„Job Shadowing“ mit Gemeinde Gislaved

Kai Dase (von links) vom Pflegedienst Caspar & Dase mit den Physiotherapeutinnen Anna Hoff und Christina Dybeck mit Bürgermeister Helge Zychlinski. Foto: A. Wiese

Schwedinnen hospitieren bei Wedemärker Pflegedienst Caspar & Dase

Wedemark (awi). Der Wedemärker Pflegedienst Caspar & Dase hat eine Woche lang zwei Schwedinnen aus der mit der Gemeinde Wedemark befreundeten Stadt Gislaved für eine Hospitation zu Gast gehabt. Eine mögliche Partnerschaft füllt sich mit Leben“, freute sich Bürgermeister Helge Zychlinski und bedankte sich bei Kai Dase für die Möglichkeit zum beruflichen Austausch. Bisher habe es nur innerhalb der Verwaltungen freundschaftliche Beziehungen gegeben. Doch er begrüße die Vernetzung in vielen Bereichen, so Zychlinski.
Auch einen Schulaustausch könne er sich zum Beispiel sehr gut vorstellen. Die Initiative, sich im Bereich Pflege auszutauschen, sei von Gislaved ausgegangen. Mit dem Pflegedienst Caspar & Dase habe die Wedemark ein Aushängeschild in der ambulanten Pflege, die bereit sei, sich einzubringen. In den kommenden Wochen würden weitere schwedische Hospitantinnen bei Caspar & Dase hereinschnuppern. Dem Besuch der beiden Hospitantinnen seien umfangreiche Briefwechsel vorausgegangen, erklärte Kai Dase. Am ersten Tag habe man dann zunächst mit Theorie begonnen und den organisatorischen Bereich beleuchtet. In den Tagen darauf begleiteten die beiden Schwedinnen die Pflegekräfte von Caspar-Dase den ganzen Tag und bekamen so einen guten Einblick in die verschiedenen Tätigkeitsbereiche von der Krankenpflege bis zur hauswirtshaflichen Unterstützung. In Schweden, so erklärten die Gäste, gebe es die dreijährige Ausbildung im Pflegebereich mit den Schwerpunkten Rehabilitation und Betreuung. „Ein interessantes System, aus dem sich viele neue Gedanken ergeben“, meinte Kai Dase. Er setzte die Hospitantinnen an beiden Standorten des Pflegedienstes, in der Wedemark und Hannover ein, um den Unterschied zwischen den urbanen und ländlichen Strukturen zu verdeutlichen. Finanziert wird der Austausch zumindest zum Teil durch das EU-Programm Erasmus Plus. Untergebracht sind die schwedischen Gäste in einer Pension in Elze. Sie seien sehr gespannt zu sehen, wie ihre Berufskolleginnen in Deutschland arbeiteteten, versicherten die beiden Damen aus Gislaved. Die Berufspraxis sei hier eine andere sei als bei ihnen zu Hause in Schweden, wo es den gängigen Begriff der Altenpflege so gar nicht gibt. In ihrer Heimat komme im Pflegeberuf die Physiotherapie ein ganz anderer Stellenwert zu. Das sei mit Deutschland nicht vergleichbar. In Schweden brächten sich die Pflegekräfte zudem wesentlich stärker in den Bereich der Umbaumaßnahmen für Barrierefreiheit ein. Die Qualität der Ausbildung sei vergleichbar, so Kai Dase, aber die Schwerpunkte seien völlig anders gesetzt. Auch für seine Mitarbeiter sei dies so interessant, dass er sich gut vorstellen könnte, einige im Gegenzug nach Schweden zur Hospitation zu entsenden. Bürgermeister Helge Zychlinski nahm interessiert zur Kenntnis, dass in Schweden der Fachkräftemangel im Pflegebereich längst nicht so gravierend sei wie in Deutschland, wo zunehmend Pflegekräfte aus anderen Ländern eingesetzt würden, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Ebenfalls interessant: In Schweden ist die Grundvoraussetzung für eine Ausbildung im Pflegebereich das Abitur. Kai Dase wies daraufhin, dass in Schweden zielgerichtet für einen Schwerpunktbereich der Pflege ausgebildet werde, während in Deutschland der Weg dahin gehe, die Ausbildung von Krankenschwestern und Altenpflegekräften zu vereinheitlichen, was er persönlich für den falschen Weg halte. Bürgermeister Zychlinski kündigte an, dass sich demnächst eine größere Delegation aus Rats-, Verwaltungs- und Vereinsvertretern auf den Weg nach Gislaved machen würde: „Eine Partnerschaft lässt sich nicht verordnen, sie muss wachsen und von denen ausgehen, die sie tragen sollen.“