„Mit Herrn Ali haben wir richtig Glück“

Sozialassistent Saleh Ali (Mitte) im Kindergarten „WEDERacker“ der Kinderfreunde mit Mohamad (von links) aus dem Sudan, Elsa – sie ist hier geboren, aber ihre Eltern kommen aus Nigeria –, Gulbarin aus Syrien und Luisa beim Vorlesen. Foto: A. Wiese

Verein der Kinderfreunde freut sich über Sozialassistenten mit Migrationshintergrund

Mellendorf (awi). Männer sind in den Sozialberufen, insbesondere auch in den Kindergärten, heiß begehrt. Wer dann auch noch einen Migrationshintergrund hat, gut deutsch spricht, aber auch das Arabische nach wie vor beherrscht, hat bei der Jobsuche mehr als nur gute Karten. So ging es auch Saleh Ali. Der 25-jährige Sozialassistent bekam auf sieben Bewerbungen Zusagen. Seine Entscheidung fiel schließlich zugunsten des Vereins der Kinderfreunde in Mellendorf aus. Seit mehreren Wochen ist Saleh Ali jetzt im Kindergarten am Gilborn, bei den neugetauften WEDERackern tätig und fühlt sich ausgesprochen wohl dort. Als Zehnjähriger kam Saleh Ali im Jahr 2.000 als Flüchtling mit seiner Familie aus Hasaka im Norden Syriens nach Deutschland und über ein Erstaufnahmelager in Braunschweig nach Neustadt am Rübenberge, wo die Familie heute noch wohnt. Die Alis mit ihren sieben Kindern waren damals Wirtschaftsflüchtlinge. Die Landwirtschaft ernährte die große Familie nicht. In Neustadt sei er sehr freundlich empfangen worden, erinnert sich Saleh Ali. Er habe sofort Sprachunterricht bekommen und sei in die vierte Klasse der Grundschule am Goetheplatz eingeschult worden. „Alles war neu, leicht war das nicht, aber meine Eltern waren sehr tolerant“, berichtet er. Nach rund zwei Jahren sei er der deutschen Sprache relativ gut mächtig gewesen. Er habe erst die Orientierungsstufe besucht und dann seinen Hauptschulabschluss an der Leine-Schule in Neustadt gemacht. Eine Ausbildung durfte er dann allerdings noch nicht machen, weil Asylbewerber vor ihrer Anerkennung acht Jahre zur Schule gegangen sein müssen und erst dann eine Arbeitserlaubnis bekommen. An der Fachoberschule Wirtschaft machte Saleh Ali dann seinen erweiterten Realschulabschluss und durfte 2008 endlich eine Ausbildung beginnen. Doch Hotelkaufmann war nicht sein Traumberuf, er erkannte es schnell und sattelte um. In der offenen Jugendarbeit der Neustädter Jugendpflege war er seit seiner Ankunft in Neustadt heimisch, hatte erst selbst die Angebote wahrgenommen, war dann als Betreuer aktiv geworden, hatte seine Juleica erworben und gemerkt, dass es das ist, was er auch beruflich machen möchte. Praktika im Kindergarten und Hort bestätigten ihn in seiner Entscheidung, die schulische Ausbildung zum Sozialassistenten in Nienburg gefiel ihm ebenfalls, der Sprung ins Berufsleben gelang problemlos. „Die Chemie hat sofort gestimmt“, freut sich Tim Arndt-Sinner vom Verein der Kinderfreunde. Für den Kindergarten sei der neue Kollege in vielerlei Hinsicht ein Segen. So spiele der Jugendtrainer beim STK Eilvese auch mit den Kindern im Kindergarten gerne Fußball. Vor allem aber habe er ein instinktives Verständnis für die Kinder mit Migrationshintergrund, für ihre Situation in der neuen Heimat, für ihre kulturellen Gewohnheiten, ihre Sprachschwierigkeiten und religiösen Hintergründe. Denn Saleh Ali stammt selbst aus dem kurdischen Teil Syriens und ist Jeside. „Natürlich sollen die Kinder hier Deutsch lernen, aber es hilft in der einen oder anderen Situation schon, wenn ich sie in ihrer Muttersprache ansprechen kann“, weiß Saleh Ali. Obwohl einige zunächst auch recht misstrauisch geguckt hätten, dass einer der Betreuer im Kindergarten auf einmal ihre Sprache verstand und sprach. Doch die Hemmschwelle war schnell abgebaut. Heute suchen eigentlich alle, aber besonders die Kinder mit Migrationshintergrund, die Nähe des Sozialassistenten, der demnächst auch Holzarbeiten im Werk-raum der Berthold-Otto-Schule mit ihnen machen möchte, das ist nämlich neben Fußball sein Steckenpferd. Tim Arndt-Sinner ist von seinem Sozialassistenten so begeisert, dass nun überlegt wird, wie man ihm seinen Wunsch erfüllen kann, sich berufsbegleitend in drei Jahren zum Erzieher ausbilden zu lassen, denn gehen lassen möchte der Verein der Kinderfreunde seinen „Glücksgriff“ auf keinen Fall wieder.