Hoppenstedt gewinnt Wahlkreis 43

Eisern harrte der harte Kern der CDU-Mitglieder am Sonntagabend im Gasthaus Bludau bis 22.15 Uhr aus, bis Wahlkreisgewinner Hendrik Hoppenstedt auf seiner Rundreise in Wennebostel eintraf, um ihn jubelnd zu empfangen, bevor der Wahlgewinner in seinen Heimatort Burgwedel weiterfuhr. Foto: A. Wiese
 
Nachdenkliche Gesichter bei der SPD-Wahlparty im Restaurant Pinocchio in Elze, die diesmal ihren Namen nicht wirklich verdiente. Den Genossen um Caren Marks (links am Tisch) war am Sonntagabend nicht zum Feiern zumute, während sie die einlaufenden Wahlergebnisse am Laptop verfolgten. Foto: A. Wiese

CDU mit Erststimmen-Vorsprung von sieben Prozent – Marks über Liste drin

Wedemark (awi). Als einzigen der vier Wahlkreise in Hannover und der Region hat Hendrik Hoppenstedt den Wahlkreis 43 direkt für die CDU gewinnen können – zum zweiten Mal hintereinander mit 40,9 Prozent der Erstimmen.
Bei den Zweitstimmen entfielen 34,8 Prozent auf die CDU, 27 Prozent auf die SPD, 7,9 Prozent auf die Grünen, 6,0 Prozent auf die LINKE, 10,5 Prozent auf die FDP und 10,2 Prozent auf die AfD. Das ist ein deutlicher Vorsprung von sieben Prozent bei den Erststimmen für Hoppenstedt vor Caren Marks von der SPD, die jedoch über die Landesliste wie bereits vor vier Jahren wieder in den Bundestag einzieht. Und was noch nie dagewesen ist: Da auch Grigorios Aggelidis von der FDP, Dieter Dehm von der Linken und Dietmar Friedhoff von der AfD über die Liste ins Berliner Parlament kommen, ist der Wahlkreis 43 in den nächsten vier Jahren mit fünf Abgeordneten vertreten. Ansonsten spiegeln sowohl das Erst- als auch das Zweitstimmenergebnis den Bundestrend wieder. Allerdings ist die FDP im Wahlkreis 43 um 0,3 Prozentpunkte stärker als die AfD. In der Wedemark entfielen auf die CDU 40,9 Prozent Erst- und 35,7 Prozent Zweitstimmen, auf die SPD 33,9 Prozent Erst- und 25,3 Prozent Zweitstimmen, auf die Grünen 6,0 Prozent Erst- und 8,9 Prozent Zweitstimmen, auf die LINKE 4,2 Erst- und 5,5 Prozent Zweitstimmen, auf die FDP 5,3 Erst- und 11,9 Prozent Zweitstimmen und auf die Afd 8,5 Erst- und 9,3 Prozent Zweitstimmen. u öffentlichen Wahlpartys hatten in der Wedemark lediglich die bei den großen Parteien CDU und SPD Presse und Bevölkerung eingeladen: Die CDU traditionell im Gasthaus Bludau in Wennebostel, die SPD in ihrem Stammlokal Pinocchio in Elze. So richtige Partystimmung herrschte am Sonntagabend jedoch bei beiden Parteien nicht. Die SPD-Mitglieder um Caren Marks, die die ersten eineinhalb Stunden mit ihren Genossen vor Ort verbrachte, um dann nach Hannover zu fahren, – auf eine Rundreise durch ihren Wahlkreis verzichtete sie diesmal – waren sichtlich geschockt, während sie am Laptop die einlaufenden Zahlen aus dem Wahlkreis und am Fernseher die bundesweiten Hochrechnungen und ersten Statements der Parteiführung verfolgten.
„Absage an Große Koalition“
Ungläubig und fast verärgert reagierten die Wedemärker Genossen auf die fast um Punkt 18 Uhr erfolgte Ansage von Thomas Oppermann, die SPD stehe für eine Große Koalition nicht zur Verfügung, die später von Martin Schulz bestätigt wurde. „Ohne Abstimmung mit den Mitgliedern ist eine solche Ansage zu so einem frühen Zeitpunkt doch sehr ungewöhnlich und nicht nachvollziehbar“, waren sich Caren Marks und ihre Wedemärker Parteifreunde unisono einig.
