Landtagsabgeordnete tun sich schwer

Kämpfen gegen das Auslaufen der Förderschule Lernen: Die Elternvertreterinnen Anja Hemme (von links), Karin Edlich, Anja Nussbicker und Schulleiterin Jana Semmeradt-Möller. Fotos: A. Wiese
 
Hörten sich die Bedenken an: Lars Wegener (von links), Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, SPD-Ratsfraktionschefin Rebecca Schamber, SPD-Landtagsabgeordneter Marco Brunotte und sein Grüner Kollege Belit Onay.

Keine klare Stellungnahme aus der Politik für Eltern der Berthold-Otto-Schule

Mellendorf (awi). Die Eltern der Berthold-Otto-Schüler machen sich erhebliche Sorgen um die schulische und berufliche Zukunft ihrer Kinder auf Grund der mit der Schulgesetznovellierung drohenden Auflösung der Förderschule Lernen und haben deshalb bereits diverse Aktionen gestartet: Doch weder Briefe an das Ministerium oder den Bürgermeister, eine Mini-Demo mit eindrucksvollem Transparent in der Bürgersprechstunde noch ein persönliches Gespräch mit der CDU-Landtagsabgeordneten Editha Lorberg brachte bisher einen erkennbaren Erfolg. Lorberg hatte den Eltern geraten, zum einen eine Petition einzureichen, zum anderen aber auch das Gespräch mit den Vertretern der Mehrheit im Landtag, nämlich SPD und Grünen zu suchen. Die Petition wird demnächst übergeben, SPD-Landtagsabgeordneter Marco Brunotte aus Langenhagen und sein Kollege Belit Onay von den Grünen folgten jetzt der Einladung der Eltern in die Schule und hörten sich ihre Sorgen an. „Ich habe nicht wirklich den Eindruck, dass uns das was gebracht hat“, fasste eine der Mütter nach dem fast zweistündigen Besuch aus der Politik enttäuscht ihre Eindrücke zusammen. „Eigentlich wollte man uns nur abbügeln“, mutmaßt sie. Elternratsvorsitzende Karin Edlich hatte die Politiker, zu denen auch der Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Lars Wegener, der in Mellendorf wohnt, und die SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Rebecca Schamber zählten, mit den Bedenken der Eltern bezüglich der „überhasteten Auflösung“ konfrontiert und ihnen vorgeworfen: „Politiker scheinen die Wirklichkeit eines Schulkindes mit Förderbedarf nicht zu kennen.“ Ausführlich legten Karin Edlich, Anja Hemme und Anja Nussbicker die Probleme von Kindern mit Lernbehinderung auch im Zeitalter der Inklusion am Beispiel ihrer eigenen Kinder dar. Sie schilderten, was sie bereits alles unternommen haben, um auf die Problematik aufmerksam zu machen und lobten die engagierten Lehrer der Berthold-Otto-Schule. „Wir brauchen ihre Hilfe und ihr Fachwissen für unsere Kinder, die einmal Steuern zahlen sollen“, so der Appell der emotional sichtlich aufgewühlten Eltern. Brunottes öffentlich getätigte Äußerung „anpacken und besser machen“ habe ihnen Mut gemacht, so die Eltern, die jetzt gespannt warten, wie
es der SPD-Landtagsabgeordnete richten will. Wie Inklusion denn aus Sicht der Eltern funktionieren solle, kam die Gegenfrage von Lars Wegener. Kleinere Klassen mit zwei Lehrkräften, lautete die Antwort von Karin Edlich, „und nicht drei Förderstunden die Woche, während sie jetzt 30 Förderstunden haben“. Er verwahre sich gegen den Begriff ,Willkür‘ der Politik, so Marco Brunotte. Der werde der Arbeitsweise des Landtages nicht gerecht. Er komme aus einer Familie mit einem schwerbehinderten Vater und daher sei die Sensitivität in weiten Teilen gegeben, betonte Brunotte. Der Landtagsabgeordnete der Grünen Belit Onay sieht den Verbesserungs ansatz bei der Zahl der Förderstunden: Wenn drei Förderstunden pro Klasse in den weiterführenden Schulen, zu denen die Kinder mit Förderbedarf Lernen dann gehen müssten, zu wenig seien, müsse diese Zahl eben aufgestockt und wenn möglich die Zahl der Lehrkräfte erhöht werden.