Lorberg gewinnt Wahlkreis wieder direkt

Standing Ovations für eine sichtlich gerührte Editha Lorberg bei ihrer Ankunft auf der CDU-Wahlparty im Gasthaus Bludau. Foto: A. Wiese
 
Mit herzlichem Applaus wurde der SPD-Kandidat Rüdiger Kauroff bei der SPD-Wahlparty in Elze empfangen, auch wenn er den Einzug in den Landtag über das Direktmandat diesmal nicht geschafft hat. Foto: A. Wiese

Mit Stefan Birkner (FDP) zieht ein weiterer Vertreter des WK 32 in den Landtag ein

Wedemark (awi). Als sich am Wahlabend um kurz nach halb neun die Anspannung löste, konnte Editha Lorberg, seit zehn Jahren CDU-Landtagsabgeordnete aus der Wedemark und jetzt zum dritten Mal direkt in den Landtag gewählt, nicht verhindern, dass ihre Augen ein wenig feucht wurden. „Leute, das war ein Krimi, sag ich euch“, waren ihre ersten Worte beim Eintreffen auf der Wahlparty der Wedemärker CDU im Gasthaus Bludau in Wennebostel.
Lorberg hatte die spannende Zeit bis zum Auszählen der letzten Wahlbezirke bei ihren Parteifreunden in Garbsen verbracht und war erst nach Bekanntwerden des Ergebnisses in die Wedemark aufgebrochen. Hier erwarteten sie minutenlange Standing Ovations, ein großer Blumenstrauß und viele überglückliche Parteifreunde, die zu diesem Zeitpunkt auch die Hoffnung nicht aufgegeben hatten, dass ihre Partei, die CDU, gemeinsam mit der FDP, auch in Niedersachsen wieder Regierungsverantwortung übernehmen könnte. Dass dies nicht der Fall ist, sondern Rot-Grün eine Stimme Mehrheit im neuen Landesparlament hat und damit der Regierungswechsel perfekt ist, das wussten die Wedemärker Sozialdemokraten noch nicht, als sie ebenfalls gegen halb neun am Wahlabend ihren Landtagskandidaten Rüdiger Kauroff aus Garbsen mit einem donnernden Trost-Applaus empfingen. Wahlkreisweit hatte Kauroff mit 38,7 Prozent Mandatsverteidigerin Lorberg mit 41,5 Prozent nicht verdrängen können. Der Garbsener war zwar zu Recht enttäuscht, bedankte sich aber bei seinen Genossen aus der Wedemark für einen engagierten Wahlkampf. Stefan Birkner, Spitzenkandidat der FDP, aus Osterwald holte in seinem eigenen Wahlkreis Garbsen-Wedemark nur 4,5 Prozent der Erststimmen, zieht aber über den ersten Platz der Landesliste in den Landtag ein und nimmt dort voraussichtlich neben Editha Lorberg auf der Oppositionsbank Platz, für beide eine ungewohnte Rolle. Mona Achterberg von den Grünen holte mit 9 Prozent der Erststimmen ein beachtliches Ergebnis, in ihrem Wohnort Brelingen kam sie in einem Wahllokal sogar auf 17,5 Prozent der Erststimmen. Sait Kelen von den Linken spielte mit 1,8 Prozent der Erststimmen ebensowenig eine Rolle wie der Mellendorfer Kandidat der Linken, Rüdiger Pfeilsticker, mit ebenfalls 1,8 Prozent.
Für die Wedemärker SPD sprach die Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Caren Marks insgesamt von einem fairen Wahlkampf, wenn sich auch „manche Kandidaten mit fremden Federn geschmückt haben“. Nicht gut kam bei der Wedemärker SPD die „Leihstimmenkampagne“ für die FDP an. Während im Fernsehen die neuesten Hochrechnungen einliefen, waren sich viele der gespannt zusehenden Sozialdemokraten im Pinocchio einig, dass eine solche Leihstimmenkampagne „unmoralisch“ und „im Grenzbereich“ sei und die Ergebnisse der Wahl „verwische“. Sehr zufrieden