Integration der Flüchtlinge ist Vielfalt

Michael Hans Höntsch (von links), Caren Marks und Dominik Ritter freuen sich mit dem Organisationsteam der Jusos Wedemark über die gelungene Diskussionsveranstaltung. Foto: B. Stache
 
Dominik Ritter (von links), Caren Marks und Michael Hans Höntsch sind der Einladung der Jusos Wedemark zur Podiumsdiskussion gefolgt. Foto: B. Stache

Team der Jusos Wedemark gestaltet zum ersten Mal „Deine Diskussion“

Mellendorf (st). „Deine Diskussion“ ist eine im November gegründete Initiative der Jusos Wedemark. Sie verfolgt das Ziel, regelmäßig Podiumsdiskussionen anzubieten. „Das jeweilige Thema wird von Jugendlichen über Facebook eingebracht. Wir Jusos organisieren dann das Projekt“, erklärte Ole Bartels, stellvertretender Vorsitzender der Jusos Wedemark. Am Donnerstagabend hatten die Organisatoren, darunter die beiden Juso-Vorsitzenden Christine Engel und Martina Hammer sowie Ole Bartels jüngerer Bruder Per, zur ersten „Deine Diskussion“ in das Forum Campus W nach Mellendorf eingeladen. „Euphorie im Sommer, Misstrauen im Winter: Wie hat Deutschland mit der Flüchtlingskrise umzugehen?", lautete das Thema. Auf dem Podium hatten die Bundestagsabgeordnete Caren Marks, der Niedersächsische Landtagsabgeordnete Michael Hans Höntsch, als Mitglied im Innenausschuss unter anderem zuständig für den Kampf gegen Rechts, sowie Dominik Ritter, Sozial- und Organisationspädagoge beim ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) Platz genommen. „Ich bin täglich mit der Flüchtlingsthematik befasst“, sagte Caren Marks im Rahmen ihrer Vorstellung. Sie ist als Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auch für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zuständig. Der SPD-Landespolitiker Michael Hans Höntsch erklärte: „Wir wollen alle dazu beitragen, dass die Willkommenskultur mit Leben gefüllt wird. Ich bin davon überzeugt, dass wir das schaffen können.“ Dominik Ritter verwies auf seine Arbeit mit Flüchtlingen in der Jugendhalle Mellendorf. Er lege großen Wert auf die Betreuung der Flüchtlingskinder. Seine Arbeit beruhe auf einer Vertrauensbasis, machte er deutlich. „Es gibt nichts Besseres als Sport, um Integration voranzubringen.“ So habe er Flüchtlingskinder in Fußballvereine vermittelt und die Teilnahme an Zumba-Kursen ermöglicht. Für den Diskussionsabend hatten die Organisatoren einen vierteiligen Fragenkatalog erarbeitet, zu dem die Podiumsteilnehmer Stellung nahmen. Caren Marks lobte die kommunalen Politiker, die sich für die Flüchtlinge engagieren und für dessen Unterbringung sorgen. „Die größte Herausforderung ist die Integration von Flüchtlingen“, machte sie deutlich. Bei der Finanzierung seien Bund und Länder in der Pflicht, machte die Parlamentarische Staatssekretärin deutlich. Michael Hans Höntsch fand am Abend auch warnende Worte, als er von Aktionen radikaler Kräften gegen die Flüchtlingspolitik berichtete, denen energisch entgegenzutreten sei. Er sprach sich gegen einen Rechtsruck in der Gesellschaft aus und plädierte dafür, das Thema Flüchtlinge aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Für Unmut hatte der Zwischenruf eines Teilnehmers gesorgt, der mit dem Ablauf der Veranstaltung nicht einverstanden schien und den Podiumsteilnehmern Wahlkampf vorwarf. Ole Bartels und Caren Marks gelang es, die Wogen zu glätten. Somit konnte der Abend, wie von dem Organisationsteam geplant, fortgesetzt werden. Thematisiert wurde auch der spürbare Stimmungsumschwung in der Bevölkerung seit den Vorkommnissen in Köln. „Die Sorgen und Ängste haben zugenommen“, so Caren Marks. Nach Einschätzung von Michael Hans Höntsch könne es ohne Perspektive, dass der Flüchtlingsstrom aufhört, schwierig werden. Die vierte von den Jusos vorgegebene Frage lautete, wie die Zukunft gestaltet werden solle. „Wir brauchen eine internationale Lösung. Das erwarte ich für die Zukunft“, so der Landespolitiker Höntsch. Fremdenfeindlichkeit sei in der Mitte der Gesellschaft zu Hause. „Da müssen wir alle aufpassen, um den sozialen Zusammenhalt zu bewahren.“ Für Dominik Ritter ist der Bau von Wohnungen für Flüchtlinge wichtig, damit sie hier selbständig leben und sich integrieren können. Caren Marks sprach sich dafür aus, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Ihr Appell lautete: „Integration anpacken. Jeder hat Verantwortung, dass Demokratie und Gesellschaft gelingen“. Nach der Podiumsrunde hatten die Zuhörer Gelegenheit, Fragen zu stellen. Zum Thema, ob Flüchtlinge eine Bereicherung für die Gesellschaft darstellen, berichtete eine Studienrätin über ihre guten Erfahrungen aus der Schule. „Eine Bereicherung erleben Sie dann, wenn Sie in Kontakt mit den Menschen aus anderen Ländern treten.“ Michael Hans Höntsch fügte an: „Es werde auch eine volkswirtschaftliche Bereicherung geben.“ Viel Applaus erhielt der Beitrag von Mia Younes auf die Aussage eines Teilnehmers, der die Bereicherung durch Flüchtlinge in Frage zu stellen schien. „Das finde ich frech“, erklärte die 22-jährige examinierte Krankenschwester, die aus Syrien stammt und schloss mit den Worten: „Integration ist Vielfalt!“