"Kann auf Durchstich verzichten"

Ungeplantes Zusammentreffen am Rande der Zufahrt zum Kieswerk: Unternehmer Günter Papenburg und Bürgermeister Tjark Bartels. Foto: A. Wiese

Unternehmer Günter Papenburg versteht die Aufregung nicht

Negenborn (awi). "Ich verstehe die Aufregung nicht", sagte Unternehmer Günther Papenburg am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz in seinem Kieswerk in Negenborn. Er habe ohnehin eine Abbaugenehmigung bis zum Jahr 2045 und mache eine vorbildliche Rekultivierung seiner ausgebeuteten Gruben. Zurzeit liege eine Abbaugenehmigung für 75 Hektar vor. Er benötige langfristig weitere 10 Hektar, um die Rohstoffversorgung für die Bauwirtschaft und Baustoffbetriebe sowie Arbeitsplätze sicher zu stellen, erklärte Papenburg der Presse, der er vorwarf, in den vergangenen Tagen nicht korrekt berichtet zu haben. Er beschäftige allein Niedersachsen 1000 Mitarbeiter, 70 Prozent der baustoffverarbeitenden Betriebe würden von Negenborn aus beliefert. Von den genehmigten 75 Hektar seien 90 Prozent bereits in Bearbeitung. Da das Landesraumordnungsprogramm jetzt neu aufgelegt werde, habe er beantragt, darin zwischen 30 und 40 Hektar weitere Abbaufläche festzuschreiben, dabei handele es sich bei 17 Hektar davon allerdings nur um einen Nachtrag, da diese im Zuge eines mit der Region ausgehandelten Kompromisses bereits vor einigen Jahren genehmigt worden seien. Was die Gesamtfläche des Brelinger Berges betreffe, gehe es bei der jetzt darüber hinaus beantragten Abbaufläche um einen Prozent, sagte Papenburg. Dabei sei der geplante Durchstich zur Müllerschen Grube, der die Öffentlichkeit jetzt so auf die Palme bringen "nur eine Idee gewesen, auf die ich verzichten kann". "Ich wollte eine schöne große zusammenhängende Wasserfläche schaffen. Wenn das nicht gewollt ist, habe ich kein Problem damit", versicherte der Unternehmer und stellte einen Kompromiss in Aussicht, bei dem er auf den Durchstich verzichte, aber dennoch weitere Flächen über die bereits genehmigten und nur noch nachträglich zu verzeichnenden Flächen hinaus ins LROP aufgenommen werden könnten. Die Umweltbeauftragte Ursula Schwertmann erklärte gegenüber dem ECHO auf Nachfrage allerdings, eine solche Lösung könne es nicht geben. Ein weiterer Abbau in der geplanten Richtung gen Abbensen beinhalte automatisch einen Durchstich. Sand und insbesondere der hochwertige Kies könnten nur dort abgebaut werden, wo sie vorkämen. Kies in der Qualität wie in Brelingen sei sonst in Niedersachsen nicht mehr vorhanden. "Sollen wir Kies aus Dresden auf der Straße hierhertransportieren, wenn wir ihn vor der Tür haben?", meinte Papenburg. Das Amt für Bodenforschung habe ausdrücklich auf die hochwertigen Kiesvorkommen am Brelinger Berg hingewiesen.
Bürgermeister Tjark Bartels habe sich allerdings gegen jegliche Erweiterung ausgesprochen, räumte Papenburg ein und bekam dies kurz nach dem Pressegespräch im Urton vom Bürgermeister selbst bestätigt. Der hatte die kurzfristig anberaumte Bürgerdemonstration von Negenbornern unter Führung von Ortsbürgermeister Peter Reuter besucht und traf draußen ungeplant auf Papenburg. "Sie hätten ja mal das Gespräch mit mir suchen können", hielt dieser dem Verwaltungschef entgegen, was dieser umgehend zurückgab. Auch Papenburg habe das Gespräch