Mit offener Tür auf den Bäcker gewartet

Kontaktbeamter Andreas Kremrich suchte letzte Woche das Gespräch mit den Bürgern und klärte zum Thema Einbruchschutz auf. An diesem Haus in Resse waren ihm und seinem Kollegen die geschlossenen Rolläden am Vormittag aufgefallen. Sie zeigen dem potentiellen Einbrecher normalerweise an. Foto: A. Wiese

Polizei setzt beim Einbruchschutz auf Prävention und kontrolliert zahlreiche Häuser

Wedemark (awi). „Die Wedemark ist sicher“, lautet seit zwei Jahren die Überschrift über der Kriminalstatistik des Polizeikommissariats Mellendorf. Allerdings müssen die Hausbesitzer und Mieter auch dazu beitragen, denn Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Eine offene Haustür, weil die Bewohnerin den Bäckerwagen nicht verpassen möchte oder eine offene Garagentür, hinter der sich außer dem Auto diverse Werkzeuge befinden, heruntergelassene Rolläden am hellichten Tag und volle Briefkästen – all das waren Ansatzpunkte für den Kontaktbeamten Andreas Kremrich und seinen Kollegen Tobias Henschke.
Sie waren letzte Wochen im Rahmen eines gemeinsamen Präventionsprojektes der Polizei Mellendorf und des Präventionsrates der Gemeinde Wedemark zum Thema „Einbruchschutz“ in diverse Wohngebieten in Mellendorf, Bissendorf, Elze, Scherenbostel und Resse unterwegs. In der Tasche hatten sie einen ganzen Pack-en Zettel, die sie überall dort hinterließen, wo ihnen etwas auffiel. Es ergaben sich aber auch viele nette und fruchtbare Gespräche, denn natürlich klingelten Kremrich und Henschke erst einmal, um zu überprüfen, ob in dem betreffenden Gebäude jemand zu Haus ist. Ziel war es die Wohngebäude aus Sicht eines Einbrechers in Augenschein zu nehmen (Beleuchtungsverhältnisse, Schließzustand von Türen und Fenstern ) und mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen. „Wenn Sie abschließbare Fenstergriffe haben, nie den Schlüssel stecken lassen“ und „Wenn Ihre Kamera bei Abwesenheit auf Ihr Handy geschaltet ist und Sie etwas Verdächtiges bemerken, melden Sie sich umgehend auf der Wache der Polizei Mellendorf. Am besten, Sie speichern die Nummer der Mellendorfer Wache (0 51 30) 97 70 in Ihrem Handy ab, dann können Sie auch im Urlaub schnell reagieren“, sind nur zwei Tipps der Polizeikommissare für die Hausbesitzer. Dabei gaben sie allgemeine Tipps zur Prävention, sprachen aber auch die Möglichkeiten einer individuellen Beratung durch polizeiliche Mitarbeiter der Technischen Prävention der Polizeidirektion Hannover an. „Das Projekt trägt dem Umstand Rechnung, dass mit Beginn der dunklen Jahreszeit Einbrecher die frühe Dämmerung ausnutzen und tagsüber bei Abwesenheit der Bewohner in die Gebäude eindringen“, so Kremrich und verweist auf die Einbruchzahlen aus 2014. Im Jahr 2014 registrierte die Polizei in der Wedemark 84 Einbrüche, davon 26 in Mellendorf, jeweils elf in Elze-Bennemühlen und Scherenbsotel, acht in Resse und fünf in Bissendorf. In diesem Jahr gab es bereits 49 vollendete und versuchte Einbrüche in Wohnhäuser. Der Versuch miss-lang in 17 Fällen und das lag dann oft an den technischen Sicherungen, die so gut waren, dass die Täter von ihrem Vorhaben ablassen mussten. Von den 49 Einbrüchen in 2015 wurden 15 in Mellendorf, zehn in Bissendorf, neun in Elze-Bennemühlen, fünf in Bissendorf-Wietze und drei in Resse verübt. Erfahrungsgemäß zieht die Zahl aber an, wenn jetzt die dunkle Jahreszeit beginnt. „Es ist daher entscheidend, dass Hausbesitzer durch ihre Wachsamkeit den Einbrechern keine Chance geben und ihr Eigentum schützen“, sagt Andreas Kremrich. Er freute sich während seines Rundgangs letzte Woche übrigens auch über wachsame Nachbarn. So stand in einem Fall in Resse die Nachbarin in ihrer Haustür, um nachzusehen, wer da auf dem Grundstück ihres Nachbarn herumlief, problemlos die Verriegelung der Gartentür öffnete und an der Hintertür rüttelte. „Das finde ich prima, dass Sie so aufpassen“, lobte Kremrich denn auch und wünscht sich dieses Verhalten möglichst flächendeckend. Allerdings brachte der Spaziergang durch das Wohngebiet in Resse am Freitagvormittag auch zu Tage, dass sehr viele Bewohner tagsüber nicht zu Hause sind und ihre Nachbarn auch nicht. Und auch ein Schild am Zaun, dass hier ein Schäferhund wacht, zeigt beim Klingeln an der Tür, dass dies nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen muss und sich – nicht nur durch die Polizei, sondern auch durch Einbrecher – schnell überprüfen lässt. Aus Sicht der Polizei war die Aktion Einbruchschutz ein Erfolg, weil sie eben nur in recht wenigen Fällen wirklich etwas zu beanstanden hatte. Und die Verantwortlichen haben die Hoffnung, dass auch die Berichterstattung darüber dazu beiträgt, die Menschen noch mehr zu sensibilisieren. „Dann gehören solche Geschichten, dass uns eine alte Dame in Scherenbos-tel erzählt, vor drei Wochen habe ein Mann das Gesicht an die Scheibe ihres Wintergartens gepresst und hineingeguckt und als sie ihn entdeckte gerufen, er sei Roma und würde kein Deutsch verstehen, sie habe aber keinen Grund dafür gesehen, die Polizei zu informieren, hoffentlich der Vergangenheit an“, so Andreas Kremrich.