Meitzer See wird „saniert“

Thomas Klefoth (links) und Holger Machulla verschaffen sich einen Eindruck von den Baumaßnahmen zur Schaffung von Flachwasserzonen am Meitzer See. Foto: B. Stache
 
Holger Machulla (links) und Thomas Klefoth freuen sich über den Baufortschritt zur Schaffung von Flachwasserzonen am Meitzer See. Foto: B. Stache

Flachwasserzonen und Totholzbündel sollen die Artenvielfalt fördern

Meitze (st). „Im Rahmen des sogenannten BAGGERSEE-Projekts werten wir die Uferstruktur des Meitzer Sees auf. Wir schaffen Flachwasserzonen und bringen zusätzlich Totholzelemente ein“, fasste Biologe Thomas Klefoth vom Anglerverband Niedersachsen e.V. (AVN) die aktuellen Maßnahmen zur Aufwertung des Uferbereichs am Meitzer See zusammen. Das Gewässer gehört dem Angelsportverein (ASV) Neustadt a. Rbg. Dessen Vorsitzender Holger Machulla hat sich am Montagmittag gemeinsam mit dem AVN-Biologen einen Eindruck von den Baumaßnahmen an dem Kiessee verschafft. Während ein großer Bagger Sand und Erdreich für die zukünftigen Flachwasserzonen bewegte, erklärte Thomas Klefoth das Ziel: „Diese Zonen sollen neuen Lebensraum schaffen, um einerseits die Artenvielfalt zu steigern und andererseits auch die fischereiliche Qualität. Wir erhoffen uns positive Effekte auf Fische, Wirbellose wie Krebstiere und Libellenlarven. Auch Vögel und Amphibien sollten davon profitieren.“ 142 Totholzbündel werden später noch im Flachwasserzonenbereich und im See versenkt. Die mächtigen Holzbündel wurden in Zusammenarbeit mit den Niedersächsischen Landesforsten beschafft. Die gesamte Aktion ist eine Maßnahme von BAGGERSEE, einem Gemeinschaftsprojekt des AVN, dem Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und der TU Berlin, an dem niedersachsenweit 20 Angelvereine beteiligt sind. Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert und läuft noch bis Mai 2022. Der Meitzer See ist einer von vier Seen des Projekts. An vielen Baggerseen verläuft die Uferzone sehr steil, so dass dort kaum Wasserpflanzen wachsen, die Fischen, Amphibien oder Libellen Schutz und Möglichkeiten zur Eiablage bieten. Durch die jetzt begonnenen baulichen Maßnahmen wird steiles Ufer zu flachauslaufenden Zonen gestaltet. „Der Teich ist mit 24 Metern sehr tief – ein kaltes Gewässer ohne Flachwasserzonen“, beschrieb Holger Machulla die Situation. Er rechnet damit, dass die flachen Zonen, die später mit Schilf zuwachsen, für wärmeres Wasser im See sorgen und damit die Fische zum Laichen anregen. Hecht, Rotaugen und Brassen kommen im Meitzer See vor. Auch Brutvögel werden die Flachwasserbereiche nutzen, womit ein zusätzlicher ökologischer Erfolg erzielt wird. Wenn die Maßnahmen Erfolg haben und die natürliche Entwicklung im See voranschreitet, kann der Angelsportverein zukünftig auf teuren Fischbesatz verzichten. „Besser ist es, wenn die Natur vieles selber macht“, betonte der ASV-Vorsitzende. AVN-Biologe Thomas Klefoth kündigte an: „Wir werden über die nächsten vier Jahre die Effekte unserer Strukturaufwertung überprüfen, um am Ende des Projekts 2022 Resümee ziehen zu können: Wie können Angelvereine ihre Baggerseen möglichst naturnah gestalten?“ Der Anglerverband Niedersachsen ist mit mehr als 92 000 Mitgliedern der größte anerkannte Naturschutzverband und der größte anerkannte Fischereiverband des Landes. In mehr als 330 Angelvereinen leisten Angler im AVN jedes Jahr mit weit über 185 000 Stunden im Ehrenamt und siebenstelligen Finanzmitteln einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz, zur Förderung und Wiederherstellung naturnaher Gewässerlebensräume mit ihren oft bedrohten und wenig bekannten Lebensgemeinschaften. Wichtiger Teil dieses Engagements sind Maßnahmen zur Ausbildung und Umweltbildung, auch in Kooperation mit anderen Verbänden und diversen Bildungsträgern. Gleichzeitig dient ihr Einsatz der Sicherstellung einer respektvoll und nachhaltig betriebenen Angelfischerei.