Inklusiven Sport nach vorne bringen

Sie werfen sich nicht nur symbolisch gegenseitig den Ball zu, um den Inklusionssport in der Wedemark in Gang zu bringen: Die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier (von rechts), Klaus Makowka vom Behindertenbeirat und Renate Löhr vom Arbeitskreis Inklusion. Foto: A. Wiese

Gemeinde, Behindertenbeirat und AK Inklusion laden Vereine und Interessierte ein

Wedemark (awi). In der Wedemark leben mehr als 4.200 Menschen mit Behinderung. „Wir alle sind aufgefordert, diese Menschen in unsere Gemeinschaft zu inkludieren und ihnen volle Teilhabe zu ermöglichen. Sport ist dazu eine hervorragende Möglichkeit“, formuliert es Bürgermeister Helge Zychlinski in seiner Einladung an alle Sport- und Schützenvereine sowie Behinderteneinrichtungen der Gemeinde, sich am nächsten Donnerstag, 4. Mai, um 18 Uhr in der Gaststätte Herzblut beim MTV Mellendorf an der Industriestraße an einen Tisch zu setzen. Dort sollen Chancen und Grenzen des inklusiven Sports ausgelotet, Fördermöglichkeiten und Netzwerkbildung geprüft werden. Einladende sind die Gemeinde, der Arbeitskreis Inklusion und der Behindertenbeirat. Sie möchten mit den Teilnehmern zusammen Aktivitäten entwickeln, um dem genannten Ziel ein Stück näher zu kommen. Als Experten haben sie Anke Günster, Referentin für Inklusion beim LandesSportBund Niedersachsen, und Jaak Beil, Projektleiter Inklusion beim Behinderten-Sportverband Niedersachsen, eingeladen. Insbesondere sollen bei der Veranstaltung Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie Verein inklusiv werden können, welche inklusiven Sportarten gut umsetzbar sind und welche Fördermöglichkeiten es dafür gibt. Die Richtlinie zur Förderung der Inklusion im und durch Sport ist Bestandteil des Maßnahmeplanes im Rahmen des von LandesSportbund Niedersachsen und Behinderten-Sportverband Niedersachsen verabschiedeten Aktionsplanes „Inklusion im niedersächsischen Sport“. Gefördert werden unter anderem Leis-tungen für Assistentsbedarfe und Veranstaltungen, die der Sensibilisierung und Information, dem fachlichen Diskurs, der Förderung der Kompetenz im Umgang mit heterogenen (Sport-)Gruppen oder der Vernetzung dienen sowie die gemeinsame Sportausübung von Menschen mit und ohne Behinderung ermöglichen und unterstützen. Jetzt sind die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier, Renate Löhr vom Arbeitskreis und Klaus Makowka vom Behindertenbeirat, der sich mit dem geplanten Angebot deutlich vom Behinderten-Leistungssport distanzieren möchte, gespannt auf die Resonanz am nächsten Donnerstagabend. „Es wird ja schon viel getan, aber mit Sport erreicht man wirklich ganz viele Menschen“, so Susanne Schönemeier und ihre Mitstreiter. In der Wedemark fehle es zum einen an spezifischen Angeboten für inklusiven Sport, zum anderen habe man den Eindruck, dass Betroffene immer noch Hemmungen hätten, sich zu outen und entsprechende Angebote nachzufragen. „Wir müssen ihnen daher vor allem vermitteln, dass sie in den Vereinen herzlich willkommen sind“, betont Renate Löhr. Die Vereine hingegen bräuchten Anregungen, was nachgefragt sei und wo sich die Übungsleiter entsprechend fortbilden könnten. „Es geht ja nicht immer nur um Barrierefreiheit“, weiß auch Renate Löhr. Das sei zwar ein wichtiges Thema, aber es müssten ebenso Angebote für chronisch Kranke und Menschen mit geistigen, seelischen und psychischen Beeinträchtigungen vorgehalten werden. Mit einer größeren Veranstaltung beim MTV habe es vor zwei Jahren bereits einen guten Ansatz gegeben, der jedoch wieder eingeschlafen sei. Entscheidend sei jetzt, „einfach anzufangen“, sind sich Schönemeier, Löhr und Makowka einig. „Für uns bedeutet Inklusion nicht ,für‘, sondern ,mit‘ Behinderten“, sagt Klaus Makowka. Er möchte den inklusiven Sport zum Erhalt cognitiver Möglichkeiten und zur Förderung der Kommunikation nach vorne bringen. Unerlässlich dafür sei gegenseitige Rücksichtnahme. Das gelte auch für den Schulsport.