In Kitsos Still-Leben gibt es viel zu entdecken

Künstler Georgios Kitsos hat zu jedem seiner Bilder eine ganz eigene Beziehung. Foto: A. Wiese

Für die aktuelle Ausstellung bei imago muss man Zeit mitbringen

Bissendorf (awi). „Nehmen Sie sich Zeit, wenn Sie die Still-Leben von Georgios Kitsos betrachten!" Diesen Ratschlag kann man nur jedem geben, der sich mit den Werken des deutsch-griechischen Künstlers auseinandersetzen möchte, die ab morgen, Sonntag, beim imago Kunstverein im Bürgerhaus gezeigt werden. Um 12 Uhr wird die Ausstellung morgen mit einem Einführungsvortrag von Dr. Carmen Putschky aus Hannover eröffnet. Die Kunsthistorikerin wird die Gäste auf diesen außergewöhnlichen Künstler aus Berlin einstimmen, der an der Hochschule für bildende Künste in Berlin studierte, Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes war, eineinhalb Jahre durch den Vorderen Orient, Persien, Indien, Nepal, Südostasien und in den Fernen Osten reiste und seit 1970 als freischaffender Künstler tätig ist. Heute lebt und arbeitet er in Berlin-Kladow. Zur Finissage mit Künstlergespräch lädt imago am Sonntag, 10. Mai, von 15 bis 17 Uhr, ein. „Form hat Qualität, wenn sie vielleicht auch keine ästethischen Qualitäten hat", begründet der Künstler im Gespräch seine Leidenschaft für Still-Leben. Diese Schreibweise ist übrigens eine Schöpfung von Brigitte Maaß-Spielmann von imago, die sich mit der deutschen Rechtschreibreform geschuldeten Schreibweise mit drei „l" nicht anfreunden kann. Er stelle sich seine Motive nie auf, verwahrt sich der Künstler gegen diese Unterstellung, er erfasse vielmehr Dinge, die ihm von Kindheit an vertraut seien. Man sei ja informiert über das, was in der Malerei schon gemacht worden sei, werde dies nicht nachmachen oder wiederholen und müsse Wert darauf legen, dass Formen zusammen in Abstraktion die Spannung erzeugten, erklärt Georgios Kitsos und hinterlässt mit dieser Ausführung einen leicht verwirrten Gesichtsausdruck bei seinem nicht ganz so kunstkundigen Zuhörer. Eine leere Fläche zu füllen sei eine ziemlich interessante Sache, vertieft er das Thema und weist auf seine recht lange Schaffensperiode von rund einem halben Jahrhundert hin, bei der er sich durchaus von seinem Geschmack und Vorlieben habe treiben lassen. Er nehme sich durchaus auch manches Werk von früher noch einmal vor und verändere es, bis es ihm gefalle, verrät der Künstler, der nach Bissendorf 26 Werke mitgebracht hat. Sie seien zwar verkäuflich, aber er produziere nicht für den Verkauf, betont er: „Ich bin ja kein Bestseller!" Rund ein Drittel seiner Werke sei nicht mehr in seinem Besitz. Gerne erzählt er von seiner aufwändigen Maltechnik: Ei-Tempera und Öl – eine Emulsion als Bindemittel für Pigmente, eine Schichttechnik, die sehr gut für Untermalungen geeignet sei. Die Farbschicht sei ein bisschen saugend. Eine dünne Schicht Ölfarbe gebe der Farbe Leuchtkraft und zugleich Transparenz. Dieser Vorgang werde dann mehrfach wiederholt. „Das ist eine altmeisterliche Technik von Dörner", klärt Kitsos seine Zuhörer auf. Die Durchsichtigkeit, die quasi Licht von hinten gebe, sei das Geheimnnis. Die Farbe selbst werde ganz sparsam verwendet und komme so viel besser zur Geltung. Die individuell vom Künstler selbst angefertigten Rahmen runden das Ganze ab. „Der Rahmen gehört dazu, muss individuell auf das Bild abgestimmt werden, sonst kann er es auch kaputt machen", warnt Kitsos. Ein Rahmen solle einem Bild eine anständige Folie bieten, angemessen sein und dem Bild gut tun, müsse sich aber dennoch unterordnen. Das Holz für den Rahmen wird grundiert, geschliffen und in alter traditionell überlieferter Handwerkskunst versilbert. Zuletzt poliert der Künstler seine Rahmen mit einem Achatstein. Gelegentlich ist es auch schon vorgekommen, dass Georgios Kitsos ein Bild für einen Rahmen gemalt hat, aber das bleibe die Ausnahme. Letztendlich sollen die Rahmen genauso im Hintergrund bleiben wie die dargestellten Gegenstände, „denn mich interessiert ja die Malerei", so Kitsos, der gespannt ist, wie seine Bilder, sein Kunstverständnis, seine Technik bei den Wedemärkern ankommen wird.