Kritische Worte an politische Vertreter

Symbolische Schlüsselübergabe bei der offiziellen Einweihung der neuen Pestalozzi-Betriebsstätte in Mellendorf am Donnerstagnachmittag: (v. r.) Bereichsleiter Behinderterhilfe Nico Lauerwald, Betriebsstättenleiter Martin Mahlau, Vermieter Herbert Behr und der Vorsitzende der Pestalozzi-Stiftung, Claus Fitschen. Foto: A. Wiese

Einweihung des neuen Werkstätten-Standortes der Pestalozzi-Stiftung

Mellendorf (awi). Seit 1. Oktober sind die Werkstätten für seelisch Behinderte der Pestalozzi-Stiftung an ihrem neuen Standort in Mellendorf in Betrieb. Einen Tag der offenen Tür für die Nachbarn und Anwohner hatte es bereits Ende September gegeben. Am Donnerstag fand nun die offizielle Einweihung der Werkstatt in den früheren Postbetriebsgebäuden an der Wedemarkstraße/Am Sande in Mellendorf mit geladenen Gästen statt. „Wir können stolz auf einen Prozess zurückschauen, der im Februar 2012 begonnen hat“, sagte der Bereichsleiter Behindertenhilfe Nico Lauerwald. Als der Umzug aus Isernhagen beschlossene Sache war, hatten Lauerwald und sein Team mit Hochdruck nach einer geeigneten Immobilie gesucht und waren schließlich in Mellendorf fündig geworden: helle, freundliche Räume und nach ein paar Umbaumaßnahmen auch barrierefrei, 40 Werkstattplätze, ein Objekt, das nicht ganz am Rande eines Industriegebietes liegt, sondern in der Nähe von Handel und Handwerk. Lauerwald bedankte sich für das gute Einvernehmen mit Vermieter Herbert Behr und seiner Famjlie und bei Immobilienmakler Klass für die sachgerechte Begleitung sowie bei den Anwohnern für die herzliche Aufnahme. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks erinnerte an das Leitbild der Pestalozzi-Stiftung „Chancen geben, Leben lernen“. Dass das mit immer neuen Anstrengungen gelingen könne, beweise die Pestalozzi-Stiftung seit vielen Jahren. Stellvertretend für den gesamten Rat heiße sie die Stiftung und ihre Werkstätten in der Wedemark und in Mellendorf willkommen, erklärte Marks. Für die Stiftung sei dies ein weiterer wichtiger Baustein in ihrer Arbeit, vor der sie großen Respekt habe, betonte Marks. Die Stiftung sei aus dem gesamten sozialen Gefüge der Region nicht wegzudenken. Für die Erfüllung dieses Auftrages im sozialen Netz brauche es Menschen, die sich mit Überzeugung und Tatkraft für andere einsetzten. Auch die ers-te Gemeinderätin Konstanze Beckedorf begrüßte die Werkstätten an ihrem neuen Standort und überbrachte „mit großer Freude die herzlichen Glückwünsche im Namen von Bürgermeister Tjark Bartels und der Gemeindeverwaltung“. Sie freue sich auch über die sinnvolle Nachnutzung der Gebäude und das neue Standbein, das die Stiftung sich hier geschaffen habe. Die Wedemark sei nicht nur ein zentraler Standort, sondern auch ein beliebter Wohn- und Gewerbestandort. In vielen Ortsteilen seien Betriebe angesiedelt, und viele von ihnen engagierten sich auch im sozialen Bereich, führte Beckedorf aus. Sie lud die Werkstätten schon jetzt ein, sich auf der Gewerbeschau der Gemeinde am ersten Juniwochenende zu präsentieren und bot ihre Unterstützung in jeder Hinsicht an. Monika Lüpke, Leiterin der Einrichtung für psychisch Genesende an der Mohmühle, gab zu bedenken, dass es keine Selbstverständlichkeit sei, dass man im Zeitalter von Inklusion mit einem Handicap anerkannt würde. Angesichts der differierenden Pflegesätze für geistig und seelisch Behinderte gerate man schnell in Versuchung, von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft zu sprechen. Hier seien die Politik und die Gesetzgebung gefordert, betonte Lüpke. Man habe den Eindruck, dass die Benachteiligung von psychisch Behinderten gewollt sei. Die Pestalozzi-Stiftung setze mit ihrem Umzug an den neuen Standort ein Signal, das die Politik aufgreifen sollte, betonte Lüpke. Mit launigen Worten gab auch Pastor Claus Fitschen als Vorstand der Pestalozzi-Stiftung sein Statement ab. Nach einer symbolischen Schlüsselübergabe mit Vermieter Herbert Behr ging es dann zum gemütlichen Teil über. Für die musiklische Umrahmung sorgte das Duo Zuckerhut.