IGS ermittelt „Jugend debattiert“-Sieger

Die späteren Schulsieger Jooke Gresbrand (links) und Fynn-Jannick Müller (rechts) traten in der dritten Runde gegeneinander an, außerdem auf dem Podium Kevin Mönkemeier (zweiter von links) und Luissa Hansen. Foto: A. Wiese

Jooke Gresbrand und Fynn-Jannick Müller überzeugen die Jury am meisten

Mellendorf (awi). „Hilfe für Flüchtlinge – eine Pflichtaufgabe für alle Schüler?“ Diese Frage diskutierten zwölf Schülerinnen und Schüler der IGS Wedemark aus den Jahrgängen neun und zehn in den Vormittagsstunden des ersten Schultages nach den Ferien im Forum des Campus W.. Sie waren als Klassenvertreter angetreten, ihre Schulsieger im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Jugend debattiert“ zu ermitteln. In den Ferien hatten sie sich mit Argumenten zur Pro- und Kontraseite gespickt. Denn erst wenige Minuten vor Wettbewerbsbeginn wurden die Gruppen zugelost. Man musste also flexibel reagieren. Auch in der zehnminütigen Aussprache ging es nicht nur um ein stumpfes Vorstellen der eigenen Position, sondern um ein sprachliches und inhaltliches Eingehen auf die Standpunkte der Gegenseite, betonte Koordinator Joachim Kasten. Am Ende hatte die dreiköpfige Lehrerjury ihr intensiv diskutiertes Urteil gefällt: Schulsieger wurden Jooke Gresbrand und Fynn-Jannick Müller, Platz drei ging an Paula Luttermann und Stella Eichel. Aber auch die Plätze fünf bis zwölf dürfen sich als Sieger fühlen: Alle haben ihre Aufgabe vor den rund 300 Mitschülern prima gemeistert, bestätigt ihnen Joachim Kasten. Umrahmt wurde die Veranstaltung von Musik, Sketchen, Tanz und Gesang der 10.4, die unter der Leitung von Friedrich Nemetschek bereits am letzten Ferientag in mehreren Stunden die Technik installiert hatte. Auch für sie gab es ein großes Lob von Seiten der Schule.
Interessant waren nicht nur die Debatten selbst, sondern auch die Kommentierungen der Jury im Anschluss. So hieß es beispielsweise für Jette, sie habe einen sehr guten Überblick über ihre Argumente gegeben und sei gut auf die Kontraseite eingegangen, hätte jedoch ihre Sachkenntnis in der Debatte mehr beibehalten müssen. Till bekam zu hören, er habe in der freien Aussprache eine „elegante Coolness“ an den Tag gelegt, sei „wissend und professionell“ aufgetreten, hätte jedoch seine eigene Position zum Schluss noch einmal erläutern müssen. Cedric bestätigte die Jury beispielsweise, mit gut auf die Argumente der Gegenseite eingestiegen und auch eigene gebracht zu haben. Er hätte jedoch „verbissener dran bleiben müssen“, so die Meinung der Jury in diesem Fall.
Welche Argumente für Pro und Kontra die Schüler anbrachten, kann am Beispiel der dritten Runde mit den späteren Schulsiegern Jooke Gresbrand und Fynn-Jannick Müller dargestellt werden. Jooke stand zusammen mit Kevin Mönkemeier auf der Pro, Fynn-Jannick mit Luissa Hansen auf der Kontra-Seite. Sie habe am Beispiel ihres eigenen Klassenkameraden aus Syrien gesehen, wie super Intergration von Flüchtlingen funktionieren könne, wenn sich die Schüler einbrächten, argumentierte Jooke. Die Verpflichtung aller Schüler für diese Hilfe ergebe sich schon aus dem hohen Ausländeranteil der Schule. Wenn die Hilfe auf viele Schultern verteilt würde, werde keiner überfordert, die verpflichtende Hilfe könnte beispielsweise auch in das soziale Lernen für die achten Klassen integriert werden. Fynn-Jannick und Luissa auf der Kontra-Seite sahen das anders: Verpflichtung bedeute auch immer, dass die Schüler mitherangezogen würden, die eigentlich keine Lust hätten. Das wirke sich auf die Motivation und Qualität der Hilfe aus. Bessergeeignet sei eine freiwillige Hilfeleistung. Beide führten zudem die Möglichkeit der Infektionsgefahr und Krankheitsübertragung durch die Flüchtlinge auf die Helfer an, konnten ihre Debattengegner damit aber ganz und gar nicht überzeugen. Auch mögliche traumatische Erlebnisse der Flüchtlinge, die die Kontra-Seite als Argument gegen eine verpflichtende Hilfe anführte, drehte die Pro-Seite postwendend um: Eben weil diese Kinder und Jugendlichen so viel Schlimmes erlebt hätten, bräuchten sie dringend Hifle durch ihre Mitschüler, damit auch sie ein ruhiges und selbstbestimmtes Leben führen könnten.