Maria Eilers macht Wedemärker Zeitgeschichte lebendig

Autorin Maria Eilers liest in der Buchhandlung von Hirschheydt aus ihrem Werk „Die Wedemark – Meine Liebe“. Die Zuhörer lauschen gebannt. Foto: N. Mandel

„Die Wedemark – meine Liebe" – Frauen und Männer über 80 erzählen

Mellendorf (nm). Wie war eigentlich das Leben Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts in unseren Dörfern in der Wedemark? Dieser Frage wollte Autorin Maria Eilers nachgehen und so entstand ihr zweibändiges Buch. Am letzten Donnerstagabend stellte sie es in der Buchhandlung von Hirschheydt am Hufschmiedeplatz in Mellendorf vor. Knapp vierzig Zuhörer lauschten ganz gebannt der Lesung der Autorin. In dem von der Gemeinde Wedemark beim ECHO herausgegebenen Werk „Die Wedemark – meine Liebe“ kommen 15 Frauen und 15 Männer, alle über 80, zu Wort. Sie erzählen Episoden aus ihrem Leben hier in der Wedemark: Amüsantes, Berührendes und Bewegendes, aus schwierigen und aus guten Zeiten, jede und jeder aus seiner ganz persönlicher Sicht – in jedem Fall aus längst vergangenen Zeiten.
Autorin Maria Eilers, selber in der Wedemark aufgewachsen, hat dazu autobiografische narrative Interviews geführt. Ein einzigartiges Werk bestehend aus zwei Büchern ist so entstanden. Lebensgeschichten der Generation die den zweiten Weltkrieg und die Zeit danach in der Wedemark miterlebt hat, sind hier konserviert. Der historisch- autobiografische Charakter ist dadurch entstanden, dass die Erzählenden ihrem Redefluss folgen konnten. „Es ist ein bisschen so, als wenn das Enkelkind die Oma fragt: Erzähl‘ doch mal, Oma, wie war denn das früher?“, schmunzelt Eilers, die die Erzählungen ihrer Protagonisten durch möglichst wenig Nachfragen unterbrochen hat. „Denn die wirklich bewegenden Dinge in ihrem Leben kennt ja nur die erzählende Person“, erklärt die Autorin. Durch die autobiografische narrative Form verläuft so ein Gespräch ganz anders, als wenn es einen durch vorab erdachte Fragen vorgegebenen Rahmen gibt. Denn die Fragen lenken den Fokus auf bestimmte Ereignisse, im freien autobiografischen Erzählen dagegen werden wirklich wichtige persönliche Lebensereignisse erinnert, die sonst sicher nicht zur Sprache gekommen wären. Das ganz eigene Erleben der Protagonisten, die alle namentlich genannt werden, insbesondere der Zeit des Einmarsches der englischen Truppen im Zweiten Weltkrieg bekommt in der Lesung ein fast greifbares beklemmendes Gesicht. Die Flüchtlingswellen, das Leben auf engstem Raum, Enteignungen, all das haben die Wedemärker in dieser Zeit erlebt. Heute kann man sich diese Zustände kaum noch vorstellen. Ein Wissen, das verlorengeht – Maria Eilers hat es in ihren zwei Büchern, dem Buch der Männer und dem Buch der Frauen, festgehalten. Dabei hat gerade das Flüchtlingsthema einen ganz aktuellen Bezug zur Gegenwart.
Aber auch die Begegnungen mit ihren Protagonisten, der erste Kontakt, all das beschreibt Maria Eilers zwischen den vorgelesenen Passagen sehr lebendig. „Das Werk, das fast alle Orte der Wedemark aus höchst privater Sicht behandelt, ist gerade noch rechtzeitig aufgeschrieben worden,“ sagt Robert von Hirschheydt, der die Lesung zusammen mit Autorin Maria Eilers initiiert hat. Das scheinen auch die Zuhörer ganz unterschiedlicher Altersklassen so zu empfinden. Gebannt hängen sie an diesem Abend an den Lippen der Autorin, die ihr Werk vorstellt: Ein Stück Wedemärker Zeitgeschichte, das für die Nachwelt erhalten bleibt.