kommentierten die Wedemärker Sozialdemokraten hingegen das Zweitstimmenergebnis: Hier holte die CDU wahlkreisweit 33,4 Prozent der Zweitstimmen, die SPD 35,6 Prozent. Die FDP kam auf 11,9 Prozent, die Grünen auf 11,7 Prozent, die Linke auf 2,5 Prozent und die Piraten auf 2,1 Prozent. In der Wedemark war das Abschneiden der CDU bei den Zweitstimmen um zwei Prozent besser als im gesamten Wahlkreis, bei der SPD jedoch um 4,2 Prozent schlechter. Die FDP schnitt in der Wedemark 1,1 Prozent besser ab als im Wahlkreis, die Grünen 2,1 Prozent besser. Linke und Piraten waren jeweils wahlkreisweit besser als in der Wedemark. Genaue Ergebnisse können Interessierte der Tabelle unten entnehmen (Quelle Region Hannover). Ihr
bestes Erststimmenergebnis errechte Lorberg mit 54,1 Prozent in Scherenbostel, Kauroff mit 40,3 Prozent im Wahllokal Mellendorf I. Birkner fuhr sein persönlich
bestes Ergebnis in der Wedemark mit 7,7 Prozent in Oegenbostel ein, Mona Achterberg konnte in Brelingen ihren Heimvorteil ausspielen und kam hier im Wahllokal Brelingen I auf 17,5 Prozent. Sait Kelen von Die Linke schnitt mit 5,9 Prozent in Bennemühlen am besten ab. Rüdiger Pfeilsticker von den Piraten verzeichnete sein
bestes Ergebnis mit 3,6 Prozent in Oegenbostel.
Die Gewinnerin des Wahlkreises 32, Editha Lorberg, bedankte sich bei ihren Wählern, ihrer Familie und ihren Wahlkampfhelfern: „Die Freude ist natürlich groß, denn die Arbeit der vergangenen Jahre hat sich ausgezahlt. Ich verdanke meinen Wahlsieg den ländlichen Bereichen meines Wahlkreises. Da ich stets betont habe, dass die SPD ihren Schwerpunkt auf die städtischen Bereiche gelegt hat, überrascht mich das Ergebnis nicht. Nun bleibt abzuwarten, ob die SPD es schafft, sich auch den Interessen des ländlichen Raumes anzunehmen. Die Grünen haben sich im Wahlkampf oft von ihrer „bürgerlichen“ Seite gezeigt. Wenn man die Debatten über Jahre im Landtag verfolgt hat und ihre wahren Ziele kennt, ist das Wahlergebnis für mich besorgniserregend“, erklärte Editha Lorberg noch am späten Wahlabend. Natürlich sei das Gesamtergebnis enttäuschend, kommentierte die Landtagsabgeordnete das Abschneiden ihrer Partei und der bisherigen Koalition ohne Wenn und Aber. Die Mehrheit der Menschen in Niedersachsen habe zwar David McAllister weiterhin als Ministerpräsidenten haben wollen, doch nun müsse man mit Stephan Weil zurechtkommen, dessen Beliebtheit sich bis zum Ende doch eher in Grenzen gehalten habe, so Lorbergs Einschätzung. Zur Oppositionsrolle könne sie nur sagen, dass sie natürlich die Interessen ihres Wahlkreises auch aus der Opposition heraus mit aller Kraft und Entschlossenheit weiterhin vertreten werde. Auch SPD-Kandidat Rüdiger Kauroff bedankte sich bei seinen Wählern und Unterstützern aus Garbsen und der Wedemark. Er werde auch weiterhin in seiner kommunalpolitischen und ehrenamtlichen Feuerwehrtätigkeit nicht nachlassen und seine Ziele beharrlich verfoglen. Die SPD habe es mit dieser Landtagswahl wieder erreicht, stärkste politische Kraft in Garbsen zu werden und liege dort mehr als 1.200 Stimmen, knapp sechs Prozent vor der CDU. „Darin liegt auch der Erfolg von Stephan Weil und der SPD“, ist Rüdiger Kauroff überzeugt. Er gratulierte Editha Lorberg zum „errungenen Oppositionsmandat“.