Lebhaftes Erzählen fesselt Zuhörer

Nein, Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer kratzt sich nicht an der Nase: Mit aufrüttelnden Fakten zur Ernährung stimmte der Autor auf seiner Lesung nachdenklich, brachte aber im gleichen Atemzug lebhafte Vorschläge für eine gesündere Lebensweise. Foto: S. Birkner

Autor Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer las aus „Wir Besser-Esser“

Mellendorf (sb). Wissenschaftliche Lesungen können schnell den Eindruck der Besserwisserei erwecken. Ganz abgesehen davon, dass die Gefahr der Informationsübersättigung besteht, kann ein Überfluss an fachlichen Erklärungen schnell belehrend und damit unauthentisch wirken. Am vergangenen Mittwoch im Forum des Mellendorfer Schulzentrums war das anders.
Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, Bruder der nationalen Musikgröße Herbert, verband einen Ernährungsvortrag mit Passagen aus seinem Buch „Wir Besser-Esser“. Die Fülle von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Statistiken wirkte dabei allerdings weder belehrend noch universitär, sondern informativ und unterhaltsam zugleich.
Grönemeyer lockte mit seinem populärwissenschaftlichen Buch ein breites Besucherspektrum an. Unter den rund 180 Zuhörern fanden sich junge und alte, bildlich gesprochen: dicke und dünne Menschen wieder. Übergewicht und gesunde Ernährung erwiesen sich als zentrale Säulen seines Vortrags.
Wie Grönemeyer es schaffte, die Ausführungen nicht zu trocken wirken zu lassen, erklärt sich mit seinem Gefühl für kreative Verbildlichungen und geschickte Perspektivwechsel. So wird der Kauvorgang oder die Funktionsweise der Speiseröhre in seinem Buch nicht rein fachwissenschaftlich dargestellt, sondern von lebendigen Charakteren erzählt. Max zum Beispiel muss sich im menschlichen Mund vor Zunge und Backenzähnen in Sicherheit bringen, während Judith von ätzender Magensäure bedroht wird. Diese Veranschaulichungen, untermalt mit wissenswerten Informationen, machen das Sachbuch zum raffinierten Wechselspiel aus Unterhaltungsliteratur und Ratgeber. Für Kinder ist es besonders gut geeignet, weil es nach Schulstunden aufgebaut ist.
Manchem fehlte am Mittwoch vielleicht ein bisschen Schärfe in Grönemeyers Gesellschaftskritik, die beim Thema Ernährung angesichts einer Million krankhaft dicker Kinder in Deutschland vielleicht angebracht gewesen wäre. Dem Arzt und Autor aber ging es nicht um das Anprangern, sondern darum, es besser zu machen. Vorschläge zum gesunden Kochen, Initiativen für den Schulsport und Hinweise zum bewussten Genuss greift er nicht nur in seinem Buch, sondern auch mit der von ihm gegründeten Grönemeyer-Stiftung auf. Auf diese Weise versucht er ganz praktisch und realitätsnah, eine neue Wahrnehmung der Medizin in der Gesellschaft zu erreichen.
Die Lesung, deren Reinerlös übrigens an Grönemeyers Stiftung floss, hatten Astrid und Robert von Hirschheydt möglich gemacht. Die Mellendorfer Buchladenbesitzer sind persönlich mit der Familie Grönemeyer befreundet und vollbrachten so das Kunststück, den gefragten Autor ins beschauliche Mellendorf zu holen.