Recht früh stand fest, dass Marks wie bereits vor vier Jahren, wo sie auch beim Bundestagswahldebüt von Hendrik Hoppenstedt beim Kampf um den Direkteinzug in den Bundestag unterlegen war, über die Landes-liste erneut in Berlin dabei sein würde. „Die Liste hat noch wesentlich weiter gezogen als bis zu meinem sechsten Platz“, bestätigte Marks am nächsten Tag im Gespräch mit dem ECHO. Ihr Amt als Parlamentarische Staatssekretärin im Familienministerium werde sie solange ausfüllen, bis eine Nachfolgerin benannt sei, erklärte die Mellendorferin. Einen solchen Posten könnten nur Mitglieder einer Partei ausfüllen, die an der Regierung beteiligt seien. Und das werde die SPD nach dem augenblicklichen Stand nicht sein, da sie sich für den Gang in die Opposition entschieden habe. „Zuerst einmal möchte ich mich bei meinen Wählerinnen und Wählern für ihr Vertrauen bedanken. Auch wenn ich mein Ziel, den Wahlkreis direkt zu gewinnen, leider nicht erreicht habe, freue ich mich, die Interessen der Bürger weiter als Abgeordnete im Deutschen Bundestag vertreten zu können. Dieser Wahlkreis war gegen den Bundestrend nicht direkt zu gewinnen“, so Marks in einer ersten Stellungnahme. Bei ihren Genossen bedankte sie sich für einen engagierten Wahlkampf, bei dem sie viel Zustimmung erfahren habe. Die SPD habe insgesamt ihr Wahlziel verfehlt. Als Motor der Großen Koalition habe sie viele wichtige Vorhaben durchgesetzt. Es sei bedauerlich, dass dieses Wahlergebnis einen echten Politikwechsel für mehr soziale Gerechtigkeit und ein gutes Miteinander unmöglich mache. „Das Abschneiden der AfD bedeutet eine Zäsur für die Politik in unserem Land. Das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik sind rechtsextreme Kräfte im Deutschen Bundestag vertreten“, stellte Marks fest, doch die SPD ducke sich nicht weg, sondern werde mit aller Kraft daran arbeiten, die Demokratie und den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken.
Im Gasthaus Bludau bei der CDU-Wahlparty war die Stimmung deutlich besser als bei der SPD in Elze, doch die Verluste, die die Partei bundesweit einstecken musste, hinterließen auch hier Spuren und nachdenkliche Gesichter. Als jedoch um 22.15 Uhr der Sieger des Wahlkreises, Hendrik Hoppenstedt, eintraf, empfingen ihn frenetischer Jubel und ein mit Unterschriften geschmücktes Wahlplakat als Präsent. Auch der zu diesem Zeitpunkt nach seiner Rundreise durch den Wahlkreis schon etwas erschöpfte und heisere Hendrik Hoppenstedt bedankte sich bei seinen Parteifreunden auf das Herz-lichste. Dass es gerade ihm als einzigem CDU-Kandidaten in den vier Wahlkreisen in der Region Hannover gelungen sei, seinen Wahlkreis direkt zu gewinnen, sei auch so begeistert und hart kämpfenden Ortsverbänden wie dem Wedemärker zu verdanken.
Hoppenstedts Freude über seine direkte Wiederwahl überwog seine Enttäuschung über das bundesweite Ergebnis der Union. Mit noch größerem Vorsprung als 2013 hätten die Wähler erneut für ihren Wahlkreisabgeordneten gestimmt. „Zuerst bedanke ich mich bei den 72.275 Wählerinnen und Wählern, die mir ihre Stimme und damit ihr Vertrauen geschenkt haben. Dieser Vertrauensbeweis ist für mich Ansporn und Motivation zugleich, mich auch in den nächsten vier Jahren im Bundestag mit aller Kraft für die Interessen der Menschen in der nördlichen Region Hannover einzusetzen“, so Hoppenstedt.
„Vertrauen zurückgewinnen“
Mit Blick auf die bundespolitische Lage sei die Wählerabwanderung von der CDU zur FDP und zur AfD ein Signal. „Auch wenn die objektive Lage der Menschen in Deutschland sehr gut ist, gibt es den Wunsch nach Veränderungen. Wir werden daran arbeiten, Vertrauen zurückzugewinnen“, versprach Hoppenstedt. Für die Regierungsbildung verbleibe angesichts der Weigerung der SPD, sich für eine Koalition zur Verfügung zu stellen, nur noch die Möglichkeit einer Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen. „Die Koalitionsverhandlungen werden eine große Herausforderung für uns, aber der Wille aller Beteiligten eine tragfähige Lösung für Deutschland zu finden ist stark“, ist sich Hoppenstedt sicher.
