Kinzel im Iran von Polizei festgehalten

Uwe Kinzel beim Shisha rauchen im Iran. Fotos: Privat
 
Uwe Kinzel (rechts) und sein Reisegefährte Dieter (zweiter von links) zu Gast bei einer iranischen Familie, die sie vor Ort kennengelernt hatten und die sie freundlich aufnahm.

Diese Recherche-Reise für seine Vorträge war eine der aufregendsten bisher

Bissendorf (awi). Rund 30 Reisen hat der Hannoveraner Uwe Kinzel, der vielen Wedemärkern als Bibliothekar in Bissendorf oder als langjähriger Berichterstatter und Fotograf von zahlreichen Reisen ein Begriff ist, schon unternommen. Manchmal allein, oft auch in Gesellschaft, immer mit schussbereiter Kamera. Doch seine vierwöchige Reise in den Iran war seine zweite und vorerst letzte ins ehemalige Persien. Den Vortrag dazu wird er voraussichtlich im Winter 2018/2019 halten. Im nächsten Winter ist erst einmal der Vortrag „Von Changsha bis Hongkong“ an der Reihe. Wenn dann etwas Zeit ins Land gegangen und die Erinnerung nicht mehr so frisch ist, wird Uwe Kinzel seine Erlebnisse im Iran sicherlich auch schon etwas gelassener sehen.
Mit einem Freund war er vor Kurzem im Iran, um während einer gut durchgeplanten Tour dieses faszinierende Land kennenzulernen und mit der Kamera zu durchforschen. „Wir waren etwa eine Woche da und gerade nach Shiraz im Süden geflogen und nach einer Woche weiter nach Neyriz gefahren“, berichtet Kinzel. Neyriz war der erste Ort, wo sie außerhalb nächtigten. Über ein iranisches Reisebüro in Hamburg hatten sie sich ein Auto und einen Fahrer bestellt, der auch für sie dolmetschen sollte. „Schon die Vorbereitung waren ungewohnt chaotisch. Eineinhalb Wochen vor der Abreise mussten wir unsere Pläne noch einmal komplett umstoßen“, so Kinzel im Gespräch mit dem ECHO. Als südlichsten Ort ihrer Reise hatten sie sich Bam ausgeguckt, „viel weiter sollte man nicht in die Nähe von Pakistan kommen“, sagt Uwe Kinzel mit Nachdruck. In Neyriz wurde wegen der Länge der Strecke ein Stopp eingelegt. Hier wollten die beiden Kameraden zwei Nächte bleiben und sich unter anderem zwei Salzseen ansehen. An diesem Tag hatten sie eine Wanderung auf einem der Salzseen gemacht und waren zurück in die Stadt mit ihren etwa 15.000 bis 20.000 Einwohnern gefahren, in der sie – zumindest gefühlt – die einzigen Fremden waren. Ihr Fahrer musste sich immer bei der Geheimpolizei melden und die geplante Route abliefern. Ob sie diese Route auch einhielten, wurde immer wieder von Polizeikontrollstellen an der Straße überprüft. „Hiermit sollte wohl vor allem auch dem Rauschgiftschmuggel vorgebeugt werden“, mutmaßt Uwe Kinzel. Vor der Wache der Geheimpolizei in Neyriz war ihr Fahrer ausgestiegen, ohne was zu sagen und so stiegen seine beiden Mitfahrer auch aus, um sich ein wenig umzuschauen. Dabei machte Uwe Kinhzel eine Aufnahme von einer Straßenszene, an der für ihn gar nichts besonderes war: Ein Pickup bog aus einer Seitenstraße auf die Hauptstraße ein. Doch hatte die Geheimpolizei dies beobachtet und war ganz offensichtlich der Meinung, dass die Mauer des Polizeireviers das begehrte Fotoobjekt war.
Unversehens sahen sich Kinzel und sein Bekannter umringt und nachdrücklich aufgefordert, mit in das Polizeigebäude zu kommen, wo ein strenges Verhör begann, bei dem ihr Fahrer für sie dolmetschte. Kinzel, der analog fotografiert hatte, musste seinen Film herausgeben, sein Bekannter die Digitalkamera, deren Bilder akribisch zweimal kontrolliert wurden. „Nun hatte ich den Film gerade gewechselt und nur diese eine Straßenszene drauf, daher habe ich den Polizisten den Film gleich gegeben“, berichtet Kinzel. Immer wieder mussten er und sein Kamerad den Polizisten berichten, was sie und warum sie dies fotografiert hätten. Ihre Visa wurden kopiert, ihre Pässe mit Smartphones abfotografiert. „Es war ein ganz schön mulmiges Gefühl“, gibt Uwe Kinzel im Nachhinein zu: „Jetzt waren wir in deren Akten drin und sie riefen ihren Obersten an.“ Das Polizeigebäude sei mit Schießscharten ausgerüs-tet gewesen und auf dem Dach seien schwere Maschinengewehre installiert gewesen. Da könne man draus schließen, dass die iranische Regierung ihrem Volk nur sehr bedingt traue, findet Kinzel.
Und die Sicherheitsbehörden hielten ganz offensichtlich jeden Ausländer für einen Spion, bis das Gegenteil bewiesen sei. Durchsucht worden seien er und sein Freund jedoch nicht. Das Gespräch sei mit der Zeit immer ruhiger und freundlicher geworden und nach mehreren Stunden konnten beide ihre Reise tatsächlich wie geplant fortsetzen – Kinzel allerdings ohne seinen Film Der blieb beschlagnahmt. Die digitalen Bilder hatten die Geheimpolizisten aber zum Glück nicht gelöscht, nachdem sie sich davon überzeugt hatten, dass sie harmlose touristische Motive zeigten. „Ich war heilfroh, dass sie uns nicht durchsucht haben“, verrät Kinzel. Er habe wegen der geplanten Fahrt nach Rayien und Bam ausgedruckte Satellitenbilder von Google Earth dabei gehabt, was seiner Ansicht nach zu massiven Problemen hätte führen können. „Als wir später wieder raus waren, habe ich die Bilder sofort verbrannt, falls wir noch einmal in so eine Situation gekommen wären“, so Kinzel.
Der 60-Jährige aus Hannover macht kein Hehl daraus, wie unheimlich das Erlebte für ihn gewesen ist. Diese Erinnerung ist haften geblieben, obwohl die Bevölkerung im Iran superfreundlich, entgegenkommend und neugierig gewesen sei. Und das bei einem sehr repressiven Regime, das von Konservativen kontrolliert werde. „Ein Nachgeschmack bleibt“, sagt Uwe Kinzel, der bei der Ausreise noch einmal ein recht ungutes Gefühl hatte, ob man ihn und seinen Gefährten dabei vielleicht noch einmal zurückhalten würde. Doch nichts dergleich geschah. Lediglich seine Filmrollen musste er vorzeigen, aber sie blieben unversehrt. Auch wenn es noch ein wenig hin ist, auf den Vortrag über den Iran im übernächsten Winter können sich die Wedemärker jetzt schon freuen. Es wird bestimmt sehr interessant!