„Mein Körper gehört mir“ geht weiter

Begeistert sagen die Kinder gemeinsam mit den Schauspielern das Lied „Mein Körper“. Foto: A. Wiese

An der Grundschule Bissendorf bezahlen Henstorf-Stiftung und Förderverein das Projekt

Bissendorf (awi). Als Elke Schäfer letztes Jahr die Auflösung des Vereins Gegenwind gegen sexuellen Missbrauch ankündigte, waren ihre Worte: „Wir haben den Schulen und anderen Einrichtungen ausführlich vorgemacht, wie es geht. Jetzt sind sie selbst am Zug.“ Die Rede war von Projekten wie „Mein Körper gehört mir“, „Die Nein-Tonne“ oder „Sicher ins Internet“. Der 1998 gegründete Präventionsverein hatte die Schulen immer eng in die Organisation eingebunden, damit sie auch selbst in der Lage sein würden, den Kontakt herzustellen. Doch es geht ja nicht nur um die Organisation, sondern vor allem auch um die Finanzierung. In den vergangenen Jahren hatte „Gegenwind“ einen Großteil der Kosten übernommen, in 2015 sogar die komplette Summe. Doch der Appell der engagierten scheidenden Vorsitzenden ist ganz offensichtlich angekommen. In der Grundschule Bissendorf ist das dreiteilige Projekt „Mein Körper gehört mir“ für die dritten Klassen gerade erfolgreich zu Ende gegangen. „Die Finanzierung haben die Henstorf-Stiftung und unser Förderverein übernommen“, erklärte Schulleiterin Andrea Grunwald-Seitz. Alle dritten Klassen haben in den vergangenen drei Wochen jeweils drei Mal eine Schulstunde lang an dem Projekt teilgenommen. Am Dienstag war Abschlusstag und die Kinder ließen keinen Zweifel daran, dass sie sich schon darauf gefreut hatten. Begeistert warteten sie darauf, das Lied „Mein Körper“ zusammen mit den Schauspielern singen zu können und an diesem Tag die dritte und letzte Strophe zu lernen. „Mein Körper, der gehört mir allein. Ich bestimm über meinen und du über deinen“, das ist der Kern des Liedes und der gesamten Veranstaltungsreihe. Drei Fragen, lernten die Kinder, sollten sie sich in bestimmten Situationen stellen: „Habe ich ein Ja- oder ein Neingefühl bei der Sache?“, „Wissen meinen Eltern, wo ich bin?“ und „Kriege ich Hilfe, wenn ich Hilfe brauche?“ Müssten sie auch nur eine Frage davon mit Nein beantworten, sollten sie die jeweilige Situation sofort beenden, so der eindringliche Ratschlag der Schauspieler, die den Kindern diverse Szenen vorspielten. Es gibt Berührungen, die man nicht will. Davon und wie man auf sie reagiert, handeln die Spiel- und Interaktionsszenen von „Mein Körper gehört mir“. Seit mehr als 20 Jahren ist die theaterpädagogische Werkstatt mit ihrem Präventionsprogramm gegen sexuelle Gewalt an den Schulen in Deutschland zu Gast – mittlerweile mit mehr als 70 Spielerpaaren, um den Schülern das Thema sexueller Missbrauch kindgerecht nahe zu bringen. Die einzelnen Programmteile widmen sich den Themen Ja- und Nein-Gefühle, sexueller Missbrauch durch Fremde und Täter aus dem Nahbereich der Kinder. Insbesondere letzteres stand auch am Dienstag im Mittelpunkt des dritten und letzten Teils für die Bissendorfer Drittklässler. Hier erlebten die Kinder im Szenenspiel, wieviele Anläufe und wieviel Mut es Micha kostet, um einen Erwachsenen zu finden, der ihm glaubt, das sein älterer Bruder ihn unsittlich berührt und bereit ist, etwas dagegen zu unternehmen. Dahinter steht die Erkenntnis: Wissen macht stark. Je besser Kinder informiert sind und ihre eigenen Wahrnehmungen und Gefühle einschätzen können, desto besser sind sie geschützt.