Konstanze Beckedorf wiedergewählt

Ein emotionaler Moment: Bürgermeister Bartels übergibt Konstanze Beckedorf die Ernennungsurkunde zur Beamtin auf Zeit für eine zweite Amtsperiode als Erste Gemeinderätin. Foto: Th. Schirmer
 
Bürgermeister Tjark Bartels dankte Mona Achterberg für die geleistete Arbeit als seine zweite Stellvertreterin und gratulierte ihr zur Wahl als neue Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde. Foto: Th. Schirmer

Mona Achterberg wird neue Gleichstellungsbeauftragte

Wedemark (sch). Es war ein denkwürdiger Montagabend im Ratssaal des Bürgerhauses. Gleich zwei wichtige Personalentscheidungen, der Beschluss über den Dorferneuerungsplan Elze sowie Weichenstellungen für die Expansionspläne der Wennebosteler Firma Sennheiser standen auf der Tagesordnung. Vor allem der letztgenannte Punkt zog viele interessierte Bürgerinnen und Bürger an, die wissen wollten, wie es mit Wennebostel und den Bauvorhaben von Sennheiser weitergehen wird.
Doch zunächst stand die Verabschiedung von Regina Niehoff an. Großes Lob von allen Seiten wurde der langjährigen Gleichstellungsbeauftragten ausgesprochen, die laut Bürgermeister Tjark Bartels das Thema Gleichstellung in der Wedemark in besonderem Maße geprägt habe. Der Ratsvorsitzende Heinz Peterburs würdigte Niehoff als „soziales Gesicht“ der Wedemark und SPD-Fraktionsführer Helge Zychlinski betonte, dass Niehoff in ihrem Amt Maßstäbe gesetzt habe. So einvernehmlich, wie der Rat die scheidende Gleichstellungsbeauftragte lobte, sollte eigentlich auch die Wiederwahl von Konstanze Beckedorf zur Ersten Gemeinderätin vollzogen werden. Bürgermeister Tjark Bartels hatte bereits im Vorfeld ein öffentliches Bekenntnis zu seiner Stellvertreterin an der Verwaltungsspitze abgegeben und eine Wiederwahl zum frühestmöglichen Zeitpunkt unter Verzicht auf eine weitere Ausschreibung in den Rat eingebracht. Die Initiative des Bürgermeisters hatte besondere Vorzeichen, denn Beckedorf wurde 2006 mit einem CDU-Parteibuch von der damaligen CDU/FDP-Ratsmehrheit gegen den Widerstand der Opposition ins Amt gewählt. Nun fand eine Wiederwahl der Ersten Gemeinderätin unter umgekehrten Vorzeichen statt. Das lag einerseits an dem zum Jahresbeginn erklärten Parteiaustritt Beckedorfs sowie dem im Vorfeld dieser Entscheidung deutlich gewordenen Spannungen zwischen ihr und der CDU-Fraktion. Andererseits schien es Beckedorf in den vergangenen sieben Jahren offensichtlich gelungen zu sein, ihr Amt so überzeugend auszufüllen, dass der gesamte Rat voll des Lobes für die Erste Gemeinderätin war. Bartels begründete seine Entscheidung zugunsten Beckedorfs noch einmal: „Vom ersten Tag an hatte ich ein ausgesprochen gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu Frau Beckedorf.“ Helge Zychlinski schloss sich den lobenden Worten des Bürgermeisters an: „Frau Beckedorf hat sich durch ein ganz großes Maß an Engagement ausgezeichnet.“ Dass Beckedorf bei ihrer ersten Wahl noch von der SPD abgelehnt wurde, wollte Zychlinki nicht verhehlen, betonte aber, dass sich die damalige Entscheidung nicht gegen die Person sondern ausschließlich gegen das umstrittene Wahlverfahren gerichtet habe. Lob zollte ihr auch die Grünen-Fraktion. „Sie hat uns positiv überrascht“, bilanzierte der Fraktionsvorsitzende Ingemar Becker. Selbst die CDU, für die der Fraktionsvorsitzende Rudolf Ringe das Wort führte, stellte die Leistung Beckedorfs keineswegs infrage. „Fachlich haben wir überhaupt keine Bedenken gegen Frau Beckedorf“, bekräftigte er. Das gestörte Verhältnis mache aber eine Wiederwahl aus Sicht der CDU unmöglich. „Nach anfänglich vorzüglicher Zusammenarbeit schwand das Vertrauen zwischen der Fraktion und der Ersten Gemeinderätin. Dieses hat bereits vor geraumer Zeit zu einem Ausschluss Beckedorfs von den internen Sitzungen geführt“, erläuterte Ringe die Sicht der CDU auf die Erste Gemeinderätin und stellte die Vermutung an, der Parteiaustritt Beckedorfs könne ihrem Wunsch nach Wiederwahl unter einer neuen Ratsmehrheit geschuldet sein. Er schloss mit der Forderung, die Stelle auszuschreiben.
