Keine Hoffnung für Flüchtlinge in Kurdistan?

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Rebecca Schamber (rechts) bedankte sich bei Heidi Merk mit einem Blumenstrauß – natürlich in Rot. Foto: R. Fischer
 
Syrische Flüchtlingskinder im Flüchtlingscamp. Foto: H. Merk

Ex-Ministerin Heidi Merk referierte bei der SPD Wedemark

Bissendorf. Auf Einladung der SPD-Wedemark referierte die ehemalige niedersächsische Landtagsabgeordnete und mehrfache Ministerin Heidrun (Heidi) Merk im Bürgerhaus in Bissendorf über die Lage der Flüchtlinge in Kurdistan. Hier leben ca. 5,3 Millionen Einwohner, die zur Zeit 2,1 bis 2,3 Millionen Flüchtlinge aus den unterschiedlichen Regionen des Iraks, Syriens und Kurdistan aufgenommen haben. Zu den Flüchtlingen gehören ganz unterschiedliche Ethnien, wie Sunniten, Schiiten, Christen, Jesiden, Assyrer, Turkmenen und andere. Sie alle haben in Kurdistan Hilfe und Unterkunft gesucht und gefunden. Heidi Merk, die erst vor wenigen Tagen von einem ihrer häufigen Besuche in Kurdistan zurückgekehrt ist, schilderte auch die großen Not der Kurden, die unter dem damaligen Diktator Saddam Hussein 1988 dem schwersten Giftgasangriff seit dem 1. Weltkrieg ausgesetzt waren. In der gleichen Zeit wurden durch die damalige irakische Armee und Luftwaffe ca. 4.500 kurdische Ortschaften zerstört und die überlebenden Bewohner in irakisch kontrollierten Lagern umgesiedelt. Seit 2009 besucht Heidi Merk regelmäßig Kurdistan und unterrichtet an einem internationalen Institut in der Hauptstadt Arbil kurdische Rückkehrer aus Europa und anderen Staaten für eine Tätigkeit in der örtlichen Administration. Diese positive Arbeit wurde 2014 durch die Angriffe der Terrororganisation „Islamischer Staat“ nachhaltig gestört. Seit dieser Zeit hat auch die irakische Zentralregierung in Bagdad fast jede Unterstützung für Kurdistan eingestellt. Die in unmittelbarer Nähe zu Kurdistan liegenden Millionenstädte Mossul und Kirkuk sind seit mehreren Monaten vom IS besetzt und aus ihnen sind Tausende Menschen in die Umgebung von Arbil geflohen.
Merk berichtete, dass die Flüchtlinge fast ausschließlich in Zelten und auf dem nackten Boden leben. Wegen der Höhenlage der Lager waren die Menschen in den letzten Wintermonaten besonders nachts großer Kälte ausgesetzt. Im kommenden Sommer werden die Temperaturen nicht selten die 40⁰ Grenze übersteigen. Kleinkinder, Alte und Schwache haben vielfach den Winter nicht überlebt, auch weil es kaum eine medizinische Versorgung gibt. Besonders eindringlich schilderte Frau Merk das Schicksal von tausenden traumatisierten Menschen. Frauen und Mädchen sind der sexuellen Gewalt der Terrorgruppen hilflos ausgesetzt. Leider werden sie häufig aus religiösen oder traditionellen Gründen nicht von ihren Familien aufgefangen und unterstützt. Die Selbstmordrate ist in dieser Gruppe besonders groß. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Kinder schon jetzt das zweite Jahr keine schulische Bildung mehr erhalten. Den Jugendlichen fehlt in den Lagern jede Art von sinnvoller Beschäftigung.Frau Merk schätzt die Lage in Kurdistan für die nähere Zukunft pessimistisch ein. „Auf absehbare Zeit sehe ich keinen rosa Streifen am Horizont“. Neben militärischen Strategien im Nahen Osten muss nach ihren Worten auch unbedingt der Zulauf von Unterstützern des IS aus anderen Ländern gestoppt werden. Die deutsche Hilfe in Kurdistan bezeichnete Merk als sehr hilfreich. So hat beispielsweise das THW hunderte Zelte in das Krisengebiet geflogen. Die Kräfte des THW vor Ort kümmern sich vorrangig um die Wasserversorgung und die Grundstrukturen in den Flüchtlingslagern. Weitere Unterstützungen leisten z. B. die Welthungerhilfe, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen aber auch Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO’s).
In wenigen Tagen wird Frau Merk wieder für das ETTC – European Technology and Trainings Centre – nach Kurdistan fliegen. Sie bedankte sich bei den aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörer für die Spenden und versprach, dass diese ohne jeden Abzug von Verwaltungskosten in voller Höhe die Flüchtlinge in Kurdistan erreichen werden. Rebecca Schamber dankte Heidi Merk für die Informationen, die alle Zuhörer betroffen gemacht haben, und wünschte ihr für ihre Arbeit vor Ort alles Gute.