, unter anderem auch der geistigen.“ In der folgenden Diskussion nahmen beide vortragenden Professoren unter anderem zu folgenden Fragen der Zuhörer Stellung: zum Dienstleistungsstandort Deutschland, zur Arbeitskultur und der häufig negativen Einstellung zur Arbeit, zur Integration, beziehungsweise dem Anwerben von ausländischen Arbeitskräften für den deutschen Arbeitsmarkt sowie zur Förderung der Forschung seitens der Bauwirtschaft. Zu Letzterem forderte Professor Bauer alle Wissenschaftler in einem engagierten Appell auf, sich der wissenschaftlichen Untersuchung der Bauwirtschaft zu widmen: „Das ist noch ein großes weißes Feld, da kann man mit berühmt werden!“ Beim anschließenden Imbiss wurde durch die vielen angeregten Gespräche deutlich, wie groß das Interesse an dem behandelten Tagesthema ist. „Ich war angenehm überrascht, hier zu erfahren, welche Instrumente es gibt, die Freude an der Arbeit bei älteren Arbeitnehmern zu steigern. Auch die aufgezeigten Modelle zur Steigerung der Arbeitsmoral, um einen Teil der Auswirkungen des demografischen Wandels abzufangen, haben mich überzeugt“, erklärte Prof. Dr. Hermann Müffelmann von der Jade-Hochschule aus Oldenburg.