Die CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende, Landtagsabgeordnete und auch aktuelle Landtagskandidatin Editha Lorberg sprach am Sonntagabend im Gasthaus Bludau von einem Ergebnis für die CDU, das keinesfalls zufriedenstellend sei, auch wenn CDU/CSU weiterhin stärkste Kraft im Bundestag seien. Die Verlus-te könnten nicht schön geredet werden. „Wir hatten ganz offensichtlich nicht ausreichend Antworten auf drängende Fragen der Bevölkerung“, räumte Lorberg ein, dass eindeutig Stimmen von CDU-Wählern zur FDP und zur AfD gegangen seien. Ein gutes Zeichen für die CDU vor Ort sei, dass es wesentlich weniger Erst- als Zweitstimmenverluste gegeben habe und sich der Abstand im Vergleich zum Ergebnis vor vier Jahren noch vergrößert habe. Lorberg nahm dies aber am Sonntagabend auch zum Anlass, die Anwesenden eindringlich aufzufordern, bei der Landtagswahl am 15. Oktober nicht „taktisch“ zu wählen und ihre Zweitstimme beispielsweise der FDP zu geben. „Wir von der CDU werden jede Stimme brauchen. Solch taktische Überlegungen sind schon mehrfach gründlich schief gegangen, bitte wählen Sie mit Erst- und Zweitstimme CDU“, appellierte die Gemeindeverbandsvorsitzende eindringlich an die Anwesenden im Saal. Von den drei anderen Bundestagsabgeordneten von FDP, LINKE und AfD, die den Wahlkreis 43 künftig in Berlin vertreten werden, oder ihren Parteien ging ebenso wenig wie von den Grünen bis Redaktionsschluss eine Erklärung an die Presse heraus.
Negenborn AfD-Hochburg
Interessant ist eine nähere Betrachtung der Wahlergebnisse in der Wedemark und ihren Ortsteilen. Die Erst- und Zweitstimmenergebnisse im Wahlkreis 43 und im Vergleich dazu im gesamten Gebiet der Wedemark können Interessierte den Grafiken unten auf dieser Seite entnehmen. Ein Blick auf die Ergebnisse der einzelnen Wahllokale, die übrigens im Internet auf der Seite der Region unter www.wahlen-regionhannover.de abrufbar sind, offenbart inte-ressante Details. So gibt es eine bisher nicht in dieser Deutlichkeit zutage getretene AfD-Hochburg in Negenborn, wo die AfD bei den Zweitstimmen mit 17,1 Stimmen ihr bestes Ergebnis in der Wedemark erreichte, gefolgt von 13,4 Prozent im Wahllokal Resse I, 12,9 Prozent im Wahllokal Mellendorf III und 12,8 Prozent im Wahllokal Bissendorf-Wietze II. Ihr schlechtestes Ergebnis fuhr die Alternative für Deutschland mit 6,2 Prozent der Zweitstimmen im Wahllokal Bissendorf II ein. Bissendorf ist auch für andere Rekordwerte gut: Die CDU, die ihre besten Werte mit über 40 Prozent bei den Briefwählern erzielte, kam in den Wahllokalen Bissendorf III und Wennebostel auf 39,4 Prozent der Zweitstimmen und schnitt in Negenborn mit 27,3 Prozent am schlechtesten ab. Die SPD kam im Wahllokal Elze III mit 34,8 Prozent auf ihren Höchstwert bei den Zweitstimmen in der Wedemark und holte ihren niedrigsten Prozentsatz mit 19,5 Prozent in Meitze.
Die Grünen haben ihre Hochburg in Bissendorf, wo sie im Wahllokal Bissendorf 1 13,5 Prozent der Zweitstimmen erzielten. Dafür fällt ihr schlechtestes Ergebnis in Abbensen mit 4,2 Prozent erstaunlich niedrig aus. So wie es in Negenborn eine Hochburg der AfD gibt, verraten die Wahlergebnisse eine solche für DIE LINKE in Bennemühlen, wo die Partei bei den Zweitstimmen auf 12,5 Prozent kam.
DIE LINKE fuhr ihr schlechtestes Ergebnis im Wahllokal Bissendorf IV mit 3,2 Prozent ein. Bei den Erststimmen verzeichnete Hendrik Hoppenstedt seinen besten Wert im Wahllokal Bissendorf III mit 48,1 Prozent, Caren Marks war im Wahllokal Elze III mit 45,7 Prozent am stärksten. Der Grüne Eike Lengemann holte sein Rekordergebnis in Oegenbostel mit 12,5 Prozent der Erststimmen, Dieter Dehm von DIE LINKE in Bennemühlen mit 9,9 Prozent, Grigorios Aggelidis von der FDP mit 11,6 Prozent im Wahllokal Brelingen II und Dietmar Friedhoff von der AfD mit 16,1 Prozent in Negenborn.