mit der Gemeinde nicht mehr gesucht, sondern sich direkt an das Ministerium gewandt, mit dem Erfolg, dass die von ihm beantragten Flächen auf nicht korrekte Weise unvermutet wieder im Entwurf des Landesraumordnungsprogrammes aufgetaucht seien, kurz bevor dieses dem Landtag vorgelegt werden sollte, und zwar ohne, dass auf die erneute Hereinnahme der Flächen hingewiesen wurde, die zuvor nach Gesprächen zwischen Land und Region herausgenommen worden waren. "Dieses Vorgehen war nicht korrekt und so geht man mit uns nicht um", hielt Bartels Papenburg vor. Die Gemeinde Wedemark werde jetzt nur noch Dienst nach Vorschrift machen, was den Abbau am Brelinger Berg betreffe und Papenburg werde einklagen müssen, was er genehmigt haben wolle.
Papenburg wies hingegen jede Unredlichkeit im Verfahren entschieden von sich. Er habe sich schriftlich an das Landwirtschaftsministerium gewandt und seine Argumente für die Erweiterung der Abbauflächen dargelegt. Mit dem Wirtschaftsministerium oder dem Wirtschaftsminister Jörg Bode selbst habe er zu keinem Zeitpunkt Kontakt gehabt, von der Wiederhereinnahme der Flächen in den Entwurf der LROP habe er selbst diese Woche aus der Zeitung erfahren, so Papenburg. Ausdrücklich wandte er sich gegen die Formulierung, er wolle den Brelinger Berg zerstören. Wenn der Bürgermeister so etwas behaupte, führe er die Bevölkerung in die Irre, sagte Papenburg in der Pressekonferenz. Er wisse, dass die Wedemärker Bevölkerung durch den LKW-Verkehr seiner Kieslaster schwer belastet sei. Schon aus diesem Grund wolle er durch eine vorbildliche Renaturierung der ausgebeuteten Flächen etwas zurückgeben. Das habe in anderen Gemeinden auch funktioniert, erinnerte Papenburg zum Beispiel an den Wietzesee in Isernhagen, der zum beliebten Erholungsgebiet geworden sei. Um sich für die Verkehrsbelastung und die nicht zu vermeidenden Straßenschäden zu revanchieren, habe er 2011 auch eine großzügig kalkulierte Gewerbesteuersumme in Höhe von 750.000 Euro an die Gemeinde Wedemark gezahlt. "Das war Herrn Bartels jedoch zu wenig und er hat sich an das Finanzamt gewandt, um dies zu überprüfen - mit dem Ergebnis, dass die Gemeinde 250.000 Euro zurücküberweisen musste. Und sie wird weitere 200.000 Euro zurückzahlen müssen", so Papenburg gegenüber der Presse und anschließend auch im Gespräch mit dem Bürgermeister. Der machte unmissverständlich klar, "dass ich nur so viel Gewerbesteuer haben will, wie der Wedemark zusteht, und keinen Cent mehr". Papenburg habe Lohnsummen verschoben und damit andere Gemeinden um Einnahmen gebracht, die ihnen zustünden. "Wir lassen uns nicht kaufen", sagte Tjark Bartels. Unternehmer Papenburg erlärte, das sei nie seine Absicht gewesen, er habe die Gemeinde lediglich für die zu erleidenden Belastungen entschädigen wollen. Er kündigte an, das Kieswerk in Brelingen und das gesamte Abbaugelände schon bald für einen Tag der offenen Tür zu öffnen, um der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, Abbau und Rekultivierung danach in Augenschein nehmen zu können. Wenn auf neuen Flächen mit dem Abbau begonnen werde, werde zugleich in den fertigen Gebieten rekultiviert. "Das geht bei uns immer Zug um Zug und wir schaffen damit Paradiese für Flora und Fauna. Das möchte ich den Bürgern gerne vorführen", so Papenburg.