„Möchten Respekt statt Ehrenamtscard“

Präsente als Dankeschön für viele Jahre Engagement für die Freiwillige Feuerwehr Wedemark überreichten der neue Gemeindebrandmeister Maik Plischke (v. l.) und seine Stellvertreter Christopher Boss und Jens Kahlmeyer an Michael Hahn und Klaus Wilhelms. Foto: A. Wiese
 
Vom Mellendorfer Polizeikommissariatschef Knut Hallmann gab es ein herzliches Dankeschön und Auf Wiedersehen für Michael Hahn. Doch ebenso herzlich hieß Hallmann Hahns Nachfolger willkommen. Fotos: A. Wiese
 
Blumen für die Frauen, die ihren Männern den Rücken so lange freigehalten haben: v. l. Gemeindebrandmeister Maik Plischke, Klaus und Elisabeth Wilhelms, Michael und Petra Hahn und Regionsbrandmeister Bernd Keitel.

Feuerwehr Wedemark verabschiedet intern ihre langjährigen Funktionsträger

Wedemark (awi). Feuerwehrintern – lediglich die Polizei und die Presse waren als Externe eingeladen – hat die Feuerwehr Wedemark am Sonntagmorgen im Beisein vieler Wegbegleiter aus der Regionsfeuerwehr ihren langjährigen Gemeindebrandmeister Michael Hahn und seinen Stellvertreter Klaus Wilhelm verabschiedet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Feuerwehr Wedemark wurden bei dieser Gelegenheit thematisiert. Ohne die Dinge offen beim Namen zu nennen schwang dabei die Kritik am Verhalten der Verwaltungsspitze gegenüber der Feuerwehr in den letzten Wochen, Monaten und Jahren unüberhörbar mit. Der neue Gemeindebrandmeis-ter Dr. Maik Plischke appelierte eindringlich an seine Kameraden, sich beim „Tauziehen“ geschlossen auf einer Seite des Seiles einzufinden: „Dann kann auf der anderen Seite stehen, wer will!“
Spontan hatte sich die Feuerwehr nach der Ratssitzung, in der Verwaltung und Politik Hahn und Wilhelm offiziell entlassen hatten, entschlossen, dass dies noch einmal in würdigem Rahmen passieren müsse, und innerhalb weniger Tage die Verabschiedung mit mehr als 100 Gästen ausschließlich aus der Feuerwehr – mit den genannten Ausnahmen – im Mellendorfer Gerätehaus auf die Beine gestellt. Die Verdienste der ausscheidenden Funktionsträger zu würdigen war die Aufgabe des ebenfalls scheidenden Regionsbrand-
meisters Bernd Keitel. Er betonte die ungewöhnlichen Umstände der Einladung: „So etwas habe ich während meiner gesamten Dienstzeit nicht erlebt“. Er werde auf die Umstände jetzt nicht eingehen. „Aber ich kann Ihnen versprechen, der Tag wird kommen, wo deutlich gemacht wird, worum es hier geht“, sagte Keitel und jeder der über 100 Anwesenden im Feuerwehrhaus wusste, was er meinte. Dann wandte sich Keitel Michael Hahn zu: 1973 sei er in die Feuerwehr Mellendorf eingetreten, ihr bis heute treu geblieben und werde es auch weiterhin sein. Nach ganz verschiedenen Tätigkeiten innerhalb der Mellendorfer Wehr habe ihn 1999 der Ruf ereilt, das Amt des Gemeindebrandmeisters zu übernehmen und das war er bis zum 17. Juni dieses Jahres. Hahn habe immer dafür gesorgt, dass die 15 Ortsfeuerwehren der Gemeinde Wedemark nicht nur zusammenhielten, sondern auch dafür Sorge getragen, dass daraus eine Gemeindefeuerwehr Wedemark wurde. Auf sein Verdienstkonto gingen eine Reihe von Neuanschaffungen, vom Austausch des TSF gegen das TSW, der Beschaffung der Drehleiter und des ausrangierten Atemschutzgerätewagens