Kinder retten Mann und Sohn aus See

Bürgermeister Helge Zychlinski bedankte sich bei den mutigen Lebensrettern Enna Charlotte (von links), Marleen und Joost Hemme für ihren Einsatz mit einer Urkunde und einer Jahreskarte fürs Spaßbad. Foto: A. Wiese

Gemeinde Wedemark zeichnet Enna Charlotte, Marleen und Joost aus

Wedemark (awi). Passiert ist es am Sonntag vor zwei Wochen nicht in der Wedemark, sondern am Tannenbruchsee in Metel (Neustadt am Rübenberge): Ein 39-jähriger Mann, der seinen sechsjährigen Sohn, der nicht schwimmen konnte, auf dem Rücken hatte, bekam auf dem Weg zu einer Sandbank im See einen Krampf und drohte unterzugehen. Drei Kinder zögerten nicht und zogen ihn mit Hilfe ihrer Schwimmnudeln auf die Sandbank. Und diese drei Kinder sind Wedemärker: Marleen Hemme (13) und ihr Bruder Joost (11) aus Abbensen und ihre Kusine Enna Charlotte Hemme (11) aus Elze.
Am Mittwoch quittierte Bürgermeister Helge Zychlinski diesen mutigen Einsatz, der dem Scharreler und seinem Sohn vermutlich das Leben rettete, im Namen der Gemeinde Wedemark mit Urkunden und jeweils einer Jahreskarte für das Spaßbad in Mellendorf. Natürlich mussten die drei Kinder, die mit ihren Müttern Maren Detmering-Hemme und Wiebke Hemme-Detmering zu der Auszeichnung ins Rathaus nach Mellendorf gekommen waren, alles noch einmal haarklein erzählen, und das haben sie gegenüber Journalisten von Printmedien, Radio und Fernsehen mittlerweile so oft getan, dass sie es schon nicht mehr zählen können. Die Kinder waren noch einmal zur Sandbank geschwommen, bevor sie am Sonntag vor zwei Wochen anschließend nach Hause fahren wollten. Ihre Eltern waren am Ufer geblieben. Plötzlich hörten sie den Mann schreien: „Wo ist die Sandbank, wo ist die Sandbank?“ Sein sechsjähriger Sohn klammerte sich an den Hals des Vaters, der immer wieder unter Wasser geriet. Die Entfernung zur Sandbank, die auch unter Wasser lag, wo man aber stehen konnte, betrug nach Schätzung der Kinder rund fünf bis sieben Meter, die der Mann jedoch ohne Hilfe nicht mehr geschafft hätte. Marleen, Jost und Enna schwammen mit ihren Schwimmnudeln zu dem Mann, der bereits Wasser in der Lunge hatte. Er klammerte sich an die Schaumstoffnudeln und so konnten sie ihn mit dem Kind auf die Sandbank ziehen, wo er zusammenbrach. Die Mütter hatten am Ufer mittlerweile einen Surfer geholt, der mit seinem Surfbrett zur Sandbank schwamm, den Mann draufhievte und an Land brachte, wo er von der Besatzung eines Krankenwagens und eines Rettungshubschraubers in Empfang genommen und ins Krankenhaus gebracht wurde, wo er die Nacht auf der Intensivstation verbrachte. Seinem Sohn war zum Glück nichts passiert. Ihn hatte seine Mutter mit Hilfe von Schwimmflügeln von der Sandbank ans Ufer gebracht. „Der Mann hat zu uns gesagt, dass er ohne unsere Hilfe ertrunken wäre“, berichteten die Kinder Bürgermeister Helge
Zychlinski. Erst im Nachhinein sei ihnen klar geworden, wie knapp die Geschichte gewesen wäre und die Vorstellung, was hätte passieren können, wenn sie nicht so schnell reagiert oder nicht vor Ort gewesen wären, hat sie doch ganz schön erschüttert. Inzwischen ist der 39-Jährige wieder wohlauf und hatte seine Retter mittlerweile zum Grillen eingeladen und sich mit Amazon-Gutscheinen bei ihnen für ihr mutigen Eingreifen bedankt. Auch Bürgermeister Helge Zychlinski betonte ausdrücklich, sie hätten alles richtig gemacht: nicht zulange gezögert, aber auch darauf geachtet, sich selbst nicht zu gefährden. Viele Menschen seien sehr beeindruckt von dem Einsatz der Kinder, die zwei Menschen das Leben gerettet hätten, betonte der Bürgermeister. Weil sie so gerne schwimmen gehen und dies ganz offensichtlich auch gut beherrschten, habe er sich die Sache mit der Jahreskarte für das Spaßbad überlegt, in das man von Abbensen und Elze ja auch gut hinkommen könne, so Zychlinski. Marleen, Joost und Enna Charlotte haben den Bezug zum Tannenbruchsee über ihre Mütter. Die beiden Schwestern Maren und Wiebke Detmering stammen aus Metel und haben zwei Brüder aus der Wedemark geheiratet, wie sie ihre „umgekehrten Doppelnamen“ erklärten. Marleen, Joost und Enna haben selbst Schwimmen gelernt, bevor sie in die Schule kamen. Da waren sie etwa so alt wie der kleine Junge, dem sie jetzt das Leben gerettet haben. „Der Vater hat uns auch gesagt, dass sein Sohn jetzt schwimmen lernen soll und dass er nicht mehr so leichtsinnig sein und ihn ohne Schwimmflügel mit ins Tiefe nehmen will“, berichtete Marleen.
Alle drei Kinder standen jetzt zwei Wochen lang im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Medien und in ihren Schulen und sind mittlerweile froh, wenn der Alltag wieder einkehrt. Einen bleibenden Eindruck wird das aufregende Erlebnis aber wohl auch bei ihnen hinterlassen, gestanden sie Bürgermeister Helge Zychlinski gegenüber ein, als dieser den Dank von Rat und Verwaltung überbrachte,.