Nein-Tonne in der Zwergenburg

Fasziniert verfolgen die Kindergarten- und Hortkinder der KiTa Zwergenburg das Stück „Die große Nein-Tonne“ der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück. Foto: A. Wiese

Ein Projekt, um das Selbstbewusstsein der KiTa-Kinder zu stärken

Elze (awi). „Heute kommt wieder dieser Onkel, der mich so komisch anfasst. Das mag ich gar nicht.“ Der Schauspieler verzieht angeekelt das Gesicht. „Dann sag das laut und deutlich. Ab in die Nein-Tonne damit“, fordert seine Kollegin und die Kinder der KiTa Zwergenburg rufen begeistert Zustimmung und stimmen das Lied für die Nein-Tonne an, das sie mittlerweile schon ganz gut beherrschen.
Glücklich, traurig, wütend, ängstlich, mutig – sich als Kind dieser Gefühle bewusst zu sein, sie ausdrücken und zulassen zu können, das ist unheimlich wichtig, weiß auch Marianne Hemme. Die Leiterin der KiTa Zwergenburg freut sich, dass es gelungen ist, die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück mit der „Nein-Tonne“ in die Elzer KiTa zu holen. „In der Kindergartengruppe haben die Kinder die Gelegenheit, das eigene Selbst zu erleben und kennen zu lernen, wir Erzieherinnen unterstützen die Entwicklung der Persönlichkeit der Kinder und bringen in diesem Projekt den Kindern nahe, dass sie ihre Gefühle auch durchaus ausdrücken können“, so Hemme. Mit Gesprächen wie „Was tröstet mich, wenn ich traurig bin“, liedern und Kreativangeboten, bei denen Gefühle auf Bildern zum Ausdruck gebracht werden, werden den Kindergartenkindern im Rahmen dieses Projektes „Selbstbewusstsein stärken“ ihre unterschiedlichen Gefühle bewusst gemacht. Soziale Unsicherheiten wie „Was traue ich mir nicht zu, wie werde ich mutig“ werden angesprochen und Schritte zu mehr Selbstbewusstsein und mehr Selbstständigkeit entwickelt. „Unser Ziel es es“, so die Gruppenleiterin Claudia Genzer, „mit den Kindern Schritt für Schritt selbstsicheres Verhalten einzuüben“. Im pädagogischen Alltagshandeln werden Situationen geschaffen, in denen sich Kinder als selbstkompetent erleben und durch alltägliches Tun im Umgang mit unterschiedlichen Geräten, Materialien und Werkzeugen technische Fähigkeiten entwickeln. „Beim Sägen und Hämmern mit Holz oder durch die Aktion, jedes Kind kauf allein ein Brötchen beim Bäcker ein, wird dsa Selbstbewusstsein gefördert“, sagt Erzieherin Alice Janke. In der Hortgruppe habe die Zwergenburg vor zwei Jahren im Rahmen dieses Themas eine regelmäßige Kinderkonferenz ins Leben gerufen, berichtet Horterzieher Philipp Schelm. Dabei können die Kinder ihre Probleme, Ärgernisse und Wünsche vortragen. Sie bietet aber auch Raum, um über schöne Erlebnisse zu berichten. „Diese Gesprächsrunde fördert die Kommunikationsfähigkeit und das Selbstbewusstsein unserer Hortkinder“, ist auch Erzieherin Kathi Manke überzeugt.
Das Stück „Die große Nein-Tonne“ der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück richtete sich nicht nur an die „großen“ Kindergartenkinder, sondern auch an die Hortkinder, die dafür extra vom Unterricht befreit wurden. Finanziert hat das Theater der Verein Zwergenburg. „Es ist uns ein Anliegen, die Kinder in ihrer Persönlichkeit zu stärken“, so die zweite Vorsitzende Raphaela Roeser: „Sie müssen lernen, laut und deutlich Nein zu sagen, wenn irgendjemand ihre persönlichen Grenzen überschreitet.“ Die Schauspieler vermitteln mit ihrem Konzept: „Es ist wichtig, dass Kinder lernen, ihre Empfindungen wahrzunehmen, zu verstehen und zu verteidigen. Sie sollen wissen, dass sie auch Erwachsenen gegenüber das Recht haben, sich aufzulehnen, wenn ihre Grenzen nicht respektiert werden, aber auch, dass manche Regeln zwar nicht schön, für das Zusammenleben aber wichtig sind.“ Grundsätzlich gelte für Nein-Gefühle: Am besten ist es, sich jemandem anzuvertrauen. „Denn nur dann kannst du verstanden, unterstützt und getröstet werden. Und das sind für jedes Kind
lebenswichtige Erfahrungen“, heißt es in den Infos zum Theaterstück und weiß auch KiTa-Leiterin Marianne Hemme.