Mahnwache für die Resser Schimpansen

Die engagierten Tierschützer forderten mit einer Mahnwache verbesserte Lebensbedingungen für die beiden Schimpansen Mimi und Dolly. Foto: D. Lange

Tierschützer wussten zu dem Zeitpunkt nicht: Halter hat in Umzug der Affen eingewilligt

Resse (awi/dl). Als engagierte Tierschützer am Sonnabend mit einer Mahnwache am Tor der Gärtnerei Marwitz in Resse verbesserte Lebensbedingungen, vor allem einen größeren Käfig, für die beiden über 50 Jahre alten Schimpansendamen Mimi und Dolly forderten, hatte Halter Georg Marwitz längst eine Entscheidung über die Zukunft der Tiere getroffen, die er seinen Angaben zufolge vor 47 Jahren aus schlechter Haltung in einem Zirkus rettete (das ECHO berichtete). Mimi und Dolly sollen in Kürze in die niederländische Affenauffangstation AAP gebracht werden.
Die „Stiftung Affe“, begründet 1972, betreibt eine Auffangstation für Primaten und Klein-/Mittelsäuger. Zunächst in Amstelveen ansässig, zog AAP 1996 nach Almere um. AAP erstreckt sich heute über ein Gelände von mehr als sieben Hektar und beherbergt zurzeit etwa 350 Tiere, davon ungefähr 215 Primaten. Der Umzug der Affen geschieht mit Zustimmung und auf Veranlassung ihres Besitzers, der auch selbst für Kosten und Organisation des Transports sorgen wird. Das bestätigte am Montagvormittag auf Anfrage des ECHO Regionssprecher Nils Meyer nach Rücksprache mit dem Fachdienst für Verbraucherschutz und Veterinärwesen. Noch während bei der Region Hannover ein Verwaltungsverfahren lief, in dessen Zuge ein mögliches Verbot der Affenhaltung mit Auflösung des Tierbestandes geprüft wurde, habe die Region das Signal erhalten, dass der Halter nach jahrelangem Rechtsstreit jetzt willens sei, die Affen abzugeben. Das hatte Georg Marwitz auch im Gespräch mit dem ECHO vor wenigen Wochen erklärt, vorausgesetzt er finde einen guten Platz. Regionssprecher Nils Meyer bestätigte aber auch, dass Marwitz mit seiner Einwilligung der Anordnung der Region im Zuge des Verwaltungsverfahrens zuvorgekommen sei. Diese sei ihm formal trotzdem zugestellt worden. Die Region lasse jetzt ein amtstierärztliches Gutachten über den Gesundheitszustand und die Transportfähigkeit der beiden Affendamen erstellen. Dann habe der Halter eine Frist, in der er die Schimpansen in die Auffangstation in den Niederlanden verbringen müsse. Geschehe dies in diesem vereinbarten Zeitraum nicht, werde die Region selbst die Initiative ergreifen, bestätigte Meyer.
Davon wussten wie gesagt die Tierschützer nichts, die am Sonnabend mit ihren Plakaten Posten am Tor der Gärtnerei am Resser Ortseingang bezogen. Dort wies nur ein kleines Schild darauf hin, dass der Gartenbaubetrieb an diesem Tag geschlossen sei. Aus einigem Abstand beobachten zwei Beamte in einem Streifenwagen die Szene. Einen Grund zum Eingreifen gab für sie aber nicht. Vor dem Tor hatten sich Demonstranten eingefunden, die sich unter dem Namen „We fight for you“ im Rahmen einer Mahnwache für die beiden Affen auf dem Gärtnereigelände einsetzten. Diese werden von ihrem Besitzer seit Jahrzehnten in einem Käfig gehalten, der mit neun Quadratmetern nicht den aktuellen gesetzlichen Vorgaben entspricht. Eine der Organisatorinnen der Mahnwache, Konstanze Dombach, berichtet empört über die ihrer Ansicht nach völlig unzureichenden Bedingungen für die beiden Schimpansen. „Die meiste Zeit sitzen die beiden Affen apathisch auf dem Boden, denn in ihrem Käfig gibt es für sie keine Bewegungsmöglichkeiten, nichts, was sich auch nur annähernd als artgerecht bezeichnen ließe“, so Dombach. Den Tierschützern ging es nach ihren Beteuerungen nicht so sehr darum, die Tiere, auch wegen ihres Alters, in andere Hände zu geben, sondern für sie stehen in erster Linie angemessene Haltungsbedingungen im Vordergrund. Sie gingen sogar soweit, dem Besitzer der Affen bei der Umsetzung ihrer Forderungen Hilfestellung anzubieten. Dem gegenüber stehe allerdings das aus ihrer Sicht bisher wenig kooperative Verhalten des Besitzers. Ralf Würtz, Mitglied des Ortsrates in Resse, schaute am Sonnabend bei den Demonstranten vorbei, um sich ein Bild über ihre Aktion und ihr Anliegen zu machen. Die Interessengemeinschaft „We fight for you“, die auch mit anderen Tierschutzorganisationen zusammenarbeitet, betonte am Sonnabend vor Ort, dass sie nicht nachlassen werde in ihren Bemühungen, die Situation der beiden Schimpansen zu verbessern: „Wir fordern von den zuständigen Behörden, die von ihnen formulierten Auflagen gegenüber dem Besitzer endlich durchzusetzen, damit sich die Lebensbedingungen für die beiden Affen ändern. Bis dahin werden wir weiterhin Druck ausüben, indem wir die Öffentlichkeit auf die unhaltbaren Zustände aufmerksam machen.“