„In guten wie in schlechten Zeiten“

Erwin Rimkus und seine Frau Helga haben sich heute vor 60 Jahren das Ja-Wort gegeben. Foto: A. Wiese

Erwin und Helga Rimkus feiern heute das Fest der diamantenen Hochzeit

Scherenbostel (awi). „In guten wie in schlechten Zeiten“, das haben sich Erwin und Helga Rimkus heute vor 60 Jahren bei ihrer standesamtlichen Trauung versprochen und dies einen Tag später kirchlich besiegelt. Wie ernst dem heute 89-jährigen Erwin Rimkus dieses Versprechen war, beweist er täglich rund um die Uhr, denn seine 82-jährige Frau Helga ist seit vielen Jahren krank und seit sechs Jahren ein Vollpflegefall. Für den Scherenbosteler kommt es dennoch überhaupt nicht in Frage, auch nur daran zu denken, seine Frau in ein Heim zu geben, solange er ihre Pflege mit Hilfe einer privaten Pflegekraft noch irgendwie bewältigen kann.
Und zur Feier der diamantenen Hochzeit am heutigen Mittwoch hat er Familie, Freunde, Nachbarn und Verwandte eingeladen, mit ihm zu feiern. Im Garten ist ein Zelt aufgebaut, Essen ist bestellt und der 89-Jährige freut sich trotz allem auf diesen Ehrentag. Er stammt genau wie seine Frau aus Ostpreußen, ist der Sohn eines Bauern und hat vier Halbge-
schwister. Im Januar 1943 wurde er mit 17 Jahren eingezogen, diente zweieinhalb Jahre beim Militär und kam weitere zweieinhalb Jahre in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Als er entlassen wurde, gab er die Adresse seines Vaters bei Hannover an.
So kam der Ostpreuße in diese Gegend. In Wettmar fand er seine Mutter und dort lernte er auch seine Helga kennen. Sie wohnte mit ihrer Familie im benachbarten Thönse. Beide Mütter waren befreundet. 1951 lernten sich die beiden kennen, 1953 wurde Verlobung und 1954 Hochzeit gefeiert – in einer Wettmarer Flachbaracke mit 25 Gästen. 1956 und 1958 wurden die beiden Töchter geboren und die Familie wohnte zunächst in Wettmar. Erwin Rimkus, der zunächst als Melker Geld verdient hatte, arbeitete in Hannover auf dem Bau, die letzten zehn Jahre als Kranführer. 1962 wechselte er als Maschinenführer zu VW und blieb dort, bis er 1983 in Rente ging. Nach Scherenbostel verschlug es ihn und seine Frau vor 48 Jahren. Über Bekannte hatte das Ehepaar gehört, dass es dort günstig Baugrundstücke geben sollte. Erwin Rimkus und sein Bruder kauften zwei benachbarte Grundstücke und bauten dort ihre Häuser. Viel Zeit für Hobbys war da nicht, aber als sich das Paar ein Auto anschaffte, nachdem sie früher nur ein Motorrad hatten, ging es auch mit den Kindern in den Urlaub: am liebsten nach Bayern an den Chiemsee. Und 1992 besuchten beide ihre alte Heimat Ostpreußen.
Helga Rimkus arbeitete bei Unicolor in Scherenbostel bis sie 1998 krank wurde. Ihr Garten und ihre Fotosammlung seien ihr sehr wichtig gewesen, erzählt Erwin Rimkus. Sie sei sehr beliebt und gesellig gewesen. Und geschwommen hätten beide immer gerne. Sie hatten einen eigenen Swimmingpool im Garten und dienstags ging es zum Schwimmen nach Schwarmstedt. Einmal in der Woche wurde zudem geturnt. Heute verlässt Erwin Rimkus das Haus nur noch sehr selten, eigentlich nur, um Milch und Eier bei Landwirten im Dorf zu holen. Den großen Einkauf erledigt eine Bekannte, die ihn auch bei der Pflege seiner Frau unterstützt und in der Woche meistens kocht. Am Wochenende kocht der 89-Jährige selbst für sich und seine Frau. Aber an diesem besonderen Festtag heute wird das Essen natürlich geliefert. Für Erwin Rimkus ist dieser Tag ein Festtag, wenn er sich auch wünschte, dass seine Frau ihn noch bewusst erleben würde. „Wir haben uns immer gut verstanden. Zwar streitet man sich auch mal, aber die Versöhnung ist noch mal so schön“, sagt der Jubilar und drückt seine Frau im Rollstuhl liebevoll an sich. „In guten wie in schlechten Zeiten“ – bei Erwin und Helga Rimkus bekommen diese Worte eine ganz besondere Bedeutung.