„Innehalten in unserem Konsumrausch“

Bürgermeister Tjark BartelsFoto: © Maren Kolf

Grußwort zu Weihnachten von Bürgermeister Tjark Bartels

Grußwort zu Weihnachten von Bürgermeister Tjark Bartels
Liebe Wedemärkerinnen und Wedemärker,
die Advents- und Vorweihnachtszeit ist in jedem Jahr gut, die wichtigen Dinge im Leben zu pflegen oder wiederzuentdecken. Familie, Freunde und gemütliches Beisammensein prägen diese von Kerzenschein beleuchtete Zeit. Zunehmend jedoch wird sie auch geprägt durch Hetze, Stress und Zeitnot, da die vielen Ge- schenke gekauft werden müssen, mit denen wir unsere Lieben an Heiligabend beglücken wollen. Immer mehr wird dieses Fest der Besinnung zu einem Fest des Konsums. Eines Konsums, der keine Grenzen kennt und teilweise seltsame Ausformungen annimmt.
Es ist klar, dass unsere Kinder, geprägt durch die Werbung oder das Vorleben von Gleichaltrigen und Erwachsenen viele Wünsche materieller Natur haben. Und wir alle wollen ihnen natürlich ein schönes und glückliches Weihnachtsfest bereiten. Aber, und diese Fragen stellen sich sicher auch viele von Ihnen, ist dieses immer mehr wirklich sinnvoll? Werden wir damit dem Charakter dieses Festes gerecht? Und vor allem: Was denken und fühlen die Menschen, die aus wirtschaftlicher Not von diesem Konsum abgehängt sind? Denn es gibt immer noch in unserer von Überfluss und Überkonsum geprägten Gesellschaft viele Menschen, für die ein Weihnachtsfest, und sei es nur mit dem Nötigsten, nicht zur Selbstverständlichkeit gehört.
20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in unserem Land in jedem Jahr weg- geworfen. Auch leben 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Einkommensarmut. Kinder, die ein solches Schicksal haben sind laut vieler Studien stark gefährdet einen schlechten Bildungsabschluss zu erreichen, sind in ihrer körperlichen und gesundheitlichen Entwicklung häufig eingeschränkt und sind von der sozialen und kulturellen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen. Und viele Mitbürgerinnen und Mitbürger in höherem Alter sind auf Grundsicherungsleistungen angewiesen, da ihre Rente, aus den unterschiedlichsten Gründen nicht für ein Leben in Würde ausreicht.
Können und wollen wir uns diese Entwicklungen und Zustände leisten? In einem Land, was trotz der allgemeinen schwierigen Gesamtwirtschaftslage immer noch ein solides Wirtschaftswachstum aufweist, und das seit Jahren? Nach meiner Meinung gilt es hier anzupacken, und wir alle können etwas tun.
So wäre es ein Leichtes statt eines weiteren Geschenkes eine Spende zu tätigen. Vielleicht sogar eine monatliche Spende einzurichten, damit über das Jahr verteilt die vielen Institutionen, die helfen die Not zu lindern, nicht nur das Weihnachtstrohfeuer der Spenden haben. Oder sich ehrenamtlich engagieren. Die Tafeln z.B., eine Einrichtung, die ich sehr schätze, brauchen Hilfe, um die ge- spendeten Lebensmittel an die Bedürftigen, die es auch in der Wedemark gibt, zu verteilen. Oder werden Sie Lesepate. Helfen Sie Kindern, die es schwer in der Schule haben, damit sie nicht den Anschluss verlieren und schon in jüngsten Jahren weniger Chancen haben. Oder gehen Sie für einen kleinen Adventskaffee zu der Rentnerin oder dem Rentner in Ihrer Nachbarschaft, der sich vielleicht einsam fühlt und leisten Sie ihm oder ihr Gesellschaft.
Wir alle sollten einmal innehalten, in unserem Konsumrausch zum Fest der Liebe und es wirklich zu einem solchen machen. Zu einem Fest der Liebe, bei dem sich alle Einwohnerinnen und Einwohner der Wedemark geschätzt und nicht alleine fühlen.
In diesem Sinne wünsche ich allen Wedemärkerinnen und Wedemärkern ein schönes Weihnachtsfest im Kreis von geliebten Menschen.
Ihr Tjark Bartels, Bürgermeister