„Inklusion bedeutet Vielfalt im Sport“

Sportangebote für Menschen mit und ohne Behinderungen schaffen, das möchten Renate Löhr (von links), Rudi Ringe, Heike Hüper, Monika Blinne, Günther Stechmann und Christina Seitz gemeinsam verwirklichen und laden daher am 31. Mai zum Tag der offenen Tür zum MTV ein. Foto: A. Wiese

Behindertenbeirat und MTV initiieren am 31. Mai ganz besondere Veranstaltung

Mellendorf (awi). Wenn Renate Löhr, Vorsitzende des Behindertenbeirates, Wünsche hat, kann sie ganz schön energisch werden, um diese zu verwirklichen. Diese Erkenntnis hat sich in der Wedemark mittlerweile durchgesetzt. Den Wunsch inklusiven Sport anzubieten und so sozusagen zusammen auf Augenhöhe gleichberechtigt für die Vielfalt im Sport einzutreten, den hatte Renate Löhr nicht alleine. Sondern dahinter steht der gesamte Behindertenbeirat. Am 31. Mai gibt es nun mit einem Tag der offenen Tür beim MTV Mellendorf unter dem Motto „Inklusion bedeutet Vielfalt im Sport“ einen ers-ten Schritt in diese Richtung.
Der Behindertenbeirat war im vergangenen Jahr an mehreren Mehrspartenvereine in der Gemeinde Wedemark herangetreten und hatte sich nach den Möglichkeiten für inklusiven Sport erkundigt. Der Mellendorfer Turn-Verein erklärte sich sofort bereit, den Wunschtraum in die Tat umzusetzen, berichteten Renate Löhr, Monika Blinne und Heike Hüper vom Behindertenbeirat. Einer der größten Vorteile im neuen MTV-Sportpark an der Industriestraße ist die vollkommene Barrierefreiheit, die bei kaum einem anderen Verein in der Gemeinde gegeben ist. Beim Tag der offenen Tür am Sonntag, 31. Mai, von 12 bis 15 Uhr gibt es nicht nur ein Kuchenbüfett mit 18 selbst gebackenen Torten und eine von Wedemärker Geschäftsleuten großzügig mit Spenden bestückte Tombola, sondern vor allem einen Vorgeschmack auf inklusive Sport-angebote. Kommen die an und tragen sich genügend Interessenten in die bereitliegenden Listen ein, steht einer Realisierung nichts im Wege, versicherten Günther Stechmann und Rudi Ringe vom Vorstand des MTV. Erlöse aus dem Kuchen- und Losverkauf sollen finanziell dazu beitragen, entsprechendes Equipment anzuschaffen. Stechmann wird gemeinsam mit der Behindertenbeiratsvorsitzenden Renate Löhr um 12 Uhr die Veranstaltung im Tanzsaal eröffnen. Die stellvertretende erste Bürgermeisterin Rebecca Schamber wird die Gemeinde Wedemark repräsentieren. Um 12.30 Uhr folgt eine Showeinlage eines Tanzpaares mit und ohne Rollstuhl vom Tanz-Sport-Club Hannover. Um 12.45 Uhr hält Kai Schröder vom Behinderten-Sportverband Nieder-sachsen einen Vortrag zu „Inklusion durch Sport“. Ab 13 Uhr können Interessierte dann Inklusion im Verein erleben. Unter anderem stellt sich die Voltigiergruppe vom Turn-Club-Bissendorf mit einer Power-Point-Präsentation und einer „Trocken-Vorführung“ im Tanzsaal vor. Die Rasenflächen im Sportpark sind für die Hufe eines Voltigierpferdes leider nicht ausgelegt, bedauerte Günther Stechmann. Des Weiteren erwarten die Besucher des Tages der offenen Tür von MTV und Behindertenbeirat ein Rollstuhlparcours, Showdown und Polybat-Spiele, Petanque (Boule) und vieles mehr. „Einfach ausprobieren und mitmachen“ lautet die Devise an diesem Sonntag, denn Jedermann, behindert oder nicht behindert, ist zum Mitmachen ganz herzlich willkommen, betonen alle Beteiligten. Ausdrücklich betonte Renate Löhr immer wieder den Inklusionsgedanken bei dem Projekt. Reine Behindertensportangebote gebe es mittlerweile einige. Darum gehe es nicht. Entscheidend sei, dass Behinderte und Nichtbehinderte ei-
nander auch im Sport auf Augenhöhe gegenüberträten. Sie sei geschockt gewesen, als eine Frau sie in der Umkleide nach einem Sport-angebot angesprochen habe, was sie sich traue, mit ihrer schweren Hörbehinderung in die Öffentlichkeit zu gehen. „Die Grundidee zu dieser Veranstaltung am 31. Mai stammt von Jürgen Benk“, berichtete Renate Löhr. Dieser habe schon bei der Gründung des Behindertenbeirates auf die Bedeutung von inklusivem Sport in der Wedemark hingewiesen. Dafür müssten allerdings bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden, die Akzeptanz in der Bevölkerung sei eine davon. Die Gesellschaft habe nach wie vor Probleme damit, mit Behinderten und Behinderungen offen umzugehen, sind die Initiatoren der Veranstaltung am 31. Mai überzeugt, daher sei es ihr Herzensanliegen, den Gedanken an Inklusion und inklusiven Sport unter die Leute zu bringen und solange weiterzutragen, bis es regelmäßige Angebote in der Wedemark geben werde.