Die Mutmaßung Ringes veranlasste Bartels, seine Haltung gegenüber Parteizugehörigkeiten von Verwaltungsmitarbeitern klarzustellen. Er habe ausgesprochen viele Beförderungen von CDU-Mitgliedern innerhalb der Gemeinde initiiert, erinnerte der Bürgermeister die Opposition und bekräftigte ferner: „Die Frage des Parteibuches ist für mich völlig ohne Belang.“ Gegen die Stimmen der CDU beschloss der Rat den Verzicht auf eine Ausschreibung der Stelle. Bei der anschließenden Wiederwahl Beckedorfs enthielt sich die CDU-Fraktion. Das ansonsten einmütige Votum für ihre Person nahm Konstanze Beckedorf emotional bewegt auf. „Ich bin aufgeregt“, räumte sie ein und dankte dem Rat, dass sie bereits zu einem so frühen Zeitpunkt im Amt bestätigt wurde. Als „alles andere als selbstverständlich“ bezeichnete sie die Haltung Bartels zu ihr, dem sie „in ganz besonderem Maße“ dankte. Schließlich richtete Beckedorf auch ein klares Wort an ihre ehemaligen Parteifreunde: „Mir Opportunismus vorzuwerfen, ist schon sehr, sehr mutig, denn wer mich kennt weiß, dass gerade diese Eigenschaft nicht die meine ist“, verteidigte sie sich vehement.
Dass die CDU aber auch gewillt war, Personalia parteiübergreifend mitzutragen, bewies die Fraktion in der nachfolgenden Neuwahl der Gleichstellungsbeauftragten. Bartels erläuterte, dass zur Sichtung der Bewerbungen eine Findungskommission unter Beteiligung aller Fraktionen gegründet worden sei, die sich schließlich einstimmig für Mona Achterberg entschieden habe. Die Grünen-Ratsfrau und Zweite Stellvertretende Bürgermeisterin sei dank ihrer hohen Qualifikation, ihrer Berufserfahrung als aktuelle Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Isernhagen, sowie ihrer hervorragenden Vernetzung auf verschiedensten Ebenen „so gut geeignet wie wohl kaum eine andere Person in Niedersachsen“. Achterberg stellte sich dem Rat in ihrer Eigenschaft als Bewerberin vor. „Es ist natürlich eine besondere Situation, wenn sich eine Ratsfrau auf eine Stelle in der Gemeindeverwaltung bewirbt. Das darf ihr nicht zum Vorteil, aber auch nicht zum Nachteil gereichen“, erklärte sie. Ihr sei bewusst, dass sie bei einer Wahl ihre politischen Ämter in der Gemeinde niederlegen müsse, nehme dies angesichts der reizvollen Aufgabe aber gerne in Kauf. Dem klaren Votum der Findungskommission schloss sich der Rat schließlich an und wählte Achterberg ohne Gegenstimme. Einstimmig wurde im Anschluss einer ausführlichen Darlegung von Ortsbürgermeister Jürgen Benk ebenfalls die Endfassung des Dorferneuerungsplans Elze beschlossen, in dem sich laut Benk „alle Vorschläge am Ort Elze und der Absicht orientieren, den dörflichen Charakter beizubehalten, ohne den demographischen Wandel unberücksichtigt zu lassen“. Einvernehmlich beurteilten die Fraktionen anschließend auch die Notwendigkeit, der Firma Sennheiser in Wennebostel den Weg zu ebnen, am Standort expandieren zu können. Mit diesen baulichen Schritten sichere man den Verbleib eines international bedeutenden Unternehmens sowie des größten Arbeitsgebers in der Kommune, erklärte Ortsbürger-
meister Hans-Joachim von Einem. Für die Grünen lobte Wilhelm Lucka die zwischenzeitlich abgestimmten Verbesserungen an den geplanten Bauvorhaben, die aufgrund der intensiv geführten Diskussion mit den Anliegern zustande gekommen seien. Bürgemeister Bartels ergänzte dazu, dass diese öffentliche Beteiligung bereits in einem sehr frühen Stadium der Planungen erfolgt sei und lobte das Engagement der Bürgerinnen und Bürger Wennebostels. Lob sprachen sich auch die Fraktionen gegenseitig für ihre gegenseitige Unterstützung in dieser Angelegenheit aus. So wurde als Satzungsbeschluss über die Änderung des Bebauungsplans Nr. 16/09 „Labor“, als Feststellungsbeschluss über die Flächennutzungsplanänderung Nr. 16/09 „Wennebosteler Kirchweg-West“ sowie als Entwurfs- und Auslegungsbeschluss über den Bebauungsplan Nr. 16/11 „Wennebosteler Kirchweg-Westseite“ abgestimmt. Alle Beschlüsse passierten den Rat einstimmig, wie auch die übrigen Punkte auf der umfangreichen Tagesordnung. Dass es zum Schluss nicht zu harmonisch wurde, stellte Wolfgang Kasten für die CDU mit einer Anfrage sicher, die sich auf den geplanten Erwerb eines neuen Feuerwehrfahrzeugs für die Mellendorfer Wehr bezog. Inhaltlich entkräfteten Bartels und Beckedorf die Kritik der CDU an der bisherigen Verfahrensweise in dieser Angelegenheit. Jürgen Benk als Vorsitzender des Ausschusses für Feuerschutz und öffentliche Ordnung rügte indes Kasten für diese Anfrage, die aus einem persönlich und vertraulich geführten Gespräch zwischen beiden hervorgegangen sei. So klang eine intensive wie bedeutsame Ratssitzung mit leisen Misstönen aus, in der dennoch die Einstimmigkeit in den Beschlüssen zum Wohl der Gemeinde überwog.