Kein Anlass für „Freiwillig Tempo 40“

Bissendorfs Ortsbürgermeisterin Susanne Brakelmann bedankte sich bei Dr. Stephan Hoffmann von der TU Braunschweig für seinen informativen Vortrag mit einem Präsent. Foto: A. Wiese

Studie ergibt korrektes Verhalten der Autofahrer – jetzt sind Bürger am Zug

Bissendorf (awi). Tempo 40 auf freiwilliger Basis würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zu einer weiteren Verrringerung der Durchschnittsgeschwindigkeit in der Ortsdurchfahrt von Bissendorf führen. Weder im kurvigen Streckenverlauf noch am Ortseingang aus Richtung Bissendorf-Wietze zeigten Gewschwindigkeitsmessungen besondere Auffälligkeiten und
die ermittelten Durchschnittsgeschwindigkeiten liegen in einem angemessenen verträglichen Bereich. Das ist das Fazit der Studie „Freiwillig Tempo 40“, die am Montag im Ortsrat Bissendorf vorgestellt wurde.
In den letzten Jahren hatten sich einige Bürger beim Ortsrat darüber beschwert, dass aus ihrer Sicht sich viele Verkehrsteilnehmer im Verlauf der Burgwedeler Straße nicht an Tempo 50 halten würden. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Institut für Verkehr und Stadtbauwesen der Technischen Universität Braunschweig, wurden von der Studentin Martina Meissner an mehreren Messpunkten über einen Zeitraum von einer Woche Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Die Auswertung dieser Messungen präsentierte Dr. Stephan Hoffmann von der Uni Braunschweig am Montagabend den Politikern. „Damit hat der Ortsrat alle seine Möglichkeiten erschöpft auf eine Reduzierung der Gesschwindigkeit auf der L 383 im Verlauf der Ortsdurchfahrt Einfluss nehmen zu können“, resümierte Ortsbürgermeisterin Susanne Brakelmann. Alle Ortsratsmitglieder räumten freimütig ein, dass sie mit einem anderen Ergebnis gerechnet hätten. Der Zustand der Fahrbahn und die kurvenreiche Strecke ließen aber offensichtlich nur den Eindruck entstehen, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht eingehalten werde. Die Probleme beim Queren der Straße entstünden offenbar nicht, weil die Autos zu schnell seien, sondern weil man sie so spät sehe. Und für entsprechende Hilfen seien es zu wenig querende Fußgänger. Die geplante Verkehrszählung am Ortseingang von Bissendorf aus Richtung Bissendorf-Wietze ist abgesagt, berichtete Christa Bogenschütz (SPD). Wenn Anwohner der Meinung sind, dass in ihren Wohnvierteln zu schnell gefahren wird, müssten sie selbst etwas unternehmen, zum Beispiel selbst gemalte Plakate aufstellen. „Und dann unterstützt der Ortsrat das auch im Rahmen seiner Möglichkeiten“, betonte Ortsbürgermeisterin Brakelmann. Doch seien jetzt ganz klar die Bürger am Zug. „Wir warten auf ihre Vorschläge“, so Brakelmann und erinnert daran, dass die Anlieger selbst die Nutzer der Straßen in ihrem Wohnviertel sind. „Dieses Thema ist jetzt im Ortsrat jedenfalls erst mal durch“, waren sich CDU, SPD und Grüne einig. Martina Meissner hatte vor einem knappen Jahr eine gute Woche lang an sechs Standorten im Verlauf der Ortsdurchfahrt vom Hellenfeld bis zur Einmündung Kuhstraße mit unauffälligen Geräten die Geschwindigkeiten gemessen. In der Zusammenfassung ergab sich, dass der V85-Wert (85 Prozent der Verkehrsteilnehmer fuhren nicht schneller als dieser Wert) an allen Messpunkten zwischen 40 und 50 Stundenkilometern lag. Es gab an einem Messpunkt einen Maximalwert von 106 Stundenkilometern, der jedoch als absoluter Ausreißer gewertet werden könne, so Dr. Stephan Hoffmann bei seinem Vortrag am Montag.
Der Ortsrat befasste sich über die Studie zu „Freiwillig 40“ hinaus nach Anregungen von Anwohnern mit der Rattenproblematik im Bereich des Bissendorfer Bahnhofs auf der Seite der Straße Im Tannengrund. Einmütig wurde ein Antrag an die Verwaltung auf den Weg gebracht, dass diese sich in Abstimmung mit der Bahn dafür einsetzen möge, etwas gegen die Rattenpopulaton zu unternehmen. Da der Ortsrat die Rattenplage auch auf die Vermüllung des Grundstücks zurückführt, dessen Reinigung die Kapazitäten des Verschönerungsvereins übersteige, wurde die Verwaltung aufgefordert, auch in dieser Richtung tätig zu werden. In einem weiteren Antrag fordert der Ortsrat die Verwaltung auf, das Straßenschild des Holunderweges vorzuziehen, damit es besser zu sehen und die Vorfahrtsituation klar erkenntlich ist, die hier auf Grund des abgesenkten Bordsteins keine Rechts-vor-Links-Regel sei. Unter dem Punkt Anfragen bitten die Ortsratsmitglieder im Rahmen des Landesraumordnungsprogrammes die Verwaltung um Auskunft, wie weit Bissendorf zwischen 2004 und 2014 gewachsen sei und ob die Unterbringung der noch das Amtshaus nutzenden Vereine und Gruppen abschließend geklärt sei. Vertagt auf die nächste Sitzung hat der Ortsrat Flächennutzungsplanänderung und Bebauungsplan „Isernhägener Damm“, um noch offene Fragen klären zu können. Auf Antrag erhält der Seniorentreff von Herbert Voß in Bissendorf 300 Euro aus Ortratsmitteln, der Sozialverband Wedemark, der in seinen Reihen viele Bissendorfer hat, erhält laut Ortsratsbeschluss 100 Euro aus Ortsratsmitteln.