der Landesfeuerwehrschule über die Anschaffung von Wärmebildkameras bis zu Neu-, An- und Umbauten zahlreicher Gerätehäuser. Er habe dafür gesorgt, dass Wehren Sonderaufgaben bekämen, wie Resse die Tierrettung, Oegenbostel die Schornsteinbrände, Mellendorf das Ziehfix oder Duden-Rodenbostel den Wassertransport. Über das dienstliche Engagement hinaus habe sich Michael Hahn für die Partnerschaft mit der Feuerwehr von Wedemarks französischer Partnerstadt Roye stark gemacht, er habe das Alarmierungssystem stark vorangetragen, vor allem auch, was stille Alarmierungen betrifft, und Seminare ins Leben gerufen. Vor allem aber liege ihm die Kameradschaft am Herzen, betonte Bernd Keitel. Das habe sich nicht nur bei den Wanderungen des Gemeindekommandos bemerkbar gemacht. Hahn habe Feuerwehr-Sanitäter ins Leben gerufen, sich für das ManV-Konzept eingesetzt und dabei trotz seines verantwortungsvollen Amtes, das viele Stunden Einsatz auch in der Region erforderte, die Heimat und die Verbundenheit zur Feuerwehr Mellendorf nie vergessen. „Er war nie derjenige, der sich höher gestellt fühlte, war immer einer von Euch, zum Beispiel, wenn er bei den Eimerfestspielen als Melder oder Maschinist tätig war“, rief Keitel den Feuerwehrkameraden zu und bekam spontan Beifall. Das niedersächsische Ehrenzeichen für 25-jährige Dienste habe Hahn ebenso erhalten wie 2005 das deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber und im Mai dieses Jahres wenige Tage vor seinem Rücktritt das deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold. Insbesondere diese Auszeichnung auf überörtlicher Ebene habe auch nach außen hin besonders deutlich machen sollen, „wie wir Feuerwehren zu Dingen stehen und darüber denken“, spielte Bernd Keitel ein weiteres Mal auf die Vorkommnisse zwischen Feuerwehr Wedemark und Verwaltungsspitze an.
Klaus Wilhelms, so Keitel weiter, sei 1979 in die Feuerwehr Oegenbostel eingetreten und dort von 1986 bis 2006 Ortsbrandmeister gewesen. Seit Juli 2001 bis zum 17. Juni dieses Jahres war Wilhelms stellvertretender Gemeindebrandmeister. In seiner Zeit als Ortsbrandmeister habe er seine Ortswehr Oegenbostel zu dem gemacht, was sie heute sei. In seiner Funktion als Hahns Stellvertreter gebühre ihm ein Teil der Verdienste, die er eben schon für den Gemeindebrandmeister aufgezählt habe, so Keitel, denn Klaus Wilhelms habe Michael Hahn immer den Rücken frei gehalten. Häufig hätten sie Termine gemeinsam wahrgenommen und das sei bei Vier- beziehungsweise Sechs-Augen-Gesprächen nicht das Verkehrteste, was sich gerade in letzter Zeit sehr bemerkbar gemacht habe, erlaubte sich der Regionsbrandmeister einen weiteren Seitenhieb. Auch Wilhelms sei Träger des niedersächsischen Ehrenzeichens für 25-jährige Dienste und seit 2002 des Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuzes in Silber. Beide Kameraden hätten ihr Amt mit großem Engagement wahrgenommen und etwas in der Feuerwehr Wedemark bewegt. Auch im Kreise der Stadt- und Gemeindebrandmeister seien sie gern gesehene Partner gewesen, die sich an der Diskussion beteiligt, ihr Wissen eingebracht und die Kameradschaft bereichert hätten. In diesem Kreis würden beide ebenfalls noch entsprechend verabschiedet werden, zumal die nächste Stadt- und Gemeindebrandmeister-Besprechung im September in Mellendorf stattfinden werde. Doch ohne ihre Frauen Petra Hahn und Elisabeth Wilhelms hätten sich auch Michael Hahn und Klaus Wilhelms nicht so einbringen können, merkte Keitel an. „Wenn der Partner nicht mitzieht, kann man seinen ehrenamtlichen Job nur an den Nagel hängen oder man muss die Familie aufgeben und wer macht das schon?“, so Keitel und bedankte sich bei beiden Frauen im Namen der gesamten Feuerwehr mit einem großen Blumenstrauß. Michael Hahn bedankte sich für die gute Zusammenarbeit bei allen Anwesenden und bestätigte, dass jetzt noch nicht der Zeitpunkt sei, die Umstände, die auch Keitel angesprochen habe, zu erläutern. Er bedankte sich ebenfalls bei seiner Frau und seinen Stellvertretern sowie deren Frauen und rief seinen Kameraden zu: „Macht euch nicht so viele Gedanken über meine Freizeit!“ Rund 125 Hauptversammlungen habe er besucht, 125.000 Stunden für die Feuerwehr geleistet, jetzt kehre er zurück zur Urzelle des Lebens, der Familie, und die sei nicht nur zu Hause auf dem Pfarrkampe, sondern auch in der Feuerwehr. Klaus Wilhelms schloss sich seinem Vorredner an, verriet, dass er und seine Frau sich ein kleines Wohnmobl angeschafft hätten und damit jetzt viel unterwegs sein wollten, doch die Feuerwehr gehe auch an ihm nicht ganz vorbei , er sei ja jetzt offiziell Mitglied der Altbrandmeister. Mellendorfs Kommissariatschef Knut Hallmann erklärte, zwischen die Polizei Mellendorf und die Feuerwehr Wedemark „passt kein Stück Papier“, und das liege auch maßgeblich an Michael Hahn und Klaus Wilhelms. Er spreche da auch im Namen seiner Vorgänger Wolfgang Just und Dirk Hallmann, betonte Wedemarks Polizeichef. Er sei überzeugt, dass sich auch daran in Zukunft unter der neuen Leitung nichts ändern werde, so Hallmann, und überreichte Maik Plischke eine Polizeimütze als Zeichen dafür, wer in EInsatzlagen den Hut aufhabe. Plischke gab sich ein wenig philosophisch: Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu holen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten Meer, zitierte er. Auch die Feuerwehr Wedemark habe ein Ziel, nämlich eine Feuerwehr zu sein, die sich nicht aufsplitten lasse. Kameraden und Kommando müssten ein Team sein, das das Ziel habe, den Menschen zu helfen und das gerne. Wichtig sei, dass alle zu diesem Ziel einen Weg nähmen. Dazu gehöre eine Kommunikationsbasis. Die wolle er liefern, fordere sie aber auch ein, so Plischke. Über Probleme wolle er direkt hören und nicht über Dritte. Ein ganz wichtiger Aspekt dabei sei das Thema Ehrenamt, das gestärkt werden müsse. „Viele Leute erwarten einfach, dass wir da sind und wissen gar nicht, dass wir ehrenamtlich unterwegs sind. Nicht alle Instrumente, die auf dem Markt sind, stärken das Ehrenamt. Ich erwarte keine Ehrenamtscard, das Einzige, was ich erwarte, ist Respekt gegenüber dem Ehrenamt“, sagte der neue Gemeindebrandmeister mit Nachdruck und bekam dafür kräftigen Applaus. Im Focus müsse der Nachwuchs stehen und es sei zu bedenken, jeder Feuerwehrmann sei nur so gut wie sein Ausbilder. Im Namen der Jugendfeuerwehren bedankte sich auch Fördervereinsvorsitzender Peter Bosse bei Hahn und Wilhelms, dann wurde dem Anlass entsprechend ausgiebig gefeiert und geklönt.