Höchste Aufklärungsquote seit 2007

Der neue PK-Leiter Knut Hallmann und Andrea Flohr vom KED präsentierten die Zahlen für 2012. Foto: A. Wiese

Polizeikommissariat Mellendorf stellt Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vor

Wedemark (awi). Im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariates Mellendorf wurden im vergangenen Jahr 1.491 Straftaten re-
gistriert. „Also ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 97 Straftaten“, konstatierten der neue Kommissariatschef Knut Hallmann und die kommissarische Kriminalermittlungsdienstleiterin Andrea Flohr gestern Vormittag bei der Präsentation der Kriminalstatis-
tik für 2012. Von den bekannt gewordenen Straftaten fielen insgesamt 1.318 Straftaten in die Bearbeitungszuständigkeit des PK Mellendorf, was bedeutet, dass diese Taten hier bis zur Abgabe an die Staatsanwaltschaft endbearbeitet wurden. Das sind 37 mehr als im Vorjahr.
Die Aufklärungsquote der im PK Mellendorf bearbeiteten Delikte liegt im Jahr 2012 bei 60,77 Prozent, dies ist höchste Aufklärungsquote seit 2007 und das bei einer stetig ansteigenden Zahl von zu bearbeitenden Gesamtstraftaten, die im Jahr 2012 etwa auf dem Niveau des Jahres 2009 liegen. Für die im Zuständigkeitsbereich des PK Mellendorf angefallenen Straftaten konnten insgesamt 553 Tatverdächtige ermittelt werden, davon waren 89 Personen nichtdeutscher Herkunft, das ist ein Anteil von 16,09 Prozent. 129 Täter waren weiblich
(23,33 Prozent). Der Anteil der jugendlichen Straftäter (acht bis 17 Jahre) lag im Jahr 2012 bei 13,74 Prozent (76), der Anteil der Heranwachsenden bei 7,05 Prozent (39). Die meisten jugendlichen Tatverdächtigen wurden im Bereich der Rauschgiftkriminalität und im Bereich der sogenannten Straßendelikte auffällig. Im Bereich der zu bearbeitenden Rohheitsdelikte beziehungsweise Straftaten gegen die persönliche Freiheit, dazu gehören unter anderem Raubstraftaten. Körperverletzungsdelikte, Nötigung, sowie auch Bedrohung und Stalking, meldeten Hallmann und Flohr einen Rückgang von 13,10 Prozent (19 Taten weniger als im Vorjahr) zu verzeichnen. Die Aufklärungsquote lag hier bei 94,44 Prozent. Der Anteil der Delikte in diesem Bereich lag bei 126 Taten, wobei die Körperverletzungen von leicht bis schwer einen Anteil von 100 Taten einnahmen.
Die im Bereich des PK Mellendorf bekanntgewordenen Straftaten in der Deliktsgruppe Diebstahl gesamt waren im Vergleich zum Vorjahr um 28,57 Prozent rückläufig. Wurden hier im Jahr 2011 noch 698 Fälle bekannt, so waren es im Jahr 2012 472 Fälle . Diese Deliktsgruppe hat einen Anteil von 43,95 Prozent an den insgesamt hier bekannt gewordenen Straftaten. Die Aufklärungsquote lag bei 24,15 Prozent und konnte um 3,81 Prozent gesteigert werden. Besonders auffällig in diesem Bereich, trotz insgesamt rückläufiger Zahlen, ist die Zunahme der Wohnungseinbruchdiebstähle. Im Bereich des PK Mellendorf wurden 2012 79 Wohnungseinbruchdiebstähle bearbeitet, 41 Fälle mehr als im Vorjahr (107,89 Prozent). 15 dieser Taten konnten aufgeklärt werden, das macht in diesem Bereich eine AQ von 18,99 Prozent. Unter anderem wurde bei der Polizei Mellendorf temporär eine Ermittlungsgruppe installiert, die im Frühjahr zu der Festnahme von zwei Tätern führte, denen insgesamt elf Wohnungseinbruchdiebstähle in der gesamten Region nachgewiesen werden konnten. Die beiden Täter sind inzwischen zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. „Der Anstieg der Straftaten in diesem Bereich erscheint gegenüber dem Vorjahr dramatisch. Betrachtet man jedoch diesen Deliktsbereich über einen Zeitraum von 5 Jahren, so ist festzustellen, dass wir im Jahr 2011 absolut niedrige Fallzahlen hatten“, betonte Andrea Flohr. 2008 seien 83 Wohnungseinbruchdiebstähle bekannt geworden, 2009 122 Taten und im Jahr darauf 70 Taten.
„Bürger sind hier sicher“
Die Bürger in der Wedemark sollten nicht das Gefühl bekommen, dass sie hier nicht sicher leben könnten und diese Gemeinde überproportional von Wohnungseinbrechern heimgesucht werde, betonten Hallmann und Flohr. Die Fallzahlen für das Jahr 2012 seien etwa auf dem Niveau von 2008 und 2010. Dennoch handele es sich hier um ein Delikt, das die Bevölkerung verständlicherweise sehr beunruhige. Gerade dort, wo man sich sicher und geborgen fühle, drängen fremde Menschen in den Privatbereich ein und hinterließen oft traumatisierte Geschädigte. Darum hätten sich die Beamten gerade auch im Jahr 2012 im Bereich der Prävention mit diesem speziellen Thema beschäftigt. Teilweise in Begleitung der Presse wurden in den Sommermonaten und auch zur dunklen Jahreszeit gezielt Wohnhäuser aufgesucht, Eigentümer und Bewohner angesprochen, auf mögliche Gefahren aufmerksam gemacht und auf die Möglichkeit der Beratung durch die Kollegen der technischen Prävention der Polizeidirektion Hannover hingewiesen. Diese Beratung wurde auch deutlich mehr genutzt, als die Jahre zuvor, freute sich Andrea Flohr:
Prävention groß geschrieben
„Zudem konnten auf zwei Veranstaltungen mit unserer Kontaktbeamtin und einem Kollegen der technischen Prävention im Rahmen einer Bauplatzvergabe gerade auch die Eigentümer beraten werden, die in nächster Zeit neu bauen wollen und diese Tipps in ihre Planungen aufnehmen konnten. Das betrifft vor allem auch die Auswahl der Fenster und Türen“. Einem Wedemärker Ehepaar, das leider zweimal in kürzester Zeit Opfer eines Einbruches wurde, konnte eine Plakette überreicht werden. Sie hatten ihr Haus nach dem ersten Einbruch nach den Vorgaben der technischen Beratungsstelle umgerüstet, den Tätern gelang es nicht, erneut in das nun gut gesicherte Wohnhaus einzudringen. Im Bereich des schweren Diebstahls aus Gewerbeobjekten wurden im Zuständigkeitsbereich des PK Mellendorf im letzten Jahr 36 Fälle bekannt. Das sind neun mehr als in 2011. Durch die Ermittlung eines Tatverdächtigen, dem unter anderem 14 dieser Taten zugeordnet werden konnten, wurde die Aufklärungsquote in diesem Bereich um 20 Prozent auf 38,89 Prozent gesteigert. Die Betroffenheit bei Einbrüchen in Gewerbeobjekte sei oft nicht so hoch wie bei Privathäusern, erklärten Hallmann und Flohr. Jedoch auch hier könnten die Objekte in vielen Fällen durch einfache Nachrüstungen leichter gegen Einbrüche geschützt werden. Bewährt habe sich auch die Videoüberwachung, die auf Privatgelände durchaus zulässig sei. Die Mellendorfer Polizei nutzte die Unterstützung einer Videokamera in einem konkreten Fall im letzten Jahr, um einen Täter zu überführen, der dasselbe Objekt in regelmäßigen Abständen immer wieder heimsuchte. Mit richterlichem Beschluss wurde eine Videokamera installiert, der Täter tappte prompt in die Falle und entpuppte sich als polizeibekannter alter Bekannter.
69 Diebstähle an und aus Kfz
Im vergangenen Jahr wurden in der Wedemark insgesamt 69 Diebstähle an, in und aus Kraftfahrzeugen angezeigt. Dies sind 21 Fälle weniger als im Jahr zuvor, die Aufklärungsquote liegt hier bei 23,19 Prozent. Die Fallzahlen im Bereich des Fahrraddiebstahls sind erfreulicherweise rückläufig. Wurden 2011 noch 94 Fälle angezeigt, waren es 2012 nur noch 58 Fälle, das entspricht einem Rückgang von 38,3 Prozent. Im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte allerdings sind die zu bearbeitenden Fälle von 180 vor zwei Jahren auf 397 im vergangenen Jahr gestiegen, wobei sich diese Zahlen ausschließlich im Bereich des sonstigen Betruges wiederfinden.
Im Polizeikommissariat wurde im letzten Jahr ein größeres Verfahren mit insgesamt 214 Straftaten gegen unter anderem einen Beschuldigten aus der Wedemark bearbeitet, der rechnungsähnliche Offerten, die einem Handelsregis-terauszug ähnelten, im gesamten Bundesgebiet verschickt hatte. Im Bereich der Sachbeschädigungen konnte die Aufklärungsquote auf 50,78 Prozent gesteigert werden. Es wurden insgesamt 193 Fälle bearbeitet, von denen 98 Taten aufgeklärt werden konnten. Auch hier gab es 2012 einige Tatserien, bei denen meist Jugendliche als Graffiti-Sprayer beziehungsweise „Scratcher“ als Täter ermittelt wurden. Die Fallzahlen im Bereich der Rauschgiftdelikte sind weiterhin rückläufig, so wurden im Polizeikommissariat Mellendorf 2012 insgesamt 35 Taten bearbeitet. Im Vorjahr waren es 41. Die Aufklärungsquote liegt hier bei 94,74 Prozent.
„Mehr Meldefreude“
Zum Abschluss noch ein ganz wichtiges Anliegen der Polizei: „Wir kriegen immer noch zu wenig Hinweise aus der Bevölkerung. In einem anonymen Bereich wie in Hannover würde ich das verstehen, aber nicht hier bei uns in der Wedemark“, sagt Andrea Flohr. Ausdrücklich betont sie: „Wir würden uns wirklich noch mehr Aufmerksamkeit und Meldefreude in der Bevölkerung wünschen.“ „Wir brauchen den guten und neugierigen Nachbarn“, betont ihr Chef Knut Hallmann: „Die Bevölkerung ist überall. Die Polizei kann nicht überall sein!“
Übrigens hat Andrea Flohr aus aktuellem Anlass einen Tipp für Hausbesitzer, die eine Leiter in ihrem Garten liegen haben. „Leitern kann man am Zaun zum Beispiel mit Fahrradschlössern sichern.“ Kürzlich hatte ein Unbekannter eine Leiter, die er im Garten eines Hauses in Resse gefunden hatte, benutzt, um auf das Dach des Wintergartens zu steigen. Dort entdeckte ihn gegen Mitternacht allerdings die Hausbesitzerin und vertrieb ihn mit lauten Schreien. Die Fahndung der Polizei verlief wie berichtet ergebnislos. Doch Leitern sollten grundsätzlich nicht so aufbewahrt werden, dass Einbrecher sie problemlos nutzen können.