In 60 Jahren (fast) nie gestritten

Ortsbürgermeisterin Christa Goldau gratulierte gestern vormittag Luise und Heinrich Hemme zur Diamantenen Hochzeit. Foto: A. Wiese

Luise und Heinrich Hemme feierten Diamantene Hochzeit

Gailhof (awi). Ihr ganzes Leben haben sie in der Wedemark verbracht: Gestern feierten Luise (83) und Heinrich Hemme (88) aus Gailhof das Fest der Diamantenen Hochzeit. Sie ist gebürtige Elzerin, er ist in Gailhof auf dem Hof am Neuen Kamp geboren, der seit Generationen in Familienbesitz ist, auf dem beide ihren Lebensunterhalt verdient haben und wo sie heute in Ruhe ihren Lebensabend verbringen. Heinrich Hemme war das einzige Kind auf dem Hof. Als sein Vater 1939 eingezogen wurde, übernahm er als 15-jähriger die Verantwortung für den Hof – bis er selber 1942 als Soldat in den Krieg ziehen musste. Sechs lange Jahre war er weg von zu Hause, wurde erst 1948 aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen. An der Front in Italien auf der Gustav-Linie zwischen Rom und Neapel fielen er und seine Kameraden 1944 in die Hände der Feinde, wurden nach Tunesien verschifft und blieben bis 1947 in Afrika in Gefangenschaft. Dann kamen die Gefangenen nach Marseille, später zum Siedlungsbau nach Lothringen und das letzte Dreivierteljahr arbeitete Heinrich Hemme bei einem Bauern bei Straßburg. Im Oktober 1948 durfte er dann endlich nach Hause und stieg wieder in den elterlichen Hof ein.
So weit herumgekommen in der Welt wie ihr Mann ist Luise Hemme nicht. Sie wurde 1929 in Elze geboren, ebenfalls als Tochter eines Landwirts. Hier wuchs sie auf, half ihren Eltern in der Landwirtschaft, arbeitete auch die Kriegsjahre hindurch hart und traf im Oktober 1949 auf dem Reiterball in Berkhof ihren zukünftigen Mann. Er kann sich noch genau daran erinnern, dass er sie hier das erste Mal bewusst wahrgenommen hat, auch wenn man sich vorher vielleicht schon bei anderen Anlässen in der Wedemark über den Weg gelaufen war. Doch jetzt ließ er sie nicht mehr aus den Augen. Am 1. Dezember 1950 wurde Verlobung gefeiert, am 26. November 1952 standesamtlich und einen Tag später kirchlich geheiratet. Zusammen mit seinen Eltern lebte das junge Paar jetzt auf dem Hof in Gailhof, dem kleinsten im ganzen Dorf mit wenigen Kühen und 20 zugerichteten Hektar Land, und bekam 1958 die lang ersehnte Tochter. Sie wohnt in Meitze und hält engen Kontakt mit ihren Eltern, die jedoch mit Unterstützung eines Pflegedienstes noch ganz eigenständig auf ihrem Hof in Gailhof leben. Bereits seit 1988 ist Heinrich Hemme in Rente. Und erst danach erlaubte sich das Paar das Reisen. Ihn zog es in die Gegend, die er ihm Krieg kennengelernt hatte, und so reisten Luise und Heinrich Hemme mit der Soldatenvereinigung „Das Kleeblatt" nach Italien, Ungarn und Dänemark. Doch auch Flusskreuzfahrten haben sie unternommen. Die letzte weite Reise führte die Gailhofer 1994 bis zum Eismeer und nach Spitzbergen. Danach ging es dann noch mal in die Schweiz, nach Österreich und an den Gardasee, aber das Reisen wurde weniger. Auto fährt der Senior auch heute noch, allerdings nur zum Einkaufen nach Mellendorf oder mal zur Tochter nach Meitze. Er organisiert den Haushalt, kocht gemeinsam mit seiner Frau. Ein Lieblingsgericht? „Gibt es nicht", meint sie: „Er isst alles, was auf den Tisch kommt." „Aber gerne auch Eintopf", fügt er hinzu, „und den magst du nicht so." Das scheinen aber auch die einzigen Meinungsverschiedenheiten des Diamantenen Paares zu sein, das in sechs Jahrzehnten fest zusammengewachsen ist. Richtigen Streit habe es nie gegeben, betonen beide und lächeln sich an. Die Gesundheit macht sowohl ihm als auch ihr ein wenig zu schaffen. Er muss nach einer Herzklappen-Operation vor fünf Jahren alles ein wenig langsamer angehen lassen, sie als Diabetes-Patientin auf die regelmäßige Einnahme ihrer Medikamente achten. Gestern empfingen Heinrich und Luise Hemme die Glückwünsche des stellvertretenden Bürgermeisters Helge Zychlinski, der Ortsbürgermeisterin Christa Goldau, des Pastors Thomas Hirschberg und der Vertreter von Feuerwehr, Schützenverein und Bürgerverein. In allen drei Vereinen ist Heinrich Hemme Mitglied. Und er läutet auch immer noch die Glocken der Kapelle, wenn in Gailhof jemand gestorben ist. „Das mache ich, solange ich es kann", betont er. Am Sonnabend wird die Diamantene Hochzeit dann im Kreise der Familie, zu der außer der Tochter auch zwei Enkel gehören, von Verwandten, Bekannten und Nachbarn im Gasthaus Langehennig in Meitze gefeiert. „Dort haben wir bisher jedes Fest gefeiert", erzählen beide mit strahlenden Augen von Silberhochzeit, Rubinhochzeit und Goldener Hochzeit. „Wir haben nichts ausgelassen", meinen sie augenzwinkernd und machen auf ihre Gratulanten trotz der Mühen des Alters einen rundum zufriedenen Eindruck.