Lyrik und Musik aus Luthers Zeiten

Gabriele Rose und Leonhard Brandstetter gestalten die musikalische Lesung „Lyrik und Musik aus Luthers Zeiten“ in der Bissendorfer St-Michaelis-Kirche. Foto: B. Stache
 
Leonhard Brandstetter stellt während der musikalischen Lesung „Lyrik und Musik aus Luthers Zeiten“ seine ganze Fingerfertigkeit und große Musikalität unter Beweis. Foto: B. Stache

Musikalische Lesung mit Gabriele Rose und Leonhard Brandstetter in St.-Michaelis

Bissendorf (st). „Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die Leute fröhlich und man vergisst über sie alle Laster.“ Mit diesen Worten des Theologen und Reformators Martin Luther begrüßte Kirchenvorstandsvorsitzende Karin Ernst am Sonntagnachmittag zirka 50 Besucher zu einer musikalischen Lesung in der Bissendorfer St-Michaelis-Kirche. Gabriele Rose aus der Gruppe „WORTART – Springer Literaten & Co.“ gestaltete die Veranstaltung „Lyrik und Musik aus Luthers Zeiten“ gemeinsam mit Leonhard Brandstetter (Gitarre). Als Rahmen nannte Gabriele Rose in ihrer Einführung den Zeitraum von 1450 bis 1600, als auch nördlich der Alpen die Renaissance angekommen war. „Die bestimmende geistige Strömung der Renaissance war der Humanismus. Die Humanisten forderten eine Bildungsreform, die die geistigen Fähigkeiten der Menschen zur vollen Entfaltung treiben sollte“, erklärte sie. Wichtig sei in dieser Zeit die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg gewesen. Sie habe in Europa nahezu eine Medienrevolution ausgelöst und Bücher zu Massenartikeln gemacht. Den musikalischen Auftakt machte Leonhard Brandstetter mit seiner zehnsaitigen Gitarre und dem Prélude aus der 1. Cellosuite von Johann Sebastian Bach. Gabriele Rose trug anschließend drei Luther-Gedichte vor – zwei ernsthafte über Leben und Tod und ein humorvolles über den Käse. Es folgten im Wechsel Gitarrenklang von den Komponisten Johann Anton Logy, John Dowland, Luys de Narváez sowie Luis Milán und Wortbeiträge anderer Persönlichkeiten „aus Luthers Zeiten“. Darunter waren Hans Sachs, Johann Friedrich Fischart, Michelangelo und Giordano Bruno, italienischer Priester, Dichter, Philosoph und Astronom. „Eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Renaissance“, beschrieb Gabriele Rose den Italiener. Mit ihrer einfühlsamen, klaren Sprache nahm die Vorleserin Gabriele Rose ihre Zuhörer mit in die Zeit des Martin Luther und der Renaissance. Dabei vermittelte sie eindrucksvoll Stimmungen und geistige Strömungen dieser Epoche und gab den Besuchern viel Wissenswertes über die jeweils zitierten Personen mit auf den Weg. Die anspruchsvolle Gitarrenmusik von Leonhard Brandstetter tat ein Übriges zum Gelingen dieser Veranstaltung. Ihren Schlussbeitrag widmete Gabriele Rose dem englischen Heiligen Thomas Morus (1478-1535), der am 6. Juli 1535 den Märtyrertod erlitt, mit seinem Gebet um Humor: „Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten“. Das Gedicht endet mit den Worten: „Herr, schenke mir Sinn für Humor. Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.“ Gitarrist Leonhard Brandstetter stellte mit John Dowlands Variationen über das Lied „Une jeune fillette“ noch einmal seine ganze Fingerfertigkeit und große Musikalität unter Beweis. Mit viel Applaus, Dank und Geschenken zollten Zuhörer und Kirchenvorstandsvorsitzende Karin Ernst gleichermaßen den beiden Akteuren der musikalischen Lesung ihre besondere Anerkennung. Die Kirchengemeinde beendete mit dieser informativen und unterhaltsamen Veranstaltung die Ausstellung von historischen Postkarten des Reformators Martin Luther, dessen Thesenanschlag sich in diesem Jahr zum fünfhundertsten Mal jährt.