Hoher Besuch auf Wedemärker Biohof

Interessiert sah sich Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (links) auf dem Biohof von Landwirt Hermann Hemme um. Der zeigte ihm aus der Nähe, wie bei einem Huhn ein ungekürzter Schnabel aussieht. In den Biobetrieben war Schnabelkürzen auch bereits vor der Prämie nicht erlaubt. Foto: A. Wiese
 
Gemeinsam mit Hermann Hemme fütterte Minister Christian die Hühner. Foto: A. Wiese

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Meyer freut sich über Bioeierboom

Brelingen (awi). Wenn Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer glückliche Hühner sehen will, kommt er nach Brelingen: Am Montag stattete der Minister bereits zum zweiten Mal den Legehennen im Mobilstall des Biohofs Rotermund-Hemme einen Besuch ab und gab eine Pressekonferenz, denn nicht nur zu Ostern wächst die Nachfrage nach Bio- und Freilandeiern. Immer häufiger stammen diese Eier dabei aus Niedersachsen. Fast jedes zweite deutsche Bioei kommt mittlerweile von hier. Die Zahl der Bio-Legehennen wuchs in Niedersachsen allein von 2014 bis 2015 noch einmal um 250.000 oder 15 Prozent.
Auch Biobauer Hermann Hemme hat im vergangenen Jahr in einen zweiten Mobilstall inves-tiert, insgesamt 100.000 Euro. Der erste Mobilstall vor vier Jahren kostete noch rund 20.000 Euro weniger. 30 bis 40 Prozent davon bekommt Hemme aus Fördermitteln zurück wie vor vier Jahren. Von der Preissteigerung – zurückzuführen auf die steigende Nachfrage nach Mobilställen bei den Landwirten und deren wachsender Akezeptanz bei den Verbrauchern – profitieren die Herstellerfirmen der Ställe, rechnete Hemme am Montag dem Minister vor, der erst im Bioladen in Brelingen vor die Presse trat und sich dann noch einmal ganz in Ruhe den neuen Mobilstall für 1.000 Legehennen ansah, inklusive obligatorischer Hühnerfütterung. Was auch dem Minister auffiel: Zwischen den zumeist braunen Hennen laufen rund 50 Hähne. Sie sorgen für Ruhe beim Weibervolk, erklärte ihm Hermann Hemme, denn Eier legen würden die Hennen bekanntlich auch ohne Hahn. Doch, so lautete das Fazit, glückliche Hühner brauchen nicht nur Auslauf auf der grünen Wiese, sondern auch einen Hahn, der für Zucht und Ordnung sorgt. Am Ende landet der allerdings genauso im Suppentopf wie nach spätestens 15 Monaten die Legehennen, gesteht der Biolandwirt. Hemme hat es jedenfalls nicht bereut, auf seinem Biohof den Schwerpunkt auf die Eierproduktion und in der Folge zwangsläufig auch auf Suppenhühner gesetzt zu haben. Durch die Aufstockung mit dem zusätzlichen Mobilstall seit Dezember auf 3.000 Legehennen ist der Betrieb auch für den Osterboom gut aufgestellt. Allerdings: Während die Verbraucher normalerweise braune Eier bevorzugen, weil die mehr nach „Bio“ aussehen, steigt vor Ostern regelmäßig die Nachfrage nach weißen Eiern, erklärt Sylvia Rotermund-Hemme. Aber auch darauf ist der Betrieb eingestellt, der sich jetzt seit 25 Jahren dem Biolandbau verschrieben und daher auch kein Problem damit hat, die Auflage zu erfüllen, 50 bis 70 Prozent des Futters für die Hühner auf eigenen Flächen zu produzieren. 90 Hek-
tar Ackerflächen, 30 Hektar Grünland, das reicht für die 3.000 Legehennen und die 14 Mutterkühe aus. Entscheidend dabei sei die Fruchtfolge, erläutert Hemme dem aufmerksam lauschenden Minister. Die Direktvermarktung von Kartoffeln und Eiern sowie von Kollegen zugekauftem Gemüse über den Bioladen und die Marktstände ist der wesentliche Betriebszweig des Biohofes. „Die Leute wollen Bio“, das kann auch Hermann Hemme bestätigen. „Darum sind wir von Rot-Grün mit unserem Kurs auch auf dem richtigen Weg“, betont in der Pressekonferenz Minister Christian Meyer. Insgesamt halte erstmalig mehr als die Hälfte der niedersächsischen Legehennenbetriebe die Hühner in Bio- oder Freilandhaltung. „Immer mehr Betriebe stellen auf ökologische oder konventionelle Freilandhaltung um. Wir erleben einen Bioboom bei den Eiern. Ich freue mich über diesen eindeutigen und anhaltenden Trend zugunsten des Tierschutzes“, sagte Landwirtschaftsminis-ter Christian Meyer bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen am Montag auf dem Biohof Rotermund-Hemme in Brelingen. Seit dem Regierungsantritt von Rot-Grün sei der Bestand an Öko-Legehennen in Niedersachsen von 1,45 auf 1,89 Millionen gestiegen: ein Zuwachs um 30 Prozent. Die Zahl der konventionellen Freilandhühner wuchs sogar von 2,71 auf 3,76 Millionen (37 Prozent), während die Käfighaltung weiter auf 2,64 Millionen Hennen zurückging. Damit würden mittlerweile in Niedersachsen mehr als doppelt so viele Hühner mit Zugang zum Freien gehalten wie in der Käfighaltung, die ab 2025 komplett verboten ist. Deutschlandweit stammen schon 14 Prozent aller verkauften Eier aus Bioproduktion. Das Gute daran sei, dass die Zuwächse der letzten Jahre in Niedersachsen nicht nur auf einem Größenwachstum bisheriger Betriebe beruhten. Minister Meyer betonte: „Immer mehr Betriebe steigen auf Freilandhaltung mit mobilen Ställen und kleineren Einheiten um. Wir haben hier deshalb nicht nur mehr Hühner, sondern auch mehr Betriebe, also einen umgekehrten Strukturwandel.“ Die Zahl der Produktionsstätten mit Öko-Haltung sei seit Ende 2012 um 30 Prozent auf 273 gestiegen. In der konventionellen Freilandhaltung seien es jetzt 371 Produktionsstätten und damit 32 Prozent mehr, hier kamen allein 2015 46 Betriebsstätten hinzu (+14 Prozent). „In keinem anderen Agrar-Bereich haben wir diese erfreuliche Entwicklung“, so Meyer. „Deutlich mehr Betriebsstätten mit freilaufenden Legehennen heißt mehr Wertschöpfung für den ländlichen Raum und mehr tierschutzgerechte Eierproduktion.“ Der Biohof Rotermund-Hemme in Brelingen sei der beste Beweis dafür.