Katholische Kirche ist überwältigt

300 Pakete sind bereits im Bus verstaut, doch immer noch stapeln sich am Montagnachmittag Päckchen in der Kirche und der Bibliothek. Thomas Schenk und die Jungpfadfinder beschließen daher, noch den Anhänger anzukoppeln, mit Päckchen zu beladen und mit einer Plane abzudecken. Foto: A. Wiese

430 Päckchen für Obdachlose und hohe Bargeldspenden

Wedemark (awi). Eine überwältigende Resonanz hat der Appell des Gemeindereferenten der katholischen Kirche, Thomas Schenk, im ECHO am Sonnabend ausgelöst, spontan noch Päckchen für Obdachlose zu packen, die am Heiligen Abend in den Mecki-Laden am Raschplatz kommen.
Weil die katholische Kirchengemeinde Wedemark in Kooperation mit der Realschule in diesem Jahr die einzigen sind, die die Obdachlosen in Hannover bedacht haben, hatte Schenk anlässlich des Abholens der 75 Päckchen in der Realschule berichtet, dass in diesem Jahr wohl um die Geschenke mit Hygieneartikeln und anderen nützlichen Dingen für die nach seinen Informationen 130 Wohnungslosen gelost werden solle. Was Schenk zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Mittlerweile erwarten die Sozialarbeiter im Mecki-Laden am Heiligen Abend rund 350 Obdachlose. Doch auch das ist kein Problem: Jeder wird ein liebevoll weihnachtliches Geschenk erhalten, denn innerhalb von zwei Tagen kamen vom Erscheinen des Artikels im ECHO bis Montagmittag sage und schreibe noch mehr als 300 weitere Päckchen mit all den Dingen, die Wohnungslose gut gebrauchen können, dazu. Allein die Jugendfeuerwehr Hellendorf packte spontan am Wochenende mit Unterstützung der Eltern 28 Päckchen und brachte sie am Montag zum kath0lischen Gemeindehaus am Karpatenweg. Und sie waren nicht die einzigen: Sprachlos standen Pfarrer Hartmut Lütge und Referent Thomas Schenk am frühen Nachmittag vor den Bergen von Geschenken, die sich im Eingang zum Büro, in der Bibliothek und der Kirche türmten. Schnell zeigte sich, dass der Gemeindekleinbus nicht ausreichen würde, so gut Schenk und die Jungpfadfinder auch packten. Der Pfarrer wusste Rat und koppelte kurzerhand noch einen Anhänger an. Weil auch noch die Rückbank ausgebaut werden muss-te, um die Geschenke zu verstauen, fuhr der Pfarrer mit den Pfadfindern im zweiten Auto hinterher nach Hannover.
Meine Betreuer und ich aus der Jugendfeuerwehr Hellendorf haben aus dem ECHO am Sonnabend erfahren, dass die Obdachlosen dieses Jahr um ihre Geschenke losen müssen. Daraufhin haben wir beschlossen, das darf zu Weihnachten auf keinen Fall sein, dass jemand um sein Geschenk losen muss, schon gar nicht Obdachlose, die es sowieso schon so schwer haben“, berichtet Benjamin Klautke, Jugendwart der Jugendfeuerwehr Hellendorf. In einer Eilaktion hat die Jugendfeuerwehr Hellendorf daraufhin alle Eltern und Jugendlichen gebeten, noch Geschenke zu packen und der katholischen Kirche mitzugeben. „Wir sind auf 28 Geschenke gekommen diese wurden teilweise schon fertig gepackt bei uns abgegeben. Die anderen Geschenke haben wir am Sonntagabend mit den Jugendlichen eingepackt und am Montag der katholischen Kirche übergeben, die da schon verlauten ließ, dass wohl nun keiner mehr um sein Geschenk losen müsse. Dafür möchten wir uns nochmal ganz herzlich bei den Eltern und Jugendlichen der Jugendfeuerwehr Hellendorf bedanken, die so spontan mitgeholfen haben und auch beim Edeka-Markt Poppe in Brelingen, wo wir am Sonntag für diese Aktion einkaufen durften. Wir freuen uns das es solche Leute gibt, wie auch die Realschule und die katholische Kirche, die den Obdachlosen eine kleine Freude zu Weihnachten bereiten und dass wir ihnen ein klein wenig helfen konnten“, so Benjamin Klautke abschließend, dem die spontane Aktion genauso viel Spaß gemacht hat wie den Mitgliedern der Jugendwehr. Genau diese Spontanität ist es, die auch Pfarrer Hartmut Lütge und Referent Thomas Schenk bei dieser Aktion so berührt. Eigentlich war ja am Wochenende gar keine Zeit mehr, die notwendigen Dinge einzukaufen, und doch haben über 300 Wedemärker es irgendwie möglich gemacht, haben nach Läden gesucht, die Sonnabend noch lange auf haben, haben ihre eigenen Vorräte gesichtet und sind am Montagmorgen ganz früh losgezogen, um die Dinge zu besorgen, die auf der Liste des Mecki-Ladens als Wünsche aufgeführt waren, um dann noch schnell ein Paket zu packen und rechtzeitig bis Montagmorgen bei der Kirchengemeinde abzugeben. „Ab zwanzig Minuten vor sieben klingelte mein Telefon am Montagmorgen“, erzählt Pfarrer Lütge. Die Leute wollten wissen, bis wann sie ihr Päckchen bringen können. Manche wichen auch auf Tüten aus, weil sie keinen Karton zur Hand hatten. Die meisten kamen einfach vorbei und stellten ihre Pakete vor die Tür der Kirche und des Büros, des Gemeindehauses ab. „Viele wollten gar nicht gesehen oder gar angesprochen werden“, hat Pfarrer Lütge beobachte. Und nicht nur Geschenkpakete erreichten die Gemeinde, sondern auch Bargeldspenden. „Einige fragten, ob sie auch damit helfen könnten, weil sie so schnell kein Päckchen mehr packen könnten. Viele Menschen haben kleine und größere Beträge gegeben, eine Dame drückte Thomas Schenk ohne große Worte 1.000 Euro in die Hand, so dass Lütge und Schenk, als sie ihren Briefumschlag vor der Abfahrt noch einmal durchzählten auf 1.520 Euro kamen. Als Thomas Schenk abends vom Mecki-Laden zurückkam, berichtete er von einer unglaublichen Freude der Sozialarbeiter, die es nicht fassen konnten, was da aus der Wedemark für ein Segen in den Mecki-Laden kam. „Für das Geld werden vor allem Medikamente gekauft“, berichtete Thomas Schenk. Und er war selbst sehr überrascht, als er vor Ort erfuhr, dass nicht 130, sondern 350 Obdachlose am Heiligen Abend zum Raschplatz in die Anlaufstelle kommen werden. Und für alle ist ein liebevoll verpacktes Weihnachtspaket da, darüber hinaus übrigens auch noch diverse Kleiderspenden.