Hofarbeit und Kindererziehung bestimmten das Eheleben

Ruth und Karl Steinmeyer sitzen gerne mit Dackel Findus in ihrem Garten. Foto: B. Stache

Ruth und Karl Steinmeyer feiern Diamantene Hochzeit

Mellendorf (st). Heute vor 60 Jahren gaben sie sich in der Mellendorfer Kirche das Ja-Wort. Einen Tag zuvor, am 25. September 1952, hatten Ruth und Karl Steinmeyer standesamtlich geheiratet. Anlässlich ihrer Diamantenen Hochzeit schauen beide auf eine erfüllte Ehe zurück. „Unser Eheleben war von viel Arbeit auf dem Hof und der Erziehung unserer Kinder geprägt“, erzählt Ruth Steinmeyer und ergänzt: „Das hat uns bis heute zusammengehalten.“
Die anfangs räumlich sehr entfernten Lebenslinien der beiden Jubilare trafen im August 1950 beim Heideblütenfest in Mellendorf aufeinander. Ruth Steinmeyer wurde unter ihrem Mädchenname Ganske im März 1932 in Hohendorf, Landkreis Kolmar (Wartheland), geboren und ist mit einem Bruder und einer Schwester aufgewachsen. „Wir wurden 1945 vertrieben“, erinnert sich die heute 80-Jährige. Ihr Vater, ein Landwirt, war 1942 an einer Kriegsverletzung verstorben. Nach drei Jahren Arbeit auf einem Gut im Landkreis Deutsch Krone (Westpreußen) wurde die Flüchtlingsfamilie 1948 aus Polen ausgewiesen und kam in ein Auffanglager bei Lübeck. Über Uelzen gelangte die Familie schließlich nach Gailhof, wo sie in der Mohmühle einquartiert wurde. Ruth Steinmeyer lernte ihren Karl dann auf dem Mellendorfer Heideblütenfest kennen: „Damals schimpften die Alteingesessenen noch, dass mein Mann mit einem Flüchtlingskind geht“, weiß sie noch heute. Karl Steinmeyer, im April 1922 als Sohn eines Landwirtes in Langenhagen geboren, wuchs in Mellendorf auf. Sein Vater hatte einen Hof in der Pechriede gekauft, den Sohn Karl später übernahm. „Im Frühjahr 1940 wurde ich als Soldat in Hannover eingezogen. Nach einer halbjährigen Ausbildung ging es mit der Nachrichteneinheit 148 nach Russland an die Front im Raum Stalingrad“, erklärt Karl Steinmeyer. Gegen Kriegsende geriet er 1945 im Kurland-Kessel in russische Gefangenschaft und kam – nach einem vierwöchigen Transport in Eisenbahnwaggons – in ein Kriegsgefangenenlager nach Taschkent/Usbekistan. „Dort mussten wir als Waldarbeiter arbeiten, später habe ich Maurerarbeiten erledigt. 1949 wurde ich aus der Gefangenschaft entlassen und kam im November auf den Hof hier in Mellendorf zurück“, erzählt der heute 90-jährige Landwirt. Auf seinem Anwesen betrieb er Viehzucht und Ackerbau, bis 1969 hatte er zudem einen Lohnbetrieb für Getreide und Holz. Als Fan von Bayern München spielte er selbst auch Fußball und ist noch heute Mitglied im Schützenverein, der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Soldatenkameradschaft. Ruth und Karl Steinmeyer haben vier Söhne, Karsten, Rolf, Dirk und Bernd, fünf Enkelkinder und die beiden Urenkel Maximilian-Alexandro und Finley. Mit Blick auf ihre 60 Ehejahre erklären die Jubilare anlässlich der Diamantenen Hochzeit gemeinsam: „Es gab in unserer Ehe gute und schlechte Zeiten, die guten haben